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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

„Sie dokumentieren für die Tonne“

23.08.2019

Harpstedt /Wildeshausen Überbordende Bürokratie lässt die Mitarbeiter der Diakonie Himmelsthür stöhnen – und knapst ihnen Zeit ab, die sie lieber für behinderte Menschen mit Assistenzbedarf einsetzen würden. Das erfuhr am Donnerstag eine Delegation der FDP bei einem Besuch des neuen Himmelsthür-Wohnhauses in Harpstedt. Die Dokumentation über die Entwicklung der einzelnen Bewohner „überfordert alle Seiten“, berichtete Regionalgeschäftsführer Jörg Arendt-Uhde. Bei den Liberalen rannte er mit dieser Kritik offene Türen ein: „Sie dokumentieren für die Tonne“, fasste der Bundestagsabgeordnete Christian Dürr flapsig zusammen.

Schritt für Schritt in die Fläche

Im Jahr 2009, also zu Beginn der Konversion, wurden 411 Menschen in Häusern auf dem Zentralgelände der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen betreut. Aktuell sind es laut Arendt-Uhde noch 205. Elf Wohnprojekte seien umgesetzt.

Durch drei weitere Projekte in Hude, Kirchweyhe und Goldenstedt soll die Bewohnerzahl in Wildeshausen um weitere 86 sinken. Ferner befänden sich drei Vorhaben in Planung, eines davon am Zuschlagsweg in Wildeshausen, eines in Syke.

Im Jahr 2023, also am Ende des Konversionsprozesses, sollten auf dem Zentralgelände etwa 70 bis 80 Menschen mit Assistenzbedarf wohnen, allerdings in neuen Gebäuden, so Oliver Brinkhus, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Dürr hatte seine Kollegin Nicole Westig, pflegepolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag, mit in den Landkreis gebracht. Gemeinsam mit weiteren Liberalen schauten sie sich das im April eingeweihte Wohnhaus an der Mullstraße 14 in Harpstedt an. Hier leben zurzeit 23 Menschen mit geistiger Behinderung und Assistenzbedarf (bei 24 Plätzen).

Der 2,4-Millionen-Euro-Bau ist Teil eines umfangreichen Konversionsprozesses bei der Diakonie Himmelsthür: Unterstützt von der Aktion Mensch wird das zentrale Gelände in Wildeshausen mit Gebäuden der früheren Lungenheilstätte seit 2009 sukzessive aufgelöst. Die Bewohner ziehen um in neue Wohnprojekte – wie das in Harpstedt (siehe Kasten).

Die Umzüge seien kein leichter Prozess, sagte Arendt-Uhde. „Die Begeisterung hält sich manchmal in Grenzen“, zumal bei Älteren, die sich in ihrem bisherigen Umfeld wohlfühlten. Allerdings würden sich für alle die Wohnbedingungen verbessern.

In Harpstedt seien die ersten Bewohner am 28. April eingezogen, berichtete Einrichtungsleiterin Petra Hakemann. In dem Haus gibt es vier- beziehungsweise fünfköpfige Wohngemeinschaften. Da sei es natürlich wichtig, dass die Chemie untereinander stimmt. Wichtig sei auch, dass der Umzug „gut begleitet“ werde, und dass bisherige Betreuer mitkämen. Am Anfang stehe jeweils ein 14-tägiges Probewohnen. Bislang „wollte keiner zurück“.

Zum Thema Dokumentationspflicht: Einmal im Jahr sei zu jedem Bewohner ein Entwicklungsbericht zu erstellen, mit 34 Punkten, sagte Hakemann, „20 Seiten sind das immer“. Gefühlt würden etwa 25 Prozent ihrer Arbeitszeit aufs Dokumentieren entfallen. Und: Die Personen, die solche Berichte schreiben könnten, seien „handverlesen“, so Arendt-Uhde. Andererseits würden die Dokumentationen von den Kostenträgern kaum gelesen.

Nicole Westig, die selbst in Köln bei der Diakonie tätig war, kannte das Problem überbordender Dokumentation aus dem Pflegebereich. Hier gelte es „kräftig zu entrümpeln“. Allerdings: Das müsse auf Landesebene geschehen. Dürr will die Informationen entsprechend weitergeben.

Ebenfalls ein Thema für die Landesebene war ein zweiter Punkt, der Arendt-Uhde am Herzen lag: Nach dem Bundesteilhabegesetz sei es das Ziel, für jeden Menschen mit Assistenzbedarf eine passgenaue Förderung zusammenzustellen und zu finanzieren. Doch in der Realität gebe es pauschale Vergütungssätze, die nicht auskömmlich seien.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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