• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Trauer um verstorbene Schauspielerin
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 4 Minuten.

Hannelore Elsner Ist Tot
Trauer um verstorbene Schauspielerin

NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Grenzenlose Freiheit in neuer Heimat

23.03.2019

Wildeshausen /Bloomington Eine gebürtige Ganderkeseerin kennenzulernen ist nichts Ungewöhnliches. Vorausgesetzt, man befindet sich im Landkreis Oldenburg. Besonders wird der Moment des Kennenlernens erst dann, wenn man sich auf einem anderen Kontinent befindet. So geschehen bei Susