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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

„Man muss ja nicht selbst dazwischengehen“

27.06.2007

GANDERKESEE Stefanie Schmidt versteht die Welt nicht mehr: „Ist es normal, dass Menschen illegal Waffen besitzen? Ist es cool, Leute zu überfallen und zu verhauen?“, fragt sich die 19-jährige Auszubildende. „Dass ein 14-jähriger Junge Angst hat, raus zu gehen und sich mit Freunden zu treffen, ist nicht in Ordnung.“

Denn dass das keine Probleme aus der großen weiten Welt sind, sondern auch Ganderkesee betreffen, musste ihr Bruder am eigenen Leib erfahren. Gleich zweimal ist der 14-Jährige in den vergangenen Monaten Opfer von Übergriffen durch andere Jugendliche geworden. Was ihn – aber auch seine Schwester und Mutter Helga Schmidt ebenso ärgert wie Gewalt und Mobbing ist jedoch die Tatsache, dass die Menschen einfach wegschauen. „Man fühlt sich einfach ziemlich dumm, wenn keiner reagiert“, schildert der 14-Jährige die Situationen, wenn man um Hilfe bittet, Passanten aber nur teilnahmslos weiterziehen. So auch unlängst in Delmenhorst, wo er (wie berichtet) mit einem Freund nach einem Kinobesuch von Jugendlichen angegriffen worden war.

„Man muss ja nicht selbst dazwischengehen“, hat auch Stefanie Schmidt Verständnis für Passanten, die nicht körperlich eingreifen wollen oder können. „Es reicht aber, wenn man sich an eine Ecke stellt und die Polizei anruft. Fast jeder hat doch ein Handy.“ Besonders, wenn konkret um Hilfe gebeten würde, ergänzt ihre Mutter. Denn: „Welcher Jugendliche geht denn schon hin und fragt nach Hilfe, wenn nicht wirklich was passiert ist?“

Für Stefanie Schmidt sind die Ursachen für dieses Wegschauen klar: „Gewalt ist viel zu alltäglich geworden“, meint die 19-Jährige. „Aber dagegen muss man was tun.“

Zwar werde das Thema auch an den Schulen thematisiert, berichtet der 14-Jährige. Was ist Mobbing? Wie begegnet man dem? Woran merkt man das?, seien Themen, die behandelt würden – zumeist aber erst, wenn etwas vorgefallen sei. Das reiche aber nicht, meint Stefanie Schmidt. Ganz offen fordert die 19-Jährige „mehr Aufsicht“, wobei sie Zustimmung von ihrem Bruder erfährt. Und auch Helga Schmidt („natürlich wollen wir keinen Überwachungsstaat“) fände „ein bisschen mehr Kontrolle nicht schlecht“.

Der 14-Jährige jedenfalls hat genug von abendlichen Ausflügen: „Die erste Zeit werde ich wohl abends nicht mehr rausgehen.“

Und daran könne nur die Gesellschaft etwas ändern, meint Stefanie Schmidt: „Es muss wieder mehr Zivilcourage geben, damit derjenige, der Hilfe braucht, auch Hilfe erwarten kann.“ Nicht zuletzt aus Selbstzweck. Denn: „Wenn die Leute, die wegschauen, in der Klemme stecken, wollen die ja auch, dass jemand hilft.“

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