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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

KRIEGSENDE: Um Mitternacht rebellieren die Väter

09.04.2005

HARPSTEDT HARPSTEDT - Genau 60 Jahre ist es her, dass die Front Harpstedt erreichte und britische Truppen im Flecken einmarschierten, doch Werner Beuke, Hermann Bokelmann und Johann Schumacher können sich noch gut an die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs erinnern.

Als 16-Jährige sollten sie noch die militärische Niederlage des Deutschen Reiches verhindern. „Am Abend des 9. April wollte der NSDAP-Ortsgruppenleiter aus Heiligenrode die jungen Männer aus Harpstedt zum Kampfeinsatz holen“, erinnert sich Hermann Bokelmann. Da die 17-Jährigen bereits bei der Wehrmacht waren, mussten sich nun die 16-Jährigen um Mitternacht auf dem Marktplatz versammeln. Doch da rebellierten die Eltern. „Die Väter der Jungs machten der NS–Größe klar, dass er die Jungs nicht bekäme“, erzählt Bokelmann.

Das war keineswegs ungefährlich: Wäre eine SS-Einheit zurückgekehrt, hätten die Väter um ihr Leben fürchten müssen. Vom Harpstedter Ortsgruppenleiter Wilhelm Gunst hatten die Eltern allerdings nichts mehr zu befürchten: „Hoffentlich habt ihr das richtig gemacht“, sagte er zum Vater von Johann Schumacher, bevor er sich absetzte. „Er war zwar ein Nazi, aber kein Fanatiker“, sind sich die drei Zeitzeugen einig.

Wie es den drei jungen Leuten damals hätte gehen können, wenn sie dem Ruf der Partei gefolgt wären, zeigt das Schicksal eines Gleichaltrigen aus Mackenstedt, von dem Bokelmann zu berichtenweiß: Dieser wurde in eine Luftwaffen-Uniform gesteckt, geriet ohne Kampfeinsatz in Schleswig-Holstein in Gefangenschaft und kehrte erst nach mehr als drei Monaten nach Hause zurück.

Doch Beuke, Bokelmann und Schumacher konnten so zu Hause den Einmarsch der Engländer am 10. April beobachten. „Das erste Fahrzeug hielt auf der Kreuzung Lange Straße/Logestraße“, berichtet Schumann. Der stellvertretende Bürgermeister August Meyer ging mit einer weißen Fahne den Panzern entgegen und versicherte, dass kein Widerstand geleistet würde. Elf deutsche Soldaten waren bei den letzten Kämpfen vor Harpstedt gefallen. Sie wurden später beigesetzt.

Die Besatzer requirierten einige Wohnhäuser und revanchierten sich mit Schokolade und Büchsenfleisch. „Mit den Engländern gab es keine Schwierigkeiten“, lobt Schumacher die siegreichen Soldaten, auch wenn er seine Konfirmationsuhr herausrücken musste. „Wir waren einfach nur froh, dass der Krieg vorbei war“, sagt er.

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