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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Verabschiedung Von Dirk Wieting: „Een heel besünnern Ogenblick“

19.02.2019

Falkenburg Eigentlich wollte Dirk Wieting Ganderkesees Bürgermeisterin als Chauffeur dienen, als er 2007 bei der Faschingseröffnung eine Wette gegen sie verlor. Alice Gerken hatte aber keinen Bedarf für diesen Posten und bot ihm eine andere Aufgabe an – mit der sie und die ganze Gemeinde viel besser gefahren sein dürfte. Aus der Wette entstand zunächst die Konzeption der Plattdüütschen Week durch Wieting und ab 2011 das Amt des Plattdeutsch-Beauftragten, das der Habbrügger bis Ende vergangenen Jahres ausübte.

Gemeinde zeigt zum Abschied Video

Am Dienstag wurde der 64-Jährige im Falkenburger Amtshaus-Café feierlich verabschiedet – mit TV-Plattschnacker Yared Dibaba als Überraschungsgast. Der Hamburger machte auf der Rückfahrt von einem Termin in Düsseldorf extra Halt in seiner alten Heimat. Der in Falkenburg aufgewachsene Dibaba hatte bei der Premiere der Plattdüütschen Week 2008 die erste Gala-Platte moderiert und war 2014 erster Preisträger des Platt-Ganters im Rahmen der „Week“.

„Een heel besünnern Ogenblick“ nannte Dibaba Wietings Abschiedsfeier im kleinen Kreis. Neben Bürgermeisterin Gerken dankte Dirk Vorlauf als Vertreter des Landkreises im Vorstand der Oldenburgischen Landschaft dem ausgeschiedenen Plattdeutsch-Beauftragten für seine Arbeit. Dazu waren Vertreter der Ratsfraktionen, Angela Hillen als Plattdeutsch-Beauftragte des Landkreises und persönliche Gäste Wietings erschienen.

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Für kleine Überraschungen hatte die Gemeinde gesorgt: So sang die neunjährige Theresa Walter zur Gitarrenbegleitung von Jan Frerichs (Musikschule Ganderkesee) für den Bremen-Fan Wieting die Werder-Hymne – natürlich auf Platt. Und zwischen Suppe und Hauptgang wurde noch ein kurzer filmischer Zusammenschnitt gezeigt: Er enthielt Jugendfotos des Verabschiedeten und besondere Grußbotschaften. So sagte Treckerfahrer Keno Veith, Stargast der jüngsten Plattdüütschen Week, ebenso Tschüss zu Wieting wie NDR-Moderatorin Julia Westlake, die er allzugern zur Week auf die Bühne geholt hätte. Das scheiterte nur daran, dass sie nicht Platt spricht.

Dirk Wieting im Interview

Frage: Acht Jahre als Plattdeutschbeauftragter: Kann man sich danach einfach zurücklehnen und gucken, wie es weitergeht?

Wieting: Nein, sicher nicht. Ich bin ja weiter für das Plattdeutsche unterwegs, unter anderem als Vorsitzender des Niederdeutschen Theaters Delmenhorst. Und wenn ich in Ganderkesee gebraucht werde, helfe ich gerne noch hier und da. Aber jetzt ist es mal Zeit für eine Veränderung, auch mit Blick auf das Amt: Es kann ja nicht schaden, wenn da mal eine andere Handschrift reinkommt.

Frage: In der Gemeinde Ganderkesee geschieht viel, um Platt in den Blickpunkt zu rücken. Darum kümmern sich aber vor allem Vertreter der mittleren und älteren Generation, die selber noch mit der Sprache aufgewachsen sind. Wer kümmert sich in der nächsten Generation?

Wieting: Ich hoffe sehr, dass es diese Leute geben wird. Es ist ja eine große Herausforderung, junge

Menschen so für Platt zu interessieren, dass sie es auch weitergeben wollen und können. Ich glaube aber auch, dass es immer schwieriger wird, weil zuhause in den Familien nicht mehr Platt miteinander gesprochen wird.

Frage: Es kommt also auf den täglichen Gebrauch an, damit die Sprache nachhaltig erhalten bleibt?

Wieting: Das ist zwar keine Grundvoraussetzung. Aber es hilft natürlich sehr, wenn man die Sprache immer wieder hört.

Frage: Es ist nur wenig wahrscheinlich, dass in den folgenden Generationen noch zuhause Platt gesprochen wird...

Wieting: Das ist so. Darum erhoffe ich mir am meisten Einfluss durch die Schulen. Plattdeutsch als Unterrichtsfach wäre eine gute Sache.

Frage: Da muss man aber wohl zwischen Grundschulen und weiterführenden Schulen unterscheiden, oder?

Wieting: Sicher, wir haben an jeder Grundschule in der Gemeinde Plattdeutsch-AGs und das Interesse an den Lesewettbewerben ist phänomenal. Aber es ist in der Tat sehr schwer, die Jugendlichen, die so viele andere Sachen auf dem Plan haben, zu erreichen.

Frage: Ina Müllers Slogan „Platt is nich uncool“ hilft bei dieser Altersgruppe auch nicht mehr weiter?

Wieting: Wenn ich mir unsere Jugendgruppe vom Niederdeutschen Theater anschaue, kann ich das nicht bestätigen. Das haben wir mehr als 20 Jugendliche, die total Spaß an Platt haben. Aber ansonsten lassen sich Jugendliche für ein bestimmtes Projekt wohl noch begeistern, aber wenn das vorbei ist, wenden sie sich wieder ab.

Frage: Wie schätzen Sie die Zukunft in, sagen wir mal, 30 Jahren ein: Wird hier 2050 noch Platt gesprochen?

Wieting: Es darf nicht so weit kommen, dass es dann nur noch heißt: Plattdeutsch? Da war doch mal was. Ich hoffe, dass es in 30 Jahren immer noch gesprochen wird. Dafür zu sorgen, ist die Aufgabe der Plattdeutsch-Beauftragten.

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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