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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Mit Transparenten gegen neue Tierställe

21.09.2019

Großenkneten Die Botschaft ist nicht zu übersehen: Diese Frauen und Männer auf dem Vorplatz des Rathauses Großenkneten haben genug von der Massentierhaltung in der Gemeinde Großenkneten und lehnen jeden weiteren Quadratmeter an neuer Stallfläche strikt ab. „Keine weiteren Mastställe“ steht auf dem größten der vielen Transparent. Auf den kleineren stehen Aussagen wie „Tierställe sind Klimakiller“, „Tiermast zerstört Regenwald“ und „Zeit läuft ab – Klimaschutz jetzt“. Die Mahnwache am Freitagmorgen vor dem Rathaus: Sie ist eines der sichtbarsten Zeichen zum Aktionstag zum Klimaschutz, von Fridays for Future ausgerufen.

Meendert Buurman hatte mit einigen Mitstreitern aus Huntlosen die Demonstration angemeldet. Die Kommunale Alternative (KA), die Grünen im Landkreis und das Bündnis MUT unterstützten die angemeldete Aktion und waren auch vor Ort vertreten.

Teilnehmer aus Großenkneten, Huntlosen, Ahlhorn, Wildeshausen und Dötlingen seien da gewesen, berichtete Buurman kurz vor 11.30 Uhr. Bis zu 80 Menschen hätten sich ab 10 Uhr vor dem Verwaltungsgebäude versammelt, so seine Zählung. Sie demonstrierten, teilweise auch lautstark, gegen die weitere Ausweitung der Mastställe in der Gemeinde. Sie beklagten, dass die politische Mehrheit im Rathaus die Massentierhaltung ausbauen wolle, trotz der alarmierenden Nitratwerte im Wasser.

Kaum Gespräche

„Ich bin zufrieden“, sagte Buurman zu der Beteiligung. „Es ist ein Thema, das alle angeht.“ Die laufende planungsrechtliche Steuerung von Tierhaltungsanlagen führe zu noch mehr Ställen, so die Kritiker. Es ist die Argumentation, die die KA seit Jahren vehement im Rat vertritt – ohne die Mehrheit von ihrer Position überzeugen zu können. Stattdessen sehen Rat und Verwaltungsspitze den Umgang der KA mit dem Thema als falsch an.

In der Schöpfungsandacht: Dietrich Jaedicke an der Gitarre. BILD: Ulrich Suttka

Klimaschutztag: was sich in der Kirche und an den weiterführenden schulen tat

Mit Glockengeläut um 11.55 Uhr und einer Schöpfungsandacht hat sich die evangelisch-lutherische Gemeinde Großenkneten am Aktionstag zum Klimaschutz eingebracht. Dazu kamen die angehenden Schulkinder („Sechserbande“) aus dem evangelisch-lutherischen Kindergarten Regenbogenland in die Marienkirche. Weiter waren rund 20 Erwachsene der Einladung in das Gotteshaus gefolgt. Pfarrer Dietrich Jaedicke hob auf die Schöpfungsgeschichte in der Bibel ab. „Gerade wir Erwachsenen müssen aufpassen, dass die Schöpfung erhalten bleibt“, so der Pfarrer. Manche würden zu viel Auto fahren, manche zu viel fliegen „und manche bauen zu viele Ställe mit zu vielen Tieren an falschen Orten“, so der Pfarrer. Im Gebet fand sich die Formulierung, dass man beeindruckt sei von den jungen Menschen, die ihre Zukunft im Blick haben. „Sie haben das Recht, ernst genommen zu werden.“ Der Gottesdienst endete mit einem gemeinsamen Segenslied, zu dem die Kinder sich vor dem Altar versammelten.

Die weiterführenden Schulen in der Gemeinde Großenkneten verhielten sich unterschiedlich am Tag des Klimastreiks. Am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium nahmen die Jahrgänge 9 bis 12 gemeinsam an Demonstration und Kundgebung in Oldenburg teil. So kündigte es Schulleiter Wolfgang Reich-Kornett an. Die Eltern hatten zuvor ihr Einverständnis erklärt und für Aufsicht sorgten die Lehrer. Diese Schulveranstaltung endete mit Schulschluss 12.50 Uhr. Danach seien die Schüler wieder in der normalen Verantwortung der Eltern, so Reich-Kornett. An der Graf-von Zeppelin-Schule lief der Unterricht wie gehabt. Bei Interesse aus der Schülerschaft an Aktionen wäre der Klimaschutztag aufgegriffen worden, was aber nicht der Fall gewesen sei, wie Schulleiter Dirk Richter sagte.

Reaktionen der Besucher im Rathaus habe es kaum gegeben, wie Buurman erzählte. „Relativ wenig Publikumsverkehr. Die Menschen wollten möglichst unbemerkt ins Rathaus.“ Diskussionen zwischen Demonstranten und Besuchern kamen da nicht auf. Der Huntloser Christoph Gerhard, einer der Organisatoren vor Ort, ergänzte: „Heute ist Autoanmeldetag.“ Er betonte, dass die Gruppe aus Huntlosen, die hinter der Mahnwache stehe, parteipolitisch nicht gebunden sei. „Wir sind für alle offen. Wir wollen uns nicht vereinnahmen lassen.“ Gerhard, seit vielen Jahren tätig im Vertrieb von Bio-Lebensmitteln, ist Sprecher des Oldenburger Ernährungsrates.

Wiederholung möglich

Ob er sich eine Wiederholung der Aktion vorstellen könne? „Klar, solange sich die Politik nicht ändert“, antwortete Buurman. Dafür gab es an diesem Freitag kein Anzeichen. Bis auf KA-Ratsherr Uwe Behrens sei kein Kommunalpolitiker zu sehen gewesen, so Buurman und Gebhard. Auch zu Gesprächen mit der Verwaltungsspitze oder Mitarbeitern sei es nicht gekommen.

„Der Bürgermeister hat sich weggeduckt“, mutmaßte Gebhard. Gegenüber unserer Zeitung verwies Thorsten Schmidtke auf Termine, die er gehabe habe. Einen Blick auf die Demonstranten hatte er von seinem Zimmer aus. An eine ähnliche Aktion vor dem Rathaus konnte er sich nicht erinnern, „Ich bin grundsätzliche für Meinungsvielfalt, da darf jeder seine Meinung haben.“ Die Mahnwache sei ruhig verlaufen und ohne Zwischenfälle. Inhaltlich würde er sich über ein konstruktives Miteinander freuen, bei dem man sich gemeinsam auf den Weg machen würde, Dinge zu verbessern.

Dass er die Kritik der Demonstranten und die Befürchtung vor einem Stallboom für unberechtigt hält, hatte Schmidtke erst jüngst in einer Ausschusssitzung sehr deutlich gemacht. Er hält die geplante Steuerung von Tierhaltungsanlagen weiter für den Weg, die Problematik in den Griff zu bekommen.

Ulrich Suttka Stv. Redaktionsleitung, Großenkneten/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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