• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

In Wardenburg fühlen sie Heimat

24.06.2015

Wardenburg „Wenn ich diese schrecklichen Nachrichten aus dem Irak im Fernsehen sehe, dann tut mir das richtig weh. Darum höre ich lieber Musik.“ Fast 20 Jahre ist es her, dass Neruz Said und ihr Mann Ahmed das Land, in dem sie geboren wurden, als Flüchtlinge verließen. Dieser mittlerweile von Terror regierte Staat in Vorderasien ist den beiden Kurden längst fremd. Die Verwandten sind in alle Welt zerstreut. Wo heute ihre Heimat ist, darauf weiß das Paar eine ganz klare Antwort: „Hier in Deutschland, in Wardenburg.“

„Am Anfang war es sehr schwer für mich“, erinnert sich Neruz Said. „Als ich herkam, war ich 15, im siebten Monat schwanger, und sehr ängstlich.“ Aber sie habe hier viel Hilfe erfahren, vor allem als junge Mutter. Doch auf ewig einigeln wollten sich die Saids auch nicht.

„Nachdem mein Mann Arbeit auf dem Wertstoffhof gefunden hatte, sagte er, ich muss mir auch eine Beschäftigung suchen, um besser Deutsch zu lernen“, erzählt die 35-Jährige. So kam die Muslimin vor fast elf Jahren zum Deutschen Roten Kreuz in Wardenburg, bei dem sie bis heute ehrenamtlich in der Kleiderkammer hilft.

Helferin bei Flüchtlingen

Neruz Said hilft gern: „Meine Freunde sagen: Du hast ein besonderes Herz.“ Dass sie daneben auch noch ihre fünf Kinder im Alter von drei bis 19 Jahren versorgt und den Haushalt in Schuss hält, scheint der Vollblutmutter kein Hindernis zu sein. „Ich helfe der Gemeinde mit den Flüchtlingen.“ Neruz Said , die arabisch und kurdisch spricht, begleitet Flüchtlinge bzw. Asylbewerber bei Arztbesuchen oder Behördengängen und übersetzt. „Die Menschen sind so dankbar für Hilfe.“

„Ich finde es gut, dass Asylbewerbern mittlerweile früh Sprachkurse angeboten werden“, sagt die gebürtige Kurdin, die nie in den Genuss eines staatlich geförderten Deutschkurses kam. Ihre fünf Kinder sprechen perfekt Deutsch: „Sie sind hier geboren. Die Freunde der Kinder sind auch fast alle Deutsche“, erzählt die kopftuchtragende Neruz. Dass ihre beiden besten Freundinnen aus dem Irak kommen, habe nichts mit dem Glauben zu tun: „Ich gucke nicht nach Religion, mir ist der Charakter wichtiger.“ Und zum christlichen Weihnachtsfest einen Tannenbaum aufzustellen, ist in der Familie längst normal.

Dass die Saids eine moderne muslimische Familie sind, zeigt ebenso Ehemann Ahmed, als er mit einem Tablet mit Tee und typisch arabischem Gebäck herein kommt, um seine Frau und den weiblichen Besuch im Wohnzimmer zu bedienen. „Ich habe tolle Kinder und einen tollen Mann“, schwärmt Neruz Said. Weltoffenheit in Kultur und Religion haben die Eheleute in ihrer Geburtsstadt Mossul erfahren. „Dort haben wir früher friedlich neben Juden und Katholiken gelebt“, berichtet der 47-jährige Ahmed.

Die Familie hat bereits vor Langem die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. „Aber es fehlen uns wichtige Dokumente, an die wir wegen des Krieges im Irak nicht herankommen“, so das Paar verzweifelt. Nur das jüngste der fünf Kinder habe von Geburt an einen deutschen Pass (siehe Kasten).

Nachbarn wie Familie

Als Ausländer musste das Paar anfänglich über so manches Vorurteil seiner Mitmenschen hinwegsehen. Als es in das Einfamilienhaus am Patenbergsweg zog, waren einige Nachbarn skeptisch. „Mittlerweile verstehen wir uns mit den Nachbarn richtig gut. Sie gehören zur Familie“, sagt Ahmed stolz. Das Häuschen, in dem die sieben Saids wohnen, ist ihr Eigentum. Vater Ahmed arbeitet seit Jahren bei einem Geflügelverarbeiter in Garrel und seine Frau hat seit September eine Festanstellung als Reinigungskraft im Wardenburger Rathaus, wo sie vorher als Springerin aushalf.

Auch für ihre Kinder sieht Neruz Said optimistisch in die Zukunft: Der Älteste, Muhamed (19), geht in Oldenburg aufs Fachgymnasium. Er will Ingenieur werden. Der 16-jährige Tofek besucht die Realschule. Mustafa (14) und Jasmin (12) lernen an der Wardenburger IGS. Nesthäkchen Ali Alexander (3) hat einen Platz im Kindergarten. Auch Mustafa und Jasmin haben schon einen Berufswunsch: „Ich will Sozialpädagoge werden.“ „Und ich Ärztin.“

Mutter Neruz hat ebenfalls einen ganz großen Traum: „Wenn die Kinder größer sind, möchte ich einmal ehrenamtlich mit dem DRK ins Ausland und Menschen in Not helfen.“ Und auch Ehemann Ahmed träumt: von einem Frieden im Irak. „Menschen, die Kinder töten, sind keine Muslime. Das gibt es nicht in unserer Religion. Die Terroristen dort machen das Land und den Islam kaputt.“

Marén Bettmann
Wardenburg
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2730

Weitere Nachrichten:

Kleiderkammer | Realschule | IGS Wardenburg | Kindergarten | DRK

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.