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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

„Jeder ist auf seine Art behindert“

18.09.2017

Ganderkesee Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist einer angesehensten deutschen Politiker. Seit einem Attentat 1990 ist er auf den Rollstuhl angewiesen und hat damit den Blick der Politik verstärkt auf die Belange von Menschen mit Behinderungen gelenkt. An diesem Montag feiert er seinen 75. Geburtstag.

Alles Gute zum Geburtstag wünscht dem Bundespolitiker auch Doris Josquin, die für die SPD im Ganderkeseer Gemeinderat sitzt. Denn nicht nur ihr politisches Engagement eint Josquin und Schäuble: Auch die Ganderkeseer Ratsfrau sitzt im Rollstuhl. Zwei Mal kamen sich die beiden schon relativ nahe: als Josquin in den deutschen Bundestag eingeladen war . „Es ist schon beeindruckend, wie barrierefrei es dort ist“, erzählt die 66-Jährige. Schäubles Geschichte habe sensibilisiert.

Doch egal ob mit oder ohne Rollstuhl – Josquin sieht sich akzeptiert in der Gesellschaft und in der Gemeinde. „Ich bin ein ganz normaler Mensch“, sagt sie. Jeder habe Probleme, bei denen er Hilfe benötigt. Bemitleidet werden möchte sie nicht. „Ich meine, jeder ist auf seine Art behindert“, erklärt sie. Jeder habe irgendwas, das bei ihm nicht perfekt ist.

Auch wenn das Rathaus der Gemeinde nicht der Bundestag sei, man könne sich dort trotzdem problemlos bewegen. „Es kann nicht alles perfekt sein“, weiß Josquin. „Man muss eben Kompromisse finden.“ Die Gemeinde ist aus ihrer Sicht sehr um Verbesserungen bemüht. „Es finden viele Gespräche statt“, sagt die gebürtige Delmenhorsterin. Positiv findet sie, dass angesprochene Probleme von der Verwaltung auch aufgegriffen werden.

In der Vergangenheit wurde in der Gemeinde bereits eine Menge getan. Gerade die Zeit von 1988 bis 1995 hebt Josquin hervor, die zu dieser Zeit im Taunus lebte. „Als ich damals wiederkam, hatte Ganderkesee sein Gesicht verändert – zum Positiven“, erinnert sie sich. Ganz ohne Unterstützung im Alltag geht es aber auch heute noch nicht. „Klar brauche ich manchmal Hilfe, aber es ist wichtig, zu vermitteln, was man will“, so Josquin. „Wenn das klappt, dann helfen mir alle“, hebt sie lobend hervor. Im wechselseitigen Austausch werde immer ein Weg gefunden. „Und gerade dieser Austausch ist wichtig, egal ob wir behindert sind oder nicht“, appelliert sie an ihre Mitmenschen. So sei das Einkaufen in den Supermärkten im Ort kein Problem.“ Hier habe man sich gut auf alle Probleme eingestellt, berichtet sie. Auch im Freibad wurde ein Kompromiss gefunden: Ein Multifunktionsraum diene als Umkleidekabine.

Für die Zukunft wünscht sich die Ganderkeseerin, dass Menschen mit Behinderung noch mehr in Entscheidungen einbezogen werden. Wenn behindertengerecht gebaut werde, haben gerade die späteren Nutzer einen besseren Blick auf das Wesentliche, sagt sie.

Und allen, die so wie sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind, rät Josquin: „Es ist egal ob wir Wolfgang Schäuble heißen oder nicht. Wichtig ist, was wir aus unserem Leben machen.“

Sönke Spille
Volontär, 1. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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