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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Nach Dem Thüringen-Debakel: Erfurter Ereignisse erschüttern FDP auch in Ganderkesee

11.02.2020

Ganderkesee /Landkreis Drohungen und Schmähungen von außen, dazu ein Scherbengericht innerhalb der Partei: Die FDP wird nach der desaströs verlaufenen Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen schwer durchgerüttelt. „Das schlägt Wellen, auch hier bei uns“, räumte Marion Daniel, Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Kreistag und im Ganderkeseer Gemeinderat, am Montag ein.

So heftig wie teilweise andernorts – mit massiven Drohungen oder gar Vandalismus – reagierten externe und interne Kritiker nicht in der FDP-Hochburg Landkreis Oldenburg, wo die Liberalen bei Wahlen in aller Regel besser abschneiden als im Bundesdurchschnitt. Immerhin aber: Zwei Austritte seien bisher angekündigt worden, sagte die FDP-Kreisvorsitzende Imke Haake aus Sage. Das Thema habe den Kreisverband aufgewühlt.

„Das waren ganz harte Tage für uns“, fasste der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Dürr aus Ganderkesee die Entwicklung nach der nur mit Hilfe der AfD zustande gekommenen Wahl des FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten in Thüringen zusammen. Dürr war als Beisitzer im Bundesvorstand am Freitag auch unmittelbar dabei, als der FDP-Vorsitzende Christian Lindner die Vertrauensfrage stellte. „Alle im Bundesvorstand waren sehr betroffen“, berichtete der Ganderkeseer, der Lindners Krisenmanagement aber verteidigte: „Das war richtig!“

Den entscheidenden Fehler habe Thomas Kemmerich in Erfurt gemacht, als er die Wahl annahm – darin ist sich Dürr mit seinen Parteifreunden im Landkreis einig. „Das zeugte nicht von Weitsicht“, meinte Marion Daniel, die vor allem befürchtet, dass die Vorgänge in Thüringen der FDP bei der kommenden Wahl in Hamburg auf die Füße fallen. „Die Diskussion ist ja noch nicht zu Ende.“

Im Ganderkeseer FDP-Ortsverband sei es bislang relativ „ruhig“, versicherte die Vorsitzende Marion Vosteen. Es gebe keine Austrittsdrohungen, auch keine Anfeindungen von außen. „Und in der Post war bisher auch nichts“, so Vosteen. Aber viele Mitglieder hätten Gesprächsbedarf.

Das erlebte auch der Bundestagsabgeordnete Dürr: „Die Vorgänge sind erklärungsbedürftig“, sagte er, „ich habe in den letzten Tagen viele Gespräche geführt, auch in meinem Wahlkreis gab es viele Fragen.“ Das dürfte noch länger so bleiben.

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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