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Gedenken: „Sind uns unserer Geschichte bewusst“

30.06.2011

WILDESHAUSEN Die ursprünglich für den 7. November geplante Verlegung von „Stolpersteinen“, die an die Wildeshauser Holocaust-Opfer erinnern sollen, wurde abgesagt. Gleichwohl halte der Arbeitskreis „Für Demokratie und Toleranz“ im Präventionsrat an dem Projekt fest. „Wir sind überzeugt von der Aktion“, sagte Ingeborg Jacoby am Mittwoch im Namen des Arbeitskreises. „Dabei wollen wir breite Teile der Bevölkerung mitnehmen.“

Die Verlegung der Stolpersteine war kurzfristig von der Tagesordnung des Stadtrats genommen worden, weil im Vorfeld eine Debatte um den Umgang mit dem Thema entbrannt war (die NWZ berichtete ausführlich). Der Wildeshauser Bodo Gideon Riethmüller, der für den Landesverband der Jüdischen Gemeinden arbeitet, fürchtet, dass die Opfer der Shoah ein weiteres Mal gedemütigt werden, Mülltonnen auf den Steinen abgestellt werden oder gar Hunde dort ihre Notdurft verrichten. Jacoby, die gemeinsam mit Ulrich Becker, Rudolf Boning, Peter Heinken, Roni Moklaschi und Charlotte von Olearius die Position des Arbeitskreises erklärte, sprach von einer „Einzelmeinung“. Man respektiere die Meinung Riethmüllers. Es könne aber nicht sein, dass ein Einzelner bestimme, wie die Erinnerungsarbeit aussehe. Der Künstler Günter Demnig hat inzwischen mehr als 30 000 „Stolpersteine“ verlegt; auch in Vechta. Der Zentralrat der Juden gehe „sehr unterschiedlich“ mit dem Thema um. „Eine Zustimmung der jüdischen Gemeinde ist wünschenswert, aber nicht unbedingt notwendig“, heißt es in einer Erklärung. „Wir sind uns unserer Geschichte bewusst.“

Entschieden wehrte sich der Arbeitskreis gegen den Vorwurf, er habe „intolerant und undemokratisch“ gehandelt. Von Anfang an seien die politischen Gremien eingebunden gewesen. Die Entscheidung sollte auf eine breite demokratische Basis gestellt werden. Auch ohne den Beschluss im Verwaltungsrat habe der Arbeitskreis über die Nachkommen der ermordeten Wildeshauser Juden recherchiert. „Wir wollten die Angehörigen zu der Verlegung einladen“, sagte Jacoby. Roni Moklaschi werde sogar versuchen, in Israel Nachfahren aufzuspüren. Von Olearius wies darauf hin, dass das Projekt vor allem für nachkommende Generationen wichtig sei. Die Erinnerung werde so mitten in die Stadt geholt.

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Der Arbeitskreis hat den Urheber des Projekts, den Künstler Gunter Demnig, Anfang November zu einem Vortrag eingeladen. Dann sollen alle anfallenden Fragen ausführlich diskutiert werden. Auch der „Erinnerungsgang“ zum Gedenken an die Opfer der Pogrome 1938 soll erneut in Wildeshausen stattfinden. Im vergangenen Jahr hatte Riethmüller noch zu den Rednern des Gangs gehört.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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