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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Auschwitz-Gedenken: Warnende Worte vor „lebendigen Steinen“

28.01.2016

Falkenburg /Bookholzberg Pedro Benjamin Becerra, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Delmenhorst, räumte das ein. Die „industrielle Vernichtung von Menschen“ im nationalsozialistischen Deutschland „kann man sich nicht vorstellen“. Doch das Unvorstellbare sei geschehen. Das müsse als Mahnung weitergegeben werden, gerade auch in Zeiten von Pegida. Becerra sprach am Mittwoch aus Anlass der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 71 Jahren an einem besonderen Ort – der Wand aus „lebendigen Steinen“ im Flett des früheren Lutherstiftes Falkenburg.

Zu der Feierstunde an diesem 27. Januar hatte die Ganderkeseer SPD eingeladen. Mit den „lebendigen Steinen“ habe man „den geeignetsten Raum in der näheren und wohl auch weiteren Umgebung“ gewählt, befand Gustav Förster, Vorsitzender der SPD-Ortsgruppe Süd. Am Dienstag habe man einen Antrag vorbereitet, das Gedenken hier jährlich zu veranstalten.

Was die Wand im Flett so außergewöhnlich macht, erläuterte Erich Kurzawski vom Diakoniekonvent Lutherstift den etwa 15 Teilnehmern: Der Wildeshauser Künstler Hartmut Berlinicke hatte hier in den 1990er Jahren mit Unterstützung durch Horst Butz mit Formen, Fehlbränden und oft auch Original-Steinen eine Vielzahl von Stationen biblischer, christlicher und zutiefst unchristlicher Geschichte symbolisiert. Ein Bestandteil der Wand ist der „Rost des Laurentius“, in den ein Stein aus dem Krematorium Nummer 5 in Auschwitz eingemauert wurde.

Vor der Kranzniederlegung an diesem Stein ging Becerra auf den Holocaust und die Bedeutung des 27. Januar für Juden ein. Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, die in der NS-Diktatur den Nährboden für den Völkermord bereiteten, drohten wieder gesellschaftlich akzeptiert zu werden, warnte er. „Mit aller Härte“ müsse gegen solche Tendenzen vorgegangen werden. „Pegida & Co. sind eine Schande für uns alle.“ Die ganze Gesellschaft sei aufgefordert, sich dagegen zu wehren.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Axel Brammer appellierte, die „Lufthoheit über den Stammtischen“ nicht Leuten zu überlassen, „die die Fremdenfeindlichkeit predigen“. Was den Holocaust betrifft, warb er, sich selbst ein Bild zu machen: „Ich kann nur sagen: Fahrt nach Auschwitz.“

Abends lud der Ganderkeseer Ökumenekreis zu einem Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in die Bookholzberger Auferstehungskirche ein. Neben Pfarrer Norbert Lach (kath. Kirchengemeinde) und Pastor Eckhard Dreyer (ev.-luth. Kirchengemeinde Ganderkesee) wirkten mehrere Gemeindeglieder mit.

„Die Erinnerung darf nicht enden“, forderte Lach in dem Gottesdienst, der auch an die nach Schätzungen etwa 1,5 Millionen in Lagern getöteten jüdischen Kinder erinnerte. Erst hätten andere Kinder nicht mehr mit ihnen spielen dürfen, später seien sie wie Vieh behandelt, in die Lager gebracht, gequält, teils zu medizinischen Experimenten missbraucht und getötet worden.

Bei dem Gottesdienst wurden auch Fragen aufgeworfen – auch die, wie Gott solches Unrecht zulassen könne. Doch Gott, so hieß es, habe den Menschen Entscheidungsfreiheit gegeben. Es seien Menschen gewesen, die es zugelassen haben.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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