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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Interview Mit Landrat Carsten Harings: Über 100 Freiwillige stehen in der Corona-Krise bereit

15.04.2020
Frage: Herr Landrat, die Kreisverwaltung arbeitet auf Hochtouren, um angemessen auf die Corona-Krise reagieren zu können. Wo wurde in der Kreisverwaltung umgestellt?

Harings: Die Coronavirus-Pandemie hat die Kreisverwaltung im Grunde einmal komplett auf links gedreht. Die Kernbereiche, die also essenziell notwendig sind, arbeiten im Schichtsystem. Die gebildeten Teams sollen sich nicht begegnen. Damit soll sichergestellt werden, dass jederzeit ein Back Up verfügbar ist. In anderen Bereichen kommen verschiedene Arbeitszeitmodelle zur Anwendung. Auch die Verlagerung von Arbeit ins Home-Office spielt dabei eine Rolle. Insgesamt sollen sich möglichst wenig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichzeitig im Haus aufhalten. Also auch hier gilt: Sozialkontakte vermeiden, um einer Erkrankung vorzubeugen. Dabei muss natürlich jederzeit sichergestellt werden, dass die Kreisverwaltung ihren notwendigen Aufgaben nachkommt.

Natürlich gibt es an manchen Stellen im Hause derzeit eine extreme Belastung. Und die Kolleginnen und Kollegen stellen sich ihrer Aufgabe und Verantwortung. Und das über alle Maßen, auch am Wochenende. Aus anderen Bereichen, wo die Aufgaben – etwa angesichts geschlossener Schulen – eingebrochen sind, erhalte ich Angebote und Anfragen, wie man den hochbelasteten Bereichen helfen kann. Etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirken auch im Stab, den wir aktiviert haben, mit und werden dadurch natürlich auch ihren Ämtern entzogen.

Insgesamt wird die Arbeit und die Kreisverwaltung getragen von einem großen und großartigen Gemeinschaftsgeist. Das macht mich schon ein wenig stolz auf unsere Mannschaft. Und es nährt meine Zuversicht, dass wir auch diese Krise – und wir haben schon so manche Herausforderung zu bewältigen gehabt – meistern und überwinden werden.

Frage: Was macht der Krisenstab? Welche Entscheidungsbefugnis hat dieser?

Harings: Dem Krisenstab obliegt das gesamte operative Geschäft. Alle relevanten Bereiche sind hier einbezogen. Das ist ein bewährtes und erprobtes Team. Hier läuft der Austausch darüber, was nötig ist, und die Absprache, wer macht was bis wann und sorgt für die Umsetzung.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, bedarf es auch selbstverständlich umfassender Kompetenzen. Nehmen wir das Beispiel der Materialbeschaffung, etwa von Masken. Ein nationales Problem. Da muss man häufig sofort handeln, wenn sich eine Möglichkeit zur Beschaffung eröffnet. Im Krisenstab findet aber auch der sehr wichtige Austausch mit unserem Krankenhaus statt sowie die erforderlichen Abstimmungen mit dem Rettungsdienst und den beauftragten Organisationen. Beiden Bereichen dürfte ja in den nächsten Wochen eine zunehmende, besondere Bedeutung zukommen.

Frage: Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, z.B. der Polizei, aus?

Harings: Die Kooperation mit der Polizei ist naturgemäß von besonderer Bedeutung, gilt es doch, den – und das sage ich ganz deutlich: notwendigen – Einschränkungen Geltung zu verschaffen. Polizei und Kreisverwaltung pflegen seit jeher ein sehr offenes und vertrauensvolles Miteinander. Und so überrascht es nicht, dass die Zusammenarbeit auch in dieser Phase richtig gut funktioniert, mit kurzem Draht. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bei der Polizei bedanken.

