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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Im Einsatz für Inklusion und Teilhabe

17.05.2019

Ganderkesee Ob sie sich denn trotz ihrer Krankheit den Mühen der großen Politik gewachsen fühle? Diese Frage begreift Susanne Steffgen geradezu als Provokation. Denn für die Europawahl-Kandidatin der Linken ist ihre fortschreitende Nervenerkrankung CIPD kein Hinderungsgrund, um sich politisch zu engagieren – sondern das genaue Gegenteil: Es ist ihr Antrieb. „Menschen mit Einschränkungen müssen viel stärker in der Politik vertreten sein“, fordert die Ganderkeseerin, „denn nur sie wissen, was für sie gebraucht wird. Und nur in der Politik können sie etwas verändern!“

Seit 2016 im Rat

Susanne Steffgen bewirbt sich für Die Linke auf Platz 19 der Bundesliste um ein Mandat im Europäischen Parlament. Die Kandidatin wurde 1964 in Schifferstadt (Rheinland-Pfalz) geboren und wuchs in Speyer auf. Seit 2014 lebt sie in Ganderkesee. Die vierfache Mutter ist gelernte Maschinenschlosserin, staatlich geprüfte Maschinenbautechnikerin und Versicherungskauffrau. Seit 2016 sitzt sie im Gemeinderat.

Mit 29 Jahren erkrankte Susanne Steffgen an CIDP, einer fortschreitenden entzündlichen Erkrankung der peripheren Nerven. Folgeschäden kamen hinzu, sie ist unter anderem auf den Rollstuhl angewiesen.

Verändern muss sich noch viel, findet Susanne Steffgen, bis die Inklusion, also die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung oder Handicap am gesellschaftlichen Leben, wirklich erreicht ist. „Im Moment haben wir noch mehr Exklusion als Inklusion“, findet sie. Das fängt an mit den Treppenstufen, die sie vom Kinobesuch abhalten, und hört mit der Frage des Journalisten, ob sie sich trotz ihrer Erkrankung die Arbeit im Europaparlament zutraue, noch lange nicht auf.

„Ich verstehe nicht, warum Menschen mit Einschränkungen immer noch so viele Steine in den Weg gelegt werden“, sagt Steffgen. Dabei sei die Inklusion per Gesetz längst geregelt: 2007 trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft, 2009 hat Deutschland sie ratifiziert, seit 2011 ist Inklusion europaweit Gesetz. „Diese Konvention ist kein Akt der Gnade“, betont die 55-Jährige, „das sind unsere Menschenrechte.“ Sie verweist auf 80 Millionen Europäer mit Einschränkungen. „Das ist die Bevölkerungszahl von Deutschland!“ Durch den demografischen Wandel mit immer mehr Älteren, die pflegebedürftig würden, steige diese Zahl kontinuierlich an.

Für diese Menschen will Susanne Steffgen sich in der Politik einsetzen. „Ich habe nur dieses eine Thema“, gibt sie zu, „dafür weiß ich von anderen Themen nichts.“ Damit kann die Kandidatin leben. Die Linke hat ihrer Spitzenkandidatin in Niedersachsen eine Mentorin zur Seite gestellt, vor Podiumsdiskussionen und anderen Veranstaltungen wird sie mit den nötigen Hintergrund-Informationen versorgt. Steffgen hat indes auch kein Problem damit, mal zu sagen, dass sie nichts zu sagen hat.

Wenn es jedoch um Behindertenfragen geht, mischt sie sich ein – notfalls bis zur Penetranz. „Ich möchte nicht beliebt sein“, lautet ihr Credo, „ich möchte was verändern.“ Im Gemeinderat habe sie sich schon recht „unbeliebt“ gemacht, glaubt Steffgen und wertet dies als Zeichen ihrer „guten Politik“ für Menschen mit Beeinträchtigungen. Zwar kann sie als fraktionslose Einzelkämpferin nur in einem Fachausschuss beratend mitwirken, aber das ist der Ausschuss für Soziales und Gesellschaft. Der genügt ihr, weil sie dort mit „ihrem“ Thema an der richtigen Stelle sitzt. Dass mittlerweile in der Kommunalpolitik „bewusster auf Barrierefreiheit, Inklusion und Teilhabe geachtet wird“, wie sie immerhin anerkennt, schreibt sich Steffgen auch auf ihre Fahnen.

Und auch in der Partei, der sie erst Anfang 2016 vor ihrer Kandidatur für den Gemeinderat beitrat, hat sich die Ganderkeseerin als Kämpferin für Behindertenrechte bereits einen Namen gemacht. „Ich habe hier einen ganz anderen Stellenwert als noch vor einem halben Jahr“, stellt sie zufrieden fest. Nach der Europawahl will Susanne Steffgen in der Linken weiter für Inklusion und Teilhabe streiten. Entsprechende Funktionen seien ihr schon angeboten worden, sagt sie und betrachtet das als Chance. Denn dass sie nach dem 26. Mai europäische Politik mitgestaltet, vermag die Kandidatin selber nicht zu glauben: Sie rangiert auf Platz 19 der Bundesliste ihrer Partei – damit sie ins Straßburger Parlament einzieht, müsste Die Linke gut 20 Prozent der Wählerstimmen bekommen. „Das ist nicht realistisch“, sieht auch Susanne Steffgen ein.

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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