• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Kanalbau weiter in Unfrieden

15.08.2019

Heide /Delmenhorst Der Hausfrieden an der Friedensstraße ist weiter gestört: Während die Bauarbeiten zur Sanierung des Regenwasserkanals weitergehen, zweifeln einige Anlieger der Grenzstraße zwischen Delmenhorst und Ganderkesee weiter an Sinn und Erfolg der Baumaßnahme – andere Bewohner hingegen wünschen sich dringend, dass der neue Stauraumkanal möglichst schnell fertig gestellt wird, damit bei starken Regenfällen das Wasser besser abgeleitet werden kann.

Tim Schmidt glaubt nicht, dass dies so kommen wird: Sein Grundstück liegt an der Nordseite der Friedensstraße und gehört zum Ganderkeseer Ortsteil Heide. Schmidt hat die Interessengemeinschaft Friedensstraße gegründet und eine Unterschriftenaktion gegen den geplanten Stauraumkanal initiiert – vergeblich. Im Juni, als die Bauarbeiten längst liefen, verlangte er per Eilantrag beim Verwaltungsgericht Oldenburg einen Baustopp, weil aus seiner Sicht die Stadtwerke Delmenhorst (SWD) keine Genehmigung für den Kanalbau und die damit verbundene Grundwasserabsenkung vorgelegt hätten. Auf Bitten des Gerichts ruhten daraufhin die Bauarbeiten einstweilen. Ende Juli wurde der Eilantrag abgelehnt: Die Belange und Interessen der Anlieger seien hinreichend berücksichtigt worden, stellte das Gericht fest. Jetzt wird in der Friedensstraße wieder gearbeitet.

„Alles hat gewackelt“

Am Montag haben die Rammarbeiten zum Einbau von Spundwänden begonnen. „Alles hier im Haus hat gewackelt“, beklagt Tim Schmidt. Er befürchtet Dauerschäden an seiner Immobilie und sorgt sich zugleich um eine mögliche Entschädigung: Nach seinen Angaben haben die Stadtwerke ein Gutachten erstellen lassen, in dem festgehalten wurde, dass sein Haus bereits vor Beginn der Bauarbeiten Risse im Mauerwerk aufwies.

SWD widerspricht

Das Vorgehen der SWD hatte Schmidt und einige Nachbarn von Anfang an verärgert: Sie fühlten sich im Vorfeld der Bauarbeiten nicht informiert und kritisierten später, dass keine Genehmigung für die Baumaßnahme vorliege. Diese sei erst Ende Mai nachgereicht worden, als die Bauarbeiten längst liefen, so Schmidt. Da widerspricht die Stadtwerke-Gruppe: Die Grundwasserhaltung sei zwischen SWD und Stadt „im Vorfeld auf Grundlage des Baugrundgutachtens abgestimmt“ worden. Der Bauantrag werde bei grundwasserregulierenden Maßnahmen grundsätzlich zeitnah von der Baufirma gestellt.

Tim Schmidt stellt aber auch die Wirksamkeit des geplanten Stauraumkanals insgesamt in Frage: Nach seiner Ansicht werden dadurch Straßen und Häuser in Heide erst recht von Überflutungen bei Starkregen bedroht – weil der Grenzgraben, über den angestautes Regenwasser zum Randgraben abgeleitet werden soll, nicht leistungsfähig genug ist.

Das sieht auch die Delmenhorster Ratsfrau Eva Sassen (Bürgerforum) so: „Die Gräben sind seit Langem nicht gereinigt worden“, kritisiert sie. Dafür sei der Ochtumverband zuständig. Sassen war am Dienstag gemeinsam mit dem Ganderkeseer Grünen-Fraktionschef Volker Schulz-Berendt bei Tim Schmidt zu Gast, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu verschaffen.

Grüne haben Zweifel

Auch die Grünen im Ganderkeseer Gemeinderat halten den Kanal, der unter der Friedrichstraße gebaut wird, „nicht für eine gute Lösung“, so Schulz-Berendt, weil das angeschlossene Grabensystem „nicht funktionsfähig“ sei. Zudem sprach der Grünen-Politiker von einer „verzwickten Situation“ aufgrund der Grenzlage der Friedensstraße.

Die Gemeinde Ganderkesee mischt sich jedenfalls nicht ein. „Zuständig für den Kanalbau sind die Stadtwerke Delmenhorst“, stellt Rathaus-Sprecherin Meike Saalfeld klar. Im Übrigen sei man in Ganderkesee der Überzeugung, dass „die Schaffung eines unterirdischen Stauvolumens zu einer Verbesserung der Entwässerungssituation führt.“

Das erwartet auch Heinz-Peter Häger. Der Ganderkeseer SPD-Ratsherr wohnt in Heide und kennt die dortige Wasser-Problematik seit Jahrzehnten – auch aus eigener Erfahrung. „Der Stauraumkanal hilft auf jeden Fall“, sagte er auf Nachfrage der NWZ. „Er sorgt für eine verzögerte Abgabe bei plötzlich auftretenden großen Wassermassen.“ Allerdings hält auch Häger den Zustand des Grenzgrabens für unzureichend. Vor allem die Verrohrung nördlich des Hermann-Allmers-Weges müsse dringend ausgebessert werden. Er habe dies bereits im Ganderkeseer Rathaus angesprochen, sagte Häger.

Absenkung beginnt

Die Stadtwerkegruppe weist indes darauf hin, dass die künftig abgeleitete Gesamtmenge an Wasser unverändert bleibe und der Spitzenabfluss durch den Stauraumkanal reduziert eingeleitet werde. Nach Angaben von SWD-Sprecherin Britta Fengler soll die Grundwasserabsenkung in der nächsten Woche vorbereitet werden und dann „zeitnah“ beginnen. Es werde versucht, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. „Über Pegelbeobachtungen ist sichergestellt, dass das Grundwasser nicht tiefer als erforderlich abgesenkt wird“, versichert Fengler. „Aufgrund der Sandböden ist laut geotechnischer Berechnung nur mit äußerst geringen Setzungen des Geländes zu rechnen.“

Dass bei der Entwässerungssituation im Grenzbereich von Delmenhorst und Ganderkesee einiges im Argen liegt, zeigte sich am Dienstagnachmittag übrigens eher zufällig: Nach einem heftigen Schauer stand die Schönemoorer Straße an der Einmündung der Friedensstraße minutenlang unter Wasser, das bei jedem durchfahrenden Auto hoch spritzte. „Höchste Zeit“, meinte ein Anlieger des Friedensweges, „dass der Kanalbau fertig wird.“

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
Rufen Sie mich an:
04222 8077 2741
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.