Auch unsere Gemeinden sind natürlich in besonderem Maße involviert. Sie sind vor Ort, beobachten, reagieren und handeln. Das ist nicht immer einfach. Manche Regelungen haben in solchen Zeiten eine kurze Halbwertzeit, überholen sich bisweilen schon nach wenigen Tagen. Was gestern noch richtig war, kann morgen schon falsch sein. Oder umgekehrt. Das ist nicht immer einfach vor Ort zu erklären. Und so manches Mal erhalten die Kolleginnen und Kollegen der Gemeinden unberechtigte Kritik. Wir alle setzen die Maßnahmen um, die vorgegeben werden und vorgegeben werden müssen, um die Krise zu überwinden. Wir arbeiten allesamt nur an einem Ziel: die bestmögliche Gesunderhaltung unserer Bevölkerung. Und da bin ich auch unseren Gemeinden sehr dankbar. Sie machen einen guten Job.

Frage: Wie erreichen die Bürger den Krisenstab und erfahren etwas von den Entscheidungen?

Harings: Der Krisenstab ist keine kommunikative Einrichtung nach außen. Der Krisenstab muss sich darauf konzentrieren, seine Arbeit zu machen. Die Kreisverwaltung hat verschiedene Hotlines eingerichtet, die den Bürgerinnen und Bürgern für ihre berechtigten Fragen zur Verfügung stehen. Daneben informieren wir ausführlich über tägliche Pressemeldungen.

Frage: Was machen die Bemühungen, weiteres medizinisches Personal zu rekrutieren?

Harings: Das Land hat bekanntlich den Weg geöffnet, dass auch Medizinstudenten akquiriert werden können. Auch ein sogenannter Containment-Scout, der also Kontaktketten rückverfolgen soll, ist dem Vernehmen nach im Zulauf. Sehr erfreulich war auch die Resonanz auf unseren öffentlichen Aufruf in Bezug auf freiwillige Meldungen als pflegerisches und medizinisches Fachpersonal im weitesten Sinne. Über 100 Menschen haben sich in kurzer Zeit gemeldet. Ich finde das beeindruckend. Das zeigt den Gemeinschaftsgeist, der entstanden ist. Es macht zugleich deutlich, wie besonnen und verantwortungsbewusst die Bürgerinnen und Bürger mit der gegenwärtigen Situation umgehen und sich dabei konstruktiv zur Verbesserung der für alle nicht einfachen Lage einbringen.

Natürlich ist jede weitere Meldung gerngesehen und willkommen.

Frage: Im Ammerland werden Reha-Kliniken umgerüstet, um gegebenenfalls Plätze für Kranke bereitzuhalten. Gibt es ähnliche Bemühungen im Landkreis Oldenburg? Wird es eine Art „Behelfskrankenhaus“ geben?

Harings: An der ausreichenden Sicherstellung von Bettenkapazitäten arbeiten sowohl das Land als auch wir und die Öffentlichen Gesundheitsdienste vor Ort. Und das, wie ich finde, mit beachtlichem Erfolg in kurzer Zeit. Der Landkreis Oldenburg hat erst kürzlich mit der Stadt Delmenhorst und den Krankenhäusern in der Region in sehr vertrauensvoller und konstruktiver Weise eine gemeinsame Kooperation vereinbart. Damit sind wir gut gerüstet.

Natürlich muss man als Krisenteam auch immer einen Plan B in der Tasche haben. Ich hoffe aber, dass wir diesen nicht brauchen. Die Disziplin unserer Bevölkerung ist sehr beachtlich. Und das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir den rasanten Anstieg der Erkrankungen zunächst bremsen und danach auch wieder senken können. Unsere Bürgerinnen und Bürger können durch ihr besonnenes und diszipliniertes Verhalten maßgeblich dazu beitragen, dieses große gemeinsame Ziel zu erreichen. Und sie tun es. Das ist gut für uns alle. Und so möchte ich unserer Bevölkerung abschließend sagen: Machen Sie bitter weiter so. Stärken Sie unsere Gemeinschaft mit Ihrem ganz persönlichen Verhalten. Herzlichen Dank.

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Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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