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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Wenn der Brexit zur Familiensache wird

22.10.2019

Ganderkesee /Schierbrok Je nachdem, wen man fragt, hat sich der nahende Brexit schon längst zu einem Krimi oder einer Komödie entwickelt. Aber während der mehr oder weniger geregelte Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU für Ganderkeseer Unternehmen keine großen Auswirkungen hat, sieht es für Bürger mit britischen oder irischen Wurzeln anders aus. Der Schierbroker Patrik James Husband ist so jemand.

In Deutschland geboren

„Ich glaube, es gibt niemanden, dem das egal ist“, sagte Husband zum Brexit. Als Kind einer nordirischen Mutter und eines südenglischen Vaters kam er 1979 in Deutschland zur Welt, hat aber auch noch heute viele Verwandte im Vereinigten Königreich. „Den Süden Irlands habe ich erst spät kennengelernt, das war früher verbotenes Land“, blickte er auf die Zeit des Nordirlandkonflikts zurück, den er als Kind bei Besuchen hautnah erlebte: „Mein Papa setzt sich bis heute in Nordirland nie mit dem Rücken zur Eingangstür.“

Husbands Schwester wanderte vor Jahren von Deutschland nach Irland aus, Er selbst verfolgt das Thema Brexit täglich in den Nachrichten, denn er sieht eine Gefahr für neue Konflikte in dem Land. „Das Schicksal derjenigen, die beim Votum mit Nein abgestimmt haben, interessiert schon.“ Abgesehen von Verwandtschaftsbesuchen ist er im Alltag derzeit aber nicht vom Brexit betroffen – jedenfalls jetzt nicht mehr.

„Früher hatte ich nur einen britischen Pass, das hatten meine Eltern so entschieden“, erzählte Husband, der in Delmenhorst eine Grundschule leitet. Als das ursprüngliche Brexit-Datum, der 29. März, näher rückte und er ein Schreiben dazu bekam, kontaktierte er die Schulbehörde. „Bei einem ungeordneten Austritt wäre ich Drittstaatler geworden und einen Tag später hier raus gewesen.“ Genaue Informationen waren damals aber schwierig zu bekommen. „Keiner wusste, wie lange die Genehmigung dauert.“

Staatsbürger seit März

Bei der Kreisverwaltung in Wildeshausen ließ sich Husband dann beraten und wurde schließlich zwei Tage vor dem ersten Brexit-Termin erfolgreich eingebürgert: „Ich habe jetzt noch die doppelte Staatsbürgerschaft.“ Damit, so jedenfalls hofft Husband, werden zukünftige Besuche bei der Verwandtschaft leichter fallen: „Auf der Hinreise den britischen Pass, auf der Rückreise den deutschen.“

Viele Briten im Jahr 2019 eingebürgert

Im Landkreis Oldenburg sind aktuell 71 britische Staatsbürger erfasst, die nicht eingebürgert sind.

Im Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis zum 21. Oktober diesen Jahres wurden insgesamt 41 Anträge auf Einbürgerung gestellt, davon 13 in Ganderkesee. In 40 Fällen wurde dem Antrag stattgegeben:

2017 wurden neun britische Staatsangehörige kreisweit eingebürgert, fünf aus Ganderkesee. Weniger waren es 2018 mit fünf Briten kreisweit und einem aus Ganderkesee.

Eine Zunahme wurde 2019 registriert: 26 Briten wurden kreisweit bis Oktober deutsche Staatsbürger, sieben aus der Gantergemeinde.

Dank der Einbürgerung kann er jetzt seinen Traumberuf weiter ausüben, denn Lehrer wollte Patrik Husband schon lange werden. „Ich hatte früher eine super Grundschullehrerin, die mir bei Ausspracheproblemen mit dem deutschen ,R’ geholfen hat“, sagte er. Bei einem Klassentreffen brachte diese das Jahresbuch der vierten Klasse mit. „Da stand schon drin, dass ich Sportlehrer werden wollte.“

Schade findet Husband, dass er nicht aktiv beim Brexit mit abstimmen konnte. „Meine Familie ist direkt betroffen, aber wir hatten überhaupt kein Mitspracherecht.“ Die britische Regierung, da ist er sicher, wusste genau, dass sie von auswärts lebenden Staatsbürgern keine Zustimmung zum Brexit bekommen würde. Kritisch sieht er auch die Konsequenzen für britische Bürger nach der Trennung von der EU. „Bereits jetzt bezahlt man für einen Sechserpack Bier drüben so viel, dafür gibt es hier eine ganze Kiste.“ Viele, die jetzt den Brexit befürworten, werden sich noch über Preisanstiege wundern, ist Husband überzeugt. „Ich glaube, die sehen noch gar nicht, was alles auf sie zukommt.“

Keine echte Belastung

Entspannt blicken dagegen Unternehmen aus Ganderkesee dem Brexit entgegen. „Für uns ist das keine echte Belastung“, erklärte Oliver Hanke, Dispositionsleiter der Speditionsfirma Dittmar, die Atlas-Bagger transportieren – auch nach Bradford in England, wo Atlas UK ansässig ist. „Es gibt Mechanismen, um anfallende Schwierigkeiten abzufedern. Fairerweise muss man sagen, dass es genug Zeit gab, sich einzustellen.“ Hanke glaubt zwar, dass es an Verschiffungshäfen Chaos geben wird, aber auch, „dass die Dinge sich einlaufen werden“.

Wenige Sorgen über den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs macht sich auch Kai Beecken, Geschäftsführer von Starofit. „Wir exportieren nach England, aber das ist nicht unser Hauptmarkt, insofern ist das sehr übersichtlich.“ Auch nach dem Brexit werde es Bedarf an Spezialteilen von Starofit geben. „Persönlich hoffe ich aber, dass das Ganze ungeschehen gemacht werden könnte“, so Beecken. „Das wäre für alle Beteiligten das Beste.“

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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