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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Vergessene Aufnahme schreibt Geschichte neu

07.07.2017

Harpstedt /Dünsen Die Erklärung lag vielleicht auf der Hand. Die Luftmunitionsanstalt (Muna) in Dünsen, so sagen Heimatforscher, habe den Zweiten Weltkrieg wohl deshalb weitgehend unbeschadet überstanden, weil die Alliierten sie im Wald bei Dünsen nie entdeckt hätten. „Falsch“, sagt dazu Friedrich zur Hellen – und zeigt auf eine Luftaufnahme der Royal Air Force vom August 1944. „Sie kannten die Muna, und zwar recht genau.“ Aber warum wurde die 155-Hektar-Anlage trotzdem verschont? Das ist eine der Fragen, denen der langjährige Bibliothekar zur Hellen jetzt nachgeht. Sein Ziel: Er will die Geschichte der Muna schreiben.

Stoff zum Forschen

Mehrere Themen der lokalen Geschichte werden durch Mitglieder des Geschichtsvereins beleuchtet. Hier ein paar Beispiele: „Altertumsfunde in der Samtgemeinde Harpstedt“; „Die Bedeutung der Schafzucht nach dem 30-jährigen Krieg“; „Reformation und Schmalkaldischer Krieg“; „Geschichte des Gaststättengewerbes“; „Geschichte des Schulwesens“.

Zur Hellens Vorhaben ist Teil eines größeren Angehens: Der am 31. August 2016 gegründete Geschichtsverein Harpstedt hat sich vorgenommen, mehr Licht in einzelne Bereiche der lokalen Historie zu bringen (siehe Kasten). Was die Muna angeht, gebe es zwar mehrere Veröffentlichungen zu einzelnen Abschnitten ihrer Geschichte, weiß der frühere Leiter der Bibliothek der Hochschule für Öffentliche Verwaltung Bremen. Auch lägen Zeitzeugen-Beschreibungen vor, die vor vielen Jahren vom früheren Harpstedter Archivpfleger Dr. Jürgen Ellwanger initiiert worden waren. Doch Zusammenfassendes sei kaum zu entdecken. Und: Viele Fragen zur Muna seien bislang unbeantwortet – „hochspannende Fragen“.

Zur Hellen teilt die Geschichte der Muna in vier Abschnitte ein: Da sei die Nutzung als Luftmunitionsanstalt 3/XI (1934 bis 1945), dann als Flüchtlingsunterkunft (nach dem Krieg), drittens als militärischer Bereich der Bundeswehr und ihrer Nato-Partner und viertens die Zeit der wirtschaftlichen Nutzung des Areals.

Offene Fragen sieht er vor allem im Zusammenhang mit den ersten beiden Abschnitten. Beispiel Luftaufnahme der Royal Air Force (die übrigens nach dem Krieg von britischen Streitkräften auf einem Hof in Winkelsett vergessen wurde): „Gab es in Dünsen aus Sicht der Alliierten etwas Besonderes, was sie für sich selbst erhalten wollten? Oder war die Muna nicht wichtig genug?“

Klärungsbedarf sieht zur Hellen zum Beispiel auch bei der Personalpolitik des diktatorischen NS-Regimes in Dünsen. Nach dem Aufbau durch Major Dietrich sei Oberstleutnant Hans-Joachim von Hippel Kommandant gewesen – der nach Gerüchten Kontakte in oberste Kreise des Regimes gehabt habe. Warum sei von Hippel „nur“ die Muna Dünsen anvertraut worden?

Offene Fragen gebe es auch zur Nutzung vieler der anfangs 120 erdüberdeckten Bunker des Areals nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlingsunterkünfte. „Das war ein Mikrokosmos, mit Geschäften, mit Firmen, sogar mit einem DRK-Altenheim.“

Zur Hellen, der auch stellvertretender Vorsitzender des Geschichtsvereins ist, will jetzt weitere Informationen einholen – im Bundesarchiv („Da bin ich im Gespräch“), im Landesarchiv, auch von Zeitzeugen wie dem langjährigen Fleckenbürgermeister Hermann Bokelmann. Bei den Bürgermeistern der Gemeinden Dünsen und Kirchseelte, Hartmut Post und Klaus Stark, will er wegen der Gemeindeunterlagen anklopfen.

Zur Hellens Ziel ist, die Vorarbeiten noch 2017 abzuschließen, und die Informationen 2018 zusammenzuführen. Mit der Arbeit, so sagt er, wolle er beitragen, dass Geschichte, auch solche aus der NS-Zeit, nicht vergessen wird: „Es ist ein Stück Harpstedt.“

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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