• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Das Rathaus war sein wichtigstes Projekt

15.01.2019

Stenum Diese Priorisierung passt irgendwie ins Bild: Gefragt nach der bedeutendsten Entscheidung als Ganderkeseer Gemeindedirektor und Bürgermeister, antwortet Gerold Sprung, ohne lange zu überlegen, „der Rathaus-Neubau“. Dass Ganderkesee 1996 einen Verwaltungssitz bekam, „der einer Gemeinde dieser Größenordnung angemessen ist“, wie Sprung betont, war dem langjährigen Chef in diesem Rathaus besonders wichtig. Und das nicht so sehr wegen der repräsentativen Aufwertung, sondern vor allem, um die Arbeit und die Strukturen der Gemeindeverwaltung, die vorher über acht Gebäude im Ort verstreut war, zu bündeln und zu verbessern – zum Wohle der Mitarbeiter und der Bürger.

Seit 1972 in der SPD

Gerold Sprung, der am morgigen Mittwoch 75 Jahre alt wird, war in seiner beruflichen Karriere nicht nur zeitlich länger, sondern auch vom Typ her mehr  Verwaltungsmensch als (Partei-)Politiker. Dabei ist er seit 1972 SPD-Mitglied, Willy Brandts Ostpolitik hat ihn damals fasziniert. Aber viel früher schon war er in der kommunalen Verwaltung tätig: Mit 17 Jahren fand der Stenumer 1961 eine Lehrstelle bei der Stadt Delmenhorst – „ein Glücksfall“, findet er. „Ich hatte immer das Gefühl: Du bist beruflich an der richtigen Stelle“, erzählt der Sohn eines Malermeisters, für den früh klar war, dass er den Handwerksbetrieb nicht übernehmen wollte (was sein Vater übrigens genauso sah).

Nach einer Ausbildung für den gehobenen Dienst und einem juristischen Zusatzstudium wollte der junge Verwaltungsangestellte mehr erreichen – „aber in Delmenhorst habe ich die interessanten Stellen nicht gekriegt.“ Da kam Heinz Huhs zur rechten Zeit: Der damalige Gemeindedirektor lockte ihn 1977 nach Ganderkesee. 1982 wurde Sprung zunächst Stellvertreter, fünf Jahre später dann Nachfolger von Huhs.

Schulden abgebaut

Die Gemeinde, für die er nun an führender Position mit verantwortlich war, hatte Mitte der 80er-Jahre schon eine gute Infrastruktur, erinnert sich Sprung, „aber die war mit einem großen Schuldenberg erkauft worden.“ Nicht ohne Stolz verweist er darauf, dass es Rat und Verwaltung in den folgenden Jahren gelungen sei, die Schulden herunter zu fahren und dennoch die notwendigen Investitionen zu schultern: der Bau von Sozialwohnungen fällt ihm da ein, die Umwandlung der vielen Spielkreise in den Dörfern zu Kindertagesstätten oder die Ausweisung der großen Gewerbegebiete in Bookhorn und Buschhagen. Und vor allem eben: das Rathaus.

In dieses Rathaus zog er 1999 in neuer Funktion ein: Nachdem das Land Niedersachsen sich für die Eingleisigkeit an der Spitze der Kommunen entschieden hatte, war Gerold Sprung von dem Modell zwar nicht sonderlich überzeugt, aber wenn es schon so kam, wollte er in „seiner“ Gemeinde wenigstens weiter die Verantwortung behalten. Bei der Bürgermeisterwahl setzte sich der bisherige Gemeindedirektor gegen den amtierenden (ehrenamtlichen) Bürgermeister Hans Hubmann und zwei weitere Kandidaten durch. „Den eigenen Kopf groß auf Wahlplakaten zu sehen, war schon ungewohnt“, erinnert sich Sprung schmunzelnd.

„Neutral agiert“

Politische Selbstdarstellung war nie seine Masche, auch als Bürgermeister sah sich Gerold Sprung mehr als Chef der Verwaltung und nicht so sehr als Verfechter einer Parteilinie. „Ich bilde mir ein, dass ich immer neutral agiert habe“, meint er rückblickend. Aber es gab auch Konflikte, die der Bürgermeister nicht so einfach aus dem Hemd schütteln konnte. An den Streit um die Südtangente erinnert er sich besonders intensiv, auch die Diskussion um die Landebahn-Verlängerung auf dem Flugplatz hat Nerven gekostet. „Man kann es nicht jedem Bürger recht machen“, ist seine Erkenntnis. Wobei in den beiden Fällen die Entscheidungen letztlich zugunsten der Bürger und gegen die Weiterentwicklung von Wirtschaft und Verkehr fielen.

Schluss mit 62

Dass seine Zeit als Bürgermeister nach sieben Jahren enden würde, stand für Gerold Sprung von vornherein fest. 2006 trat er nicht wieder an, mit 62 Jahren hätte er ohnehin keine volle Amtszeit mehr absolvieren können. Als öffentlicher Kommentator dessen, was und wie es seine Nachfolgerin Alice Gerken macht, ist er seitdem nie aufgefallen – und er lässt sich auch jetzt nicht aus der Reserve locken: „Im Rathaus machen sie gut Arbeit“, mehr sagt der Alt–Bürgermeister nicht auf die Frage, wie er die aktuelle Entwicklung der Gemeinde bewertet.

Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben, blieb Sprung ehrenamtlich noch länger am Ball: Zehn Jahre war er Kreisvorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes und musste am Ende den Abrechnungsskandal mit ausbaden, den der frühere Kreisgeschäftsführer angerichtet hatte. „Richtig Spaß gemacht“ hat ihm dagegen der Vorsitz in der Gesellschaft der Freunde des Hasbruchs. Auch diese Funktion hat er inzwischen abgegeben. Mitglied ist er auch noch im Fuhrenkamp-Schutzverein und im Rotary-Club.

Immer sportlich

Und natürlich im VfL Stenum. Sport hat immer eine große Rolle im Leben von Gerold Sprung gespielt – als Pensionär erst recht: „Jetzt ist das auch morgens schon möglich“, freut er sich. Der Noch-74-Jährige spielt in der Hobbygruppe Volleyball, joggt viel und fährt von jeher gerne und weit mit dem Fahrrad – Letzteres möglichst oft mit seiner Frau Brigitte, mit der er im nächsten Jahr Goldene Hochzeit feiert. Die beiden verreisen auch regelmäßig und machen viel in Kultur. Die Familie, zu der neben Sohn und Tochter mit ihren Partnern mittlerweile auch zwei Enkelkinder gehören, nimmt ebenfalls viel Zeit in Anspruch –und Gerold Sprung ist sehr gerne Opa.

Auf dem Kopf

Langeweile kennt er auch 15 Jahre nach der Pensionierung nicht. Und wenn doch, macht er mal einen Kopfstand – damit konnte er schon als Bürgermeister vor allem in den Kindergärten Eindruck schinden. Das geht auch noch heute auf dem Wohnzimmerteppich – kerzengerade. Dass er mit einem Foto davon in die Zeitung kommen könnte, stört den Jubilar nicht weiter. Eher im Gegenteil. Auch das ist typisch Sprung.

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
Rufen Sie mich an:
04222 8077 2741
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.