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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Gastfreundschaft sehr ausgeprägt

19.09.2019
Frage: Seit fast genau einem Jahr besteht die Partnerschaft mit Pultusk – wie hat sie sich seitdem entwickelt?
Gerken: Der Kontakt besteht ja schon seit über zweieinhalb Jahren, als wir die erste Anfrage bezüglich einer möglichen Städtepartnerschaft erhalten haben. Der Schüleraustausch mit dem Gymnasium läuft sogar noch länger. Da ist also schon ganz schön etwas gewachsen. Die Urkunde und der Partnerschaftsvertrag im vergangenen Jahr haben diesen freundschaftlichen Kontakten dann noch mal einen formalen Rahmen gegeben.

Ganderkeseer machen mit beim Matthäus-fest in Pultusk

Die Partnerschaft zwischen Ganderkesee und Pultusk wurde im vergangenen Jahr vertraglich geregelt. Die 19 000-Einwohner-Stadt liegt rund 60 Kilometer nördlich der polnischen Hauptstadt Warschau.

An diesem Donnerstag startet ein Bus aus Ganderkesee zu einem weiteren Besuch in Pultusk. Neben Vertretern von Rat und Verwaltung fahren Ganderkeseer Bürgerinnen und Bürger mit – einige davon mit einem besonderen Bezug zu Polen – und auch 20 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Ganderkesee. Sie treffen sich mit Jugendlichen einer Schule in Pultusk und absolvieren zum Teil ein eigenes Besuchsprogramm, das von der Schulleiterin Krystyna Estkowska organisiert wird.

Im Mittelpunkt der Pultusk-Reise steht das Matthäus-Fest am Sonnabend. Die Gäste aus Ganderkesee beteiligen sich an einem Lauf durch die Stadt und am Festumzug. Zudem bieten sie regionale Spezialitäten an und wollen ein norddeutsches Lied vortragen. Am Sonntag ist ein Ausflug nach Warschau geplant, ehe es am Montagmorgen zurück in die Heimat geht.

Frage: Öffentlich hat man bisher nicht so viel mitbekommen von einem gegenseitigen Austausch. Hat dieser stärker verwaltungsintern stattgefunden oder muss er erst noch aufgebaut werden?
Gerken: Meine Kollegen im Rathaus sind ständig mit Pultusk in Kontakt. Da gibt es immer viel zu besprechen und zu planen. Aber natürlich entwickelt sich auch ein enger persönlicher Draht. Man gratuliert sich zum Geburtstag, schreibt sich E-Mails oder hält über Facebook und WhatsApp Kontakt – nicht nur auf Verwaltungsebene. Es ist heute viel leichter als früher, auf dem Laufenden zu bleiben, was gerade beim jeweils anderen passiert. Im Juni war der neue Bürgermeister Wojciech Gregorczyk in Ganderkesee zum Kennenlernbesuch.
Frage: Werden auch – wie bei der Partnerschaft mit Château-du-Loir – Vereine stärker eingebunden?
Gerken: Dafür sind wir sehr offen. Der neue Bürgermeister war zuvor in der Verwaltung für den Bereich Sport zuständig, daher liegt ihm das sicher auch am Herzen. Wir haben jetzt in Pultusk auch einige Aktive vom Lauftreff dabei und einen Tischtennisspieler vom TSV, der sicher vor Ort neue Kontakte knüpfen wird.
Frage: Partnerschaften vor allem mit französischen Kommunen haben – auch und gerade im Landkreis – sehr zum gegenseitigen Verständnis und zu neuem Vertrauen zwischen ehemaligen Kriegsgegnern beigetragen. Ist eine Partnerschaft mit einer polnischen Stadt auch noch unter diesem Aspekt zu sehen?
Gerken: So steht es schon in unserem Partnerschaftsvertrag: Vorurteile überwinden, Verständnis und Freundschaft ermöglichen und zur Bildung eines friedlichen Europas beitragen sind explizite Ziele unserer Städtepartnerschaft.
Frage: Wurde von polnischer Seite bei bisherigen Besuchen in Pultusk die Kriegs-Vergangenheit und die deutsche Schuld besonders thematisiert? Oder spielt das für die heutige Generation keine so große Rolle mehr?
Gerken: Offen darauf angesprochen wurden wir nicht. Aber beim Rundgang durch die Warschauer Altstadt oder beim Besuch des – übrigens sehr eindrucksvollen – Jüdischen Museums bekommt wohl jeder ein Gespür dafür, welches Unheil Deutsche im Zweiten Weltkrieg über Polen gebracht haben. Die heutigen Generationen tragen für diese Verbrechen natürlich keine Verantwortung. Ein der historischen Vorbelastung angemessenes Auftreten sollte aber selbstverständlich sein.
Frage: Man muss bei Besuchen in Polen damit rechnen, auf diese Zeit angesprochen zu werden? Wie bereitet man sich darauf vor?
Gerken: Sich in der Geschichte auszukennen, ist immer von Vorteil. Alleine schon um zu verstehen, warum die einen so und die anderen ganz anders empfinden. Es gibt in Polen eine ausgeprägte Gedenkkultur und ein großes Geschichtsbewusstsein. Natürlich kann es passieren, dass der Zweite Weltkrieg mal zur Sprache kommt, aber eher nicht gleich beim ersten Kontakt, nur weil man Deutsche oder Deutscher ist.
Frage: Auch in der gegenwärtigen Politik gibt es Spannungen zwischen Polen und Deutschland sowie der EU. Spürt man das bei den Besuchen? Oder überdeckt das die sprichwörtliche polnische Gastfreundschaft?
Gerken: Die Gastfreundschaft ist schon sehr ausgeprägt, das sollte jeder mal erlebt haben. Das deutsch-polnische Verhältnis auf nationaler Ebene war zumindest bisher nicht das große Thema. Eher die Kontakte auf kommunaler Ebene, und da passt es doch.
Frage: Worauf freuen Sie sich besonders in den nächsten Tagen in Pultusk?
Gerken: Besonders freue ich mich darauf, bestehende Kontakte zu vertiefen und auch neue zu knüpfen, gute Bekannte in freundschaftlicher Atmosphäre wiederzusehen. Internationale Kontakte können Brücken bauen und das tun wir mit unserer Partnerschaft mit Pultusk.
Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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