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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Windenergie: Nebenwirkungen polarisieren

24.08.2017

Landkreis /Wildeshausen So lange tage im Kreishaus nur der Umweltausschuss, flachste Baudezernentin Eva-Maria Langfermann. Volle vier Stunden lang tauschten sich am Dienstagabend rund 100 Interessierte über ein Thema aus, das elektrisiert – und polarisiert: Windkraft. Nach Vorträgen von Dr. Christoph Schmidt-Eriksen (Niedersächsisches Umweltministerium) über energiepolitische Hintergründe, Prof. Dr. Wilhelm Söfker über planungsrechtliche Aspekte, Oliver Bunk über Immissionsschutz und Dr. Matthias Schreiber über Artenschutz hatten die Zuhörer das Wort. Stefan Idel, Leiter der NWZ-Redaktion Wildeshausen, moderierte.

 Fünf Seiten Fragen

 Wie kritisch der Bau von immer mehr und höheren Windrädern von vielen Menschen im Landkreis gesehen wird, hatte sich schon im Vorfeld des Abends an den schriftlich eingegangenen Fragen gezeigt. Sie füllten fünf DIN A 4-Seiten und waren fast ausnahmslos auf „Nebenwirkungen“ der Anlagen gemünzt. Und auf deren Anzahl: Allein in der Grenzregion der Gemeinden Dötlingen, Ganderkesee und Prinzhöfte seien bis zu 50 Anlagen vorgesehen – warum der Landkreis denn da nicht steuernd eingreife, wollte die FDP-Kreistagsabgeordnete Marion Daniel wissen.

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Bei der Diskussion am Dienstagabend kristallisierten sich vor allem zwei Knackpunkte heraus.

 Schreckgespenst Milan

Da ist zunächst der Artenschutz. „Sehr relevant“ sei für Windkraftbauer der § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes, hatte Matthias Schreiber in seinem Einführungsvortrag erklärt. Besonders geschützte Arten dürften danach nicht getötet werden – ihr Schutz sei „individuen-bezogen“. Doch Windanlagen seien für einzelne Arten eine tödliche Gefahr, vor allem für den Mäusebussard und für „das Schreckgespenst aller Windparkplaner“, den Rotmilan. Ebenfalls stark betroffen: Fledermäuse. Nach Hochrechnungen kämen pro Anlage und Jahr im Schnitt zehn Tiere zu Tode, insgesamt 250 000 in Deutschland.

Antworten später

Fragen zum Thema Windenergie, die im Vorfeld der Veranstaltung schriftlich geäußert wurden und am Dienstag nicht an die Reihe kamen, will der Landkreis mit Unterstützung der vier Referenten nachträglich beantworten. Die Informationen würden ab etwa 1. September bereitgestellt unter www.oldenburg-kreis.de, Rubrik Bauen & Umwelt/Bauordnungsamt.

Schreiber ging auch darauf ein, wie Windkraftbauer das Hindernis des § 44 überwinden können – durch artenschutzrechtliche Ausnahmeprüfungen. Die Ausnahmegenehmigung sei möglich, wenn es keine standörtliche oder betriebliche Alternative gibt, wenn ein zwingendes öffentliches Interesse vorliegt und es drittens auf die jeweilige Art zugeschnittene Maßnahmen zur Wahrung des Erhaltungszustandes gibt.

Hier kam Kritik aus der Versammlung am Landkreis Oldenburg hoch: Die Zahl der von ihm im Sinne der Windparkplaner erteilten Ausnahmegenehmigungen sei sehr hoch. Langfermann dementierte das nicht. Der Landkreis verfolge das Ziel, bei den geschützten Arten den Status quo zu halten. Man nehme in Kauf, dass Tiere getötet werden und setze darauf, durch naturschutzfachliche Maßnahmen die Population insgesamt halten zu können.

In ein ganz anderes Horn stieß Cord Remke (Harpstedt): „Um jedes getötete Tier ist es schade“, räumte der Beckelner ein. Aber es gehe nicht an, dass der Artenschutz höher gewichtet werde als der Klimaschutz: „Wenn wir die Klimaschutzziele nicht erreichen, brauchen wir uns um den Artenschutz bald keine Gedanken mehr zu machen.“

Schlafstörungen

Der zweite Knackpunkt am Dienstagabend: gesundheitliche Folgen der Windkraft. Als die Bürgerinitiative gegen den Windpark Haidhäuser das Thema Infraschall angesprochen habe, hätten einzelne Politiker gelacht, erinnerte sich Windpark-Anrainer Manfred Helmers. Seit der Windpark in Betrieb sei, würden Nachbarn unter Schlafstörungen und Herzproblemen leiden. „Wir haben damit die größten Probleme.“

Schmidt-Eriksen entgegnete, dass es bis dato keine wissenschaftlichen Belege für derartige Wirkungen von Infraschall gebe. Allerdings laufe hierzu eine Untersuchung durch das Umweltbundesamt.

Marianne Steinkamp (Dötlingen) zitierte in diesem Zusammenhang eine Forderung der Ärzteinitiative gegen Infraschall, die einen Mindestabstand von 3000 Metern zwischen Windrädern und Wohnbereichen fordere.

Fortsetzung gewollt

„Hier fehlt die fachmedizinische Seite“, kritisierte Nils-Christian Heins. Es mache Sinn, einen Arzt zu den gesundheitlichen Folgen der ehrgeizigen Windkraft-Pläne im Landkreis zu hören. Langfermann sagte zu, diese Anregung mit in die politischen Gremien zu nehmen.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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