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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Eine Stunde für Knetens Geschichtsbuch

16.12.2016

Großenkneten Ehrungen sind für Heinz Heinsen an sich nichts Neues. Schon vor 20 Jahren hat der ehrenamtlich vielfach engagierte Kommunalpolitiker aus Großenkneten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Viele andere Auszeichnungen hat er in all den Jahrzehnten seines ehrenamtlichen Wirkens bekommen. Und doch war dieser Donnerstagmorgen für den 79-jährigen Sozialdemokraten ein ganz besonderer: Als erster Bürger der Gemeinde überhaupt erhielt Heinsen das Ehrenbürgerrecht verliehen. „Wir schreiben ein Stück weit Geschichte“, sagte Bürgermeister Thorsten Schmidtke vor dem Eintrag Heinsens ins Goldene Buch und der Übergabe der Ehrenbürgerurkunde.

Weit gereiste Gäste

Vertreter aus Rat und Verwaltung, der Kirche, langjährige Weggefährten (so der ehemalige Gemeindedirektor Herbert Wolff) und die gesamte Familie hatten sich zu der Feierstunde mit Musik von Ilse-Marianne Brose und Wolfgang Böckmann sowie anschließendem Frühstück im festlich geschmückten Ratssaal versammelt. Mit Marek Szutko aus Suprasl/Polen und Roland Snauwaert und Filip Huysman aus Evergem/Belgien waren sogar die beiden Partnergemeinden vertreten – ein Überraschungscoup, der vor Heinsen geheim gehalten worden war.

Eintrag ins Goldene Buch: Heinz Heinsen BILD: Ulrich Suttka

Die Ehrenämter von heinz heinsen – eine Auswahl

Gemeindepolitik Von 1972 bis Oktober 2016 saß Heinz Heinsen nonstop 44 Jahre für die SPD im Großenkneter Gemeinderat, davon 1976 bis 1986 Fraktionsvorsitzender SPD; 1986 bis 1990 stv. Bürgermeister; 1990 bis 2001 Bürgermeister; 2001 bis 2016 Ratsvorsitzender. Heinsen gehörte von Beginn an dem Verwaltungsausschuss an und brachte es auf insgesamt 576 Sitzungen.

Kreispolitik 1981 kam Heinsen erstmals für die SPD in den Kreistag des Landkreises Oldenburg und blieb bis 2011 sein Mitglied. Von 1991 bis 1996 war er stv. Vorsitzender des Hauptarbeitskreises des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB) und zudem Vorstandsmitglied des Bezirksverbandes im NSGB.

Justiz 1990 übernahm er das Amt des Schiedsmanns in der Gemeinde Großenkneten und nahm es bis vor wenigen Wochen wahr. Er leistete Ehrenarbeit als Schöffe beim Amts- und Landgericht Oldenburg sowie Mitarbeit im Musterungsausschuss.

Kirche Der Großenkneter arbeitete „in unendlich vielen Bereichen der Evangelischen Kirche mit“, so Bürgermeister Thorsten Schmidtke. Heinsen war maßgeblich am Aufbau des Diakonischen Werkes und anschließend der Sozialstation vor Ort beteiligt. Er begleitete lange Jahre die Seniorenarbeit und war jahrzehntelange Mitglied im Gemeindekirchenrat. Das höchste Amt der Kirche, der Präsident der Synode, hatte er seit 1994 inne. Im Jahr 2000 wurde er sogar in die Synode der evangelischen Kirchen Deutschlands gewählt.

Vereinswesen Heinsen war einst Vorsitzender des Gemeindejugendrings sowie Mitarbeiter im Vorstand des Kreisjugendrings. Ebenso wirkte er als Mitglied im Beirat der Ländlichen Erwachsenenbildung mit. Er war stv. Vorsitzender und Vorsitzender im TSV Großenkneten.

Partnerschaft Die Städtepartnerschaften mit Evergem in Belgien (seit 1975) und Suprasl in Polen (seit 1997) hat Heinsen von Beginn an begleitet, viele Jahre als Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses. Diese Amt hat er weiterhin inne.

„Das Ehrenbürgerrecht kann Personen verliehen werden, die sich besonders um die Gemeinde verdient gemacht haben“, erläuterte Schmidtke den „staatlichen Ehrerweis“, der übrigens mit keinerlei Vergünstigungen verbunden ist. Die SPD-Fraktion hatte im Sommer den Anstoß gegeben, der gesamte Rat versammelte sich im Oktober hinter dem Beschluss. „Wenn es einer verdient hat, dann sicherlich du“, sagte Schmidtke in seiner Laudatio über Heinsen. „Du hast dich um die Gemeinde Großenkneten zweifelsfrei und ganz außergewöhnlich verdient gemacht.“

Der Bürgermeister listete auf, wo überall Heinsen sich uneigennützig für das Wohl der Gemeinde eingesetzt habe, auch über Gemeindegrenzen hinaus. Neben Kommunalpolitik kamen zahlreiche Aufgaben in Vereinen, Kirche und weiteren Institutionen hinzu. Schmidtke betonte denn auch: „Es würden den zeitlichen Rahmen sprengen, alle zu erwähnen.“

Mit großer Verantwortung und noch größerem Ehrgeiz habe sich Heinsen sowohl politisch, sozial als auch in sportlichen Bereichen eingebrachte. Schmidtke: „Es war dir stets ein Anliegen, gesetzte Ziele zu erreichen, aber eben auf deine ruhige und gelassene Art und Weise. Du konntest und kannst energisch sein, aber dennoch war dir immer die große Gabe vergönnt, mit einer gewissen Gelassenheit wichtige Entscheidungen auf den Weg zu bringen.“ In diesem Sinne gratulierte auch der neue Ratsvorsitzender Torsten Deye im Namen des Rates zu der „ganz tollen Leistung“ von Heinsen.

Viele lobende Worte

Schon Schmidtke hatte betonte, wie sehr sich Heinsen für die internationalen Partnerschaften seit Mitte der siebziger Jahre bis zum heutigen Tage eingesetzt habe. Marek Szutko für Suprasl und Filip Huysman für Evergem bestätigten in kurzen Grußworten die zentrale Bedeutung Heinsens bei Aufbau und Pflege der Partnerschaften. Sie lobten den neuen Ehrenbürger in höchsten Tönen.

Der Geehrte hielt sich als Schlussredner kurz. „Die Ehrung bedeutet mir sehr viel“, sagte er und dankte allen Beteiligten. Der 79-Jährige würdigte das „ausgezeichnete Betriebsklima im Gemeinderat“ und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Er dankte den Wählern, die ihm über 44 Jahre immer wieder ihr Vertrauen geschenkt hätten, und seiner Familie, besonders seiner Frau Heidrun, für die große Unterstützung.

„Ich bin irgendwie überwältigt“, gestand der erste Ehrenbürger der Gemeinde zum Schluss seiner Rede ein. Mit stehenden Ovationen der Zuhörer endete der offizielle Teil der Feierstunde.

Ulrich Suttka Stv. Redaktionsleitung, Großenkneten/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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