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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Matilda ist die Nummer Sieben

22.12.2018

Kirchhatten Matilda ist zehn Monate alt und neugierig, auch wenn sie noch nicht laufen kann. Auf dem grauen Kurzhaarteppich des Besprechungszimmers im Hatter Rathaus krabbelt sie unter den Tischen mutig voran, untersucht gründlich die Plastikkappen der Metallbeine. Ganz bis zum Kopfende, dort wo Bürgermeister Christian Pundt und Stellvertreterin Heike Kersting sitzen, traut sie sich dann aber doch nicht. Myriam Dirks (40) holt sie zurück auf den Schoß, die Kleine lacht entspannt in die Runde.

Zwei Fälle in 38 Jahren

Was Matilda nicht wirklich ahnt: Sie ist der Grund für die ungewöhnliche Zusammenkunft im Rathaus. Denn Myriam Dirks, die mit ihrem Lebenspartner und Vater Matildas, Jan Paradies, in Sandkrug wohnt, hat schon ein paar ältere Kinder: Alischa (20), Lena (17), Emily-Helene (14), Joshua (13), Leland (10) und Duane-Lee (7). Matilda ist ein Nachzügler. „Eigentlich hatte ich mit dem Thema schon abgeschlossen“, sagt die jünger wirkende 40-Jährige und lächelt.

Eine Mutter mit sieben Kindern, das ist in der Gemeinde Hatten bislang eine Seltenheit. Amtsleiterin Heike Kersting arbeitet seit 38 Jahren im Hatter Rathaus. Nur einmal habe es diesen Fall schon gegeben, erinnert sie sich. Das war 2012, der damalige Bundespräsident hieß Joachim Gauck und übernahm die Ehrenpatenschaft für Kind Nummer Sieben – Jill Rode, die damalige Bürgermeisterin Elke Szepanski übergab die Urkunde im Rathaus.

Sechs Jahre später heißt der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Hatter Bürgermeister Christian Pundt. Wie damals hat auch jetzt die Gemeindeverwaltung die ehrenwerte Aufgabe, die Glückwünsche des höchsten Staatsoberhauptes an die Eltern zu überbringen. Außerdem die Ehrenpatenschaft, ein signiertes Bild Steinmeiers und 500 Euro in bar.

Über die Gründe des Staates, so zu verfahren, informiert ausführlich die offizielle Seite des Bundespräsidenten (siehe Infobox).

Myriam Dirks ist nur mit Matilda ins Rathaus gekommen. Ihr Lebensgefährte arbeitet, die anderen Kinder sind alle in der Schule. Erst am Abend sind alle zu Hause. Besonders stressig findet die Sandkrugerin das nicht. Alles Einstellungssache, sagt sie. „Ich kenne Frauen, die sind schon mit zwei Kindern überfordert.“ Immer einfach sei das Leben aber nicht, verrät sie. Man werde auch von Menschen angefeindet wegen der ungewöhnlich großen Kinderzahl.

NWZ half in der Not

2013 spürte sie die negative Seite des Kinderreichtums besonders. Damals in Oldenburg musste sie aus einer schimmelbelasteten Wohnung ausziehen. Mehr als ein Jahr lang war sie erfolglos auf der Suche – die NWZ berichtete 2013 in der Weihnachtsausgabe über den Fall. Es war immer das Gleiche: Wenn im Gespräch mit möglichen Vermietern von ihren sechs Kindern die Rede war, ging der Vorhang runter, und das Thema war durch, erzählte sie damals dieser Zeitung.

Zehn Frauen haben mindestens Fünf

Der Bundespräsident übernimmt auf Antrag die Ehrenpatenschaft für das siebente Kind einer Familie. Die Ehrenpatenschaft wird in einer Familie nur einmal übernommen. Zum Zeitpunkt der Antragstellung müssen einschließlich des Patenkindes mindestens sieben lebende Kinder zur Familie zählen, die von denselben Eltern, derselben Mutter oder demselben Vater abstammen. Adoptivkinder sind den leiblichen Kindern gleichgestellt.

Die Ehrenpatenschaft hat in erster Linie symbolischen Charakter und ist mit der Taufpatenschaft nicht zu vergleichen. Der Bundespräsident bringt mit der Ehrenpatenschaft die besondere Verpflichtung des Staates für kinderreiche Familien zum Ausdruck. Sie stellt die Bedeutung heraus, die Familien und Kinder für das Gemeinwesen haben. Die Ehrenpatenschaft soll mit dazu beitragen, das Sozialprestige kinderreicher Familien zu stärken. Quelle: Bundespräsidialamt.

In der Gemeinde Hatten sind derzeit zehn Frauen gemeldet, die fünf oder mehr Kinder haben. 24 haben vier Kinder, 152 (drei), 572 (zwei), 760 (eins), 5985 sind kinderlos. Quelle: Kommunale Datenverarbeitung Oldenburg.

Im Frühjahr 2014 dann die Wende zum Guten. Ein Leser, der zunächst keine konkrete Hilfe leisten konnte, bekam die Chance, Familie Dirks ein Haus in der Gemeinde Hatten anzubieten. Diese Entscheidung hat sie nicht bereut. Hier in Sandkrug gebe es alles, was man zum Leben brauche.

Dann ist die kurze Feierstunde vorbei: Vorsichtig legt sie Matilda wieder in den Kinderwagen. Die Kleine, sie lächelt mit dem Bundespräsidenten um die Wette.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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