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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Er kam vor 30 Jahren als Flüchtling

12.08.2015

Wildeshausen Wie selbstverständlich sagt Mohamad Fakhro: „Ich fühle mich hier integriert.“ Hier, das ist Wildeshausen, wo der 32-Jährige seit 30 Jahren lebt. Zwei seiner drei Söhne, Abdullah (12) und Elias (8), sitzen im Wohnzimmer auf dem Sofa und hören zu, war ihr Vater erzählt. Ahmad (9), sein dritter Sohn, hilft seiner Mutter beim Mittagessenkochen in der Küche, kommt aber nach einiger Zeit auch ins Wohnzimmer. Als Kind hat Mohamad Fakhro die Holbeinschule besucht, so wie seine Kinder heute. Die drei Jungs treiben beim VfL Wittekind Sport: Elias spielt Fußball, Abdullah Handball und Ahmad turnt.

„Untereinander sprechen die drei Deutsch, doch sie wachsen zweisprachig auf, das ist uns wichtig“, erklärt Fakhro. „Wir sprechen Arabisch mit ihnen.“

Im Libanon, aus dem seine Eltern mit ihm und seinen Geschwister 1986 wegen des Bürgerkriegs nach Deutschland flohen, ist Fakhro seither nicht wieder gewesen. Einige seiner Geschwister schon, weil dort noch einige Verwandte leben. „Anfangs hatten meine Eltern das Ziel, zurückzukehren. Doch die Lebensbedingungen im Libanon sind heute noch schlechter als vor 30 Jahren“, meint Fakhro.

Sein Zuhause ist Wildeshausen. Der 32-Jährige ist Elektriker, will noch den Techniker machen. Seine Brüder sind KFZ-Meister, Fahrzeuglackierermeister und Anlagenmechanikermeister. Seine gesamte Familie lebt in Wildeshausen. „Das Zusammenleben in dieser Stadt ist gut. Hier gibt es wenig Gewalt und Kriminalität. Es ist ein friedlicher Ort im Grünen“, beschreibt Mohamad Fakhro.

Alle Familienmitglieder sind im Verein Bildung und Sport tätig. „Den Verein gibt es seit 15 Jahren. 30 bis 40 Personen gehören dem Familienclub an. Fakhro ist ihr Sprecher. „Gegründet haben wir ihn ursprünglich, um Fußball zu spielen.“

Von neuen Flüchtlingen in Wildeshausen seien er und seine Geschwister schon häufiger angesprochen worden, ob es in Wildeshausen kein Gebetshaus für Muslime gibt. Die nächsten Kulturzentren seien in Vechta, Oldenburg und Delmenhorst.

Nun entsteht eines in Wildeshausen. „Mit dem Kulturzentrum wollen wir hier für alle Muslime einen Anlaufpunkt schaffen“, erläutert Fakhro. Es gehe darum, tagsüber und abends gemeinsam zu beten, Freizeit miteinander zu verbringen oder den Kindern bei der deutschen und arabischen Sprache zu helfen.

Das Kulturzentrum wird im Gewerbegebiet an der Daimlerstraße entstehen. Die Stadt hat zugestimmt, eine Gewerbehalle umzunutzen (NWZ  berichtete). Ein Architekt ist mit der Planung beauftragt.

Mohamad Fakhro fühlt sich als Deutscher und Libanese. „Wir sind offen für alle Muslime“, sagt er und betont: „Mit Politik haben wir nichts zu tun.“ Oft werde Religion missbraucht, so auch gerade in Syrien. In Wirklichkeit seien es politische Konflikte.

Mohamad Fakhro gehe es darum, dass seine und andere Kinder auch ein Stück Religion kennenlernen. „Mein Vater ist Islamlehrer, das war er schon im Libanon. Lange Jahre war er in einer Moschee in Bremen tätig“, erzählt der 32-jährige Wildeshauser. Von ihm sollen die Kinder demnächst sonntags im Kulturzentrum Grundlagen des Islams lernen. „Das ist mir wichtig“, sagt Fakhro.

Christoph Koopmeiners
Wildeshausen/Dötlingen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2705

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