• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Politik: Fleckenrat gegen die Verlegung von Stolpersteinen

24.06.2020

Harpstedt Auflebender Rassismus, Druck von politischen Außenseitern und das Vergessen von Gräueltaten gegenüber den Juden im Zweiten Weltkrieg sind heute Alarmzeichen für unsere Gesellschaft. Insofern passte der Antrag von Grünen-Ratsfrau Irene Kolb, die Verlegung von „Stolpersteinen“ zum Gedenken an deportierte Judenfamilien im Flecken Harpstedt wieder zu einem Antragsthema zu machen, ins Zeitgeschehen.

Schon 2005 war darüber kontrovers im Fleckenrat diskutiert worden. Damals mit dem Beschluss, die sogenannten Stolpersteine in Harpstedt als Mahn- und Erinnerungsmal nicht zu installieren. Begründung: Die Erinnerung an die Gräueltaten und die Opfer des Dritten Reiches würde bereits durch die zentral aufgestellten Gedenksteine auf dem Amtshofgelände sowie dem Judenfriedhof in Harpstedt aufrechterhalten.

15 Jahre nach diesem Beschluss brachte die Abstimmung am Montagabend auf dem Koemssaal in Harpstedt nach angeregter Diskussion kein anderes Ergebnis. Mit sieben Ja- und sieben Nein-Stimmen, bei einer Enthaltung, wurde dem Antrag der Harpstedter Grünen nicht gefolgt – ein denkbar knappes Ergebnis.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Allerdings war der ursprüngliche Antrag von Irene Kolb in zwei Teile gesplittet worden. Im neuen ersten Antragsteil ging es darum, grundsätzlich über ein Konzept nachzudenken. Es soll sich mit den Erinnerungen an das Unfassbare der Taten durch das Nazi-Regime und dem Nichtvergessen der Menschen beschäftigen. Bei zwei Enthaltungen sprachen sich die Ratsmitglieder dafür aus. Den zweiten Teil bildete die Abstimmung über die Verlegung der Steine in Harpstedt, die durch die Pattsituation abgelehnt wurde.

In der Vorstellung ihres Antrages hatte Kolb zuvor betont, dass das Projekt des Künstlers Gunter Demnig seit 1992 verfolgt werde. 75 000 Stolpersteine seien in Deutschland mittlerweile in Pflaster und Plätze eingearbeitet. Zwölf gäbe es in Wildeshausen. „Die Steine machen sichtbar, wo es jüdisches Leben gegeben hat. Eine Erinnerung an Menschen, die nicht gefragt und zum Sündenbock gemacht wurden. Das bezahlten sie mit ihrem Leben.“ Noch gebe es Zeitzeugen wie Großeltern. Für die Zukunft müsse aber etwas gegen das Vergessen unternommen werden.

Saskia Kamp (SPD) befürwortete den Antrag, der schon viermal in diesem Jahr Thema in Sitzungen gewesen war. „Es ist eine schwierige Entscheidung. Für mich geht es dabei um die Auseinandersetzung mit der Verfolgung der Juden. Es gibt aber auch Meinungen, auch unter den Juden selber, die die Namen der Opfer nicht im Straßenpflaster mit Füßen getreten sehen wollen. Das macht die Sache nicht einfacher“, sagte sie und ergänzte, dass ihr der Judenfriedhof in Harpstedt durch die Diskussion und damit auch die örtlichen Gegebenheiten erst jetzt voll präsent sei.

Klaus Budzin (SPD): „Ich muss es gestehen, ich habe den Judenfriedhof nahezu vergessen. Deshalb bin ich auch dafür, Stolpersteine gegen das Vergessen zu legen.“ Matthias Hoffmann (SPD) hatte die Stolpersteine als positiven Weg zur Erinnerung andernorts entdeckt und bezeichnete das Projekt als gute Aktion für die Zukunft.

Anders dagegen Horst Hackfeld (HBL): „Wir müssen das Gedenken nicht mit Stolpersteinen signalisieren. Gedenktafeln am Amtshof und am Judenfriedhof erinnern an die Opfer der Gewaltherrschaft.“ Es seien nicht nur Juden zu Tode gekommen. „Vielleicht sitzen wir in 15 Jahren wieder hier, wenn wir uns überhaupt noch in solchem Rahmen treffen können.“

Rolf Ranke (HBL) ergänzte: „Die Häuser der jüdischen Mitbürger sind nicht mehr vorhanden. Auch nicht die Synagoge.“ Die beiden Tafeln würden an das Gedenken erinnern und auch an das Nichtvergessen. Auch er erinnerte an die kontroverse Diskussion unter den Juden im Hinblick auf Stolpersteine. Namen, auf die man nicht herabsehen sollte. Auch Marco Roreger (CDU) sprach sich gegen Stolpersteine aus: „Es darf nicht vergessen werden, aber die beiden Gedenktafeln sind dafür an zentraler Stelle genügend.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.