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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Gildekönig lässt sein Leben in Frankreich

03.09.2014

Wildeshausen /Oldenburg Er zog sozusagen als König in den Krieg – aber er kam nicht mehr aus Frankreich zurück. Hermann Heinemann, ein Tischlermeister aus Wildeshausen, war 1914 amtierender Gildekönig. Aufgrund des Ersten Weltkriegs fand erst sechs Jahre später wieder ein Gildefest statt. Sein Bruder Heinrich oder Vater August, Oberst der Gilde, sollten die Kette damals stellvertretend für den gefallenen König tragen. „Aber das konnten sie emotional nicht und lehnten ab“, weiß Hermanns Nichte Hanna Hartmann, eine geborene Heinemann. Hermanns Bruder Heinrich war ihr Vater.

Seit einigen Jahrzehnten lebt die 83-Jährige mit ihrem Mann Horst in Oldenburg. Ihre Schwester Ingrid wohnt derweil noch im Elternhaus in Wildeshausen. Im Nachlass ihrer Mutter fand Hanna Hartmann eine Karte ihrer Großmutter an Vater Heinrich. „Sie bat ihn, Hermanns Grab bei Reims aufzusuchen. Mein Vater war von 1915 bis zu seiner Verwundung im November 1917 ebenfalls als Soldat in Frankreich, auch in Verdun“, erklärt sie.

Kriegsumstände hinderten Heinrich daran, das Grab seines Bruders aufzusuchen. Die Eltern wurden alt, und Heinrich kämpfte im Zweiten Weltkrieg in Russland. Er gilt seitdem als vermisst. Die Familie aber hält auch Hermann bis heute in Erinnerung.

Tod mit 21 Jahren

1914: Hermann Heinemann wird Schützenkönig der Wildeshauser Gilde, Königin wird seine Verlobte Meta Sparkuhl. Kurz nach seiner Einberufung im August 1914 bricht der Krieg aus. Der 19-jährige Soldat muss sofort mit dem Metzer Regiment ins Feld einrücken und nimmt an den Kämpfen in der Champagne teil. Bei einem Angriff der Franzosen im Mai 1917 stirbt Hermann Heinemann im Alter von gerade einmal 21 Jahren nördlich von Prosnes auf dem sogenannten „Sachsenberg“.

Auf Heinrichs Anfrage antwortete der zuständige Feldwebel: „Über den Tod Ihres tapferen Bruders, der einer unserer besten Soldaten war, teile ich Ihnen noch folgendes mit: Am Tage vor der Ablösung lag er mit seinem Maschinengewehr in einem Granattrichter und wurde durch den Einschlag einer schweren Granate mit noch einem Kameraden verschüttet. Beide konnten nur als Leichen geborgen werden (...).“

Die von der Truppe in die Heimat zurückgesandten persönlichen Gegenstände Hermanns gaben die Eltern an Heinrich weiter. So kam die Nachricht ihrer Großmutter, mit der Bitte um einen Besuch des Grabes, über ihre Mutter in Hanna Hartmanns Besitz. Sie und Horst, der die Geschichte Hermanns recherchiert und niedergeschrieben hat, beschlossen, das Grab ihres Onkels zu suchen.

Um Prosnes genauer lokalisieren zu können, ließen sie sich einen Kartenausschnitt schicken, auf dem in der Nähe des Ortes ein Soldatenfriedhof verzeichnet war. „Auf einer Frankreichreise im Sommer 1997 fuhren wir dorthin. Man erklärte uns, dass dort mehrere Soldatenfriedhöfe angelegt sind. Wir beschlossen, zunächst den in der Karte eingetragenen Friedhof ungefähr sechs Kilometer östlich von Prosnes an der Straße Reims-Verdun aufzusuchen“, sagt Horst Hartmann.

Schönes Grab

Inmitten großer Getreidefelder liegt auf einer Anhöhe der Soldatenfriedhof Aubérive. Viele Franzosen, Polen und mehr als 5000 deutsche Kriegsopfer des Ersten Weltkrieges sind dort begraben. „Auf dem Friedhof fanden wir in einem Postament ein Namensbuch. Betroffen lasen wir darin den Namen Hermann Heinemann, 24.5.1917“, erinnert sich der heute 85-Jährige.

Die Hartmanns sind sich einig: „Er hätte kein schöneres Soldatengrab erhalten können.“ Sein Grab liegt am Rande des Gräberfeldes unter den Zweigen der Kiefern. „Sie hätten ihn an die Bäume seiner Heimat erinnert, und ihre Dicke hätte den Tischler sicher erfreut“, glaubt das Ehepaar.

Lars Herrmann
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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