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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Wenn das ehrenamtliche Engagement fehlt

05.07.2018

Ganderkesee Steffen Block reicht’s. Der 2. Vorsitzende des Orts- und Heimatvereins Bookholzberg-Grüppenbühren tritt von seinem Amt zurück: „Die Arbeit ist immer an denselben zwei, drei Leuten hängengeblieben. Das frustriert einfach.“ Rund ein Jahr hatte der 22-Jährige den Posten inne, sich aber auch schon in den Jahren zuvor im Verein engagiert. Wenn seine Hilfe gebraucht wird, will er aber weiter für den Verein da sein. Denn Bookholzberg liegt ihm am Herzen. Insbesondere für junge Leute will er sich engagieren. So bleibt er Schriftführer des Vereins „Wir in Bookholzberg“ und organisiert etwa das Bobbycar-Rennen. Woran das liegt, dass sich gerade seine Generation wenig im Verein engagiert? „Vielleicht haben die Angst vor Verpflichtungen“, sagt Block.

Nur drei der rund 370 Mitglieder sind jünger als 40 Jahre, sagt 1. Vorsitzender Peter Hasselberg. Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 70 Jahren. Dabei versucht der Vorstand, mit dem Laternenumzug und Ausflügen junge Mitglieder zu gewinnen. Das Interesse an den Veranstaltungen ist auch da, nur mitorganisieren will kaum einer, das trifft nicht nur auf Jüngere zu, sagt Hasselberg, auch Ältere sind seiner Meinung nach immer schwerer für ehrenamtliche Aufgaben zu gewinnen.

Erschreckend gering

„Die geringe Teilnehmerzahl war erschreckend“, sagt Carsten Busch, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Bookhorn, über die letzte Jahreshauptversammlung. Nur 21 Mitglieder waren gekommen. „Es ist traurig. Man arbeitet ein ganzes Jahr über, will das präsentieren und es kommt keiner. Man hört immer nur was, wenn es Beschwerden gibt.“ 154 Mitglieder hat der Verein, das Durchschnittsalter schätzt Busch auf 50 Jahre. 15- bis 25-Jährige erreicht der Verein laut Busch gar nicht. Aber diese Altersgruppe zu begeistern, war immer schon schwierig, sagt der 53-Jährige. Jedoch seien auch Ältere immer schwerer für ehrenamtliche Aufgaben, insbesondere für Posten im Verein, zu gewinnen. „Das soziale Verhalten ändert sich massiv, das merkt man schon.“

Das kann auch Reinhard Siemer, Vorsitzender des Heimat- und Ortsvereins Elmeloh-Almsloh bestätigen. „Das wird alles weniger. Das ist schon traurig.“ Gegenüber anderen Vereinen hätten sie viele junge Mitglieder. Helfen würden allerdings hauptsächlich Ältere, und zwar immer dieselben. Etwa 700 Mitglieder zählt der Verein aktuell. Der Altersdurchschnitt liegt laut Siemer bei etwa 50 Jahren. Der 54-Jährige möchte seinen Posten trotz etwa 400 ehrenamtlicher Stunden im Jahr nicht missen. „Wir sind eine tolle Truppe im Vorstand. Und es ist eine Bereicherung, so viele Menschen zu kennen.“ Um ehrenamtliche Helfer, vor allem junge, zu gewinnen, bemüht sich der Vorstand, etwa Arbeitsdienste nett zu gestalten, zum Beispiel mit einem Grillabend für die Helfer. Zudem gewinne der Verein junge Mitglieder mit der Mini-Gruppe für Kleinkinder, die dem Verein beitreten müssen. „Die meisten bleiben dann auch dabei.“

Noch höher ist der Altersdurchschnitt im Orts- und Heimatverein Ganderkesee. Vorsitzender Gerold Ahlers schätzt ihn auf 70 Jahre. Das liege daran, dass sie sich viel mit historischen Themen beschäftigen. „Das interessiert erst, wenn man in Rente geht“, sagt Ahlers. Etwas mehr als 400 Mitglieder hat der Verein. Wenn es darum gehe, den Ort zu gestalten, wünsche er sich aber mehr junge Mitglieder. Wie man die gewinnen kann? „Eine zündende Idee habe ich nicht“, sagt Ahlers, „ich glaube, das ist ein gesellschaftliches Problem, denen fehlt die Zeit.“

Fasching zieht

Geradezu rosig sieht es da im Osten der Gemeinde aus. „Wir haben einen ganzen Haufen junger Leute“, sagt Enno Vosteen, Vorsitzender des Ortsvereins Schlutter-Holzkamp-Hoyerswege. Warum? „Entscheidend sind zwei Faktoren“, sagt der 53-Jährige, „einmal Fasching, denn alle, die mitmachen wollen, müssen in den Verein eintreten, und das super Sommerfest mit dem Spiel ohne Grenzen.“ Das Durchschnittsalter der 509 Mitglieder liegt etwa bei 50 Jahren – Mitglied werden kann man aber auch erst mit 18 Jahren. „Man muss Themen haben, die junge Leute begeistern“, sagt der Vorsitzende, der sich seit seinem 25. Lebensjahr im Vorstand des Vereins engagiert. Fasching ziehe enorm. Seit 1979 nimmt der Ortsverein am Umzug teil. Natürlich sei das Engagement etwa bei Arbeitsdiensten geringer, es kämen aber immer genügend Helfer zusammen. Auch für Ämter finde der Ortsverein immer Freiwillige. „Am Faschingswagen bauen wir ja über Monate, das stärkt die Gemeinschaft.“

Dass für jede Generation etwas dabei ist, hält Christoph Eckert, Vorsitzender des Ortsvereins Steinkimmen und selbst erst 24 Jahre alt, für das Wichtigste. So kümmern sich in seinem 110 Mitglieder starken Verein die Älteren unter anderem um die Denkmalpflege, die Jüngeren organisieren Feste. Dabei setzt der Verein auch auf moderne Kommunikationswege: Ist etwas zu tun, erreicht der Vorstand viele Steinkimmer über eine Whatsapp-Gruppe. Auch muss man alte Strukturen mal ändern, sagt Eckert: So ist in Steinkimmen aus dem Laternen- ein Fackelumzug geworden und wird seitdem besser besucht. Das Durchschnittsalter liegt laut Eckert etwa bei 45 Jahren, könnte aber deutlich niedriger sein: Der Verein will das Eintrittsalter, das bei 18 Jahren liegt, heruntersetzen, da auch Jugendliche Interesse zeigen.

Über neue Mitglieder freuen sich alle Vereine. Und, so bringt es Reinhard Siemer auf den Punkt: „Wer nicht mithilft, darf sich hinterher auch nicht beschweren.“

So erreichen Sie die Vereine

17 Orts-, Heimat- und Verkehrsvereine gibt es in der Gemeinde Ganderkesee. Wer sich in seinem Ortsteil engagieren möchte, findet die Ansprechpartner der Vereine auf der Internetseite der Gemeinde Ganderkesee.

Mehr Infos unter: https://www.gemeindeganderkesee.de/orts-heimat-verkehrsvereine.html

Sonja Klanke
Redakteurin, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2742

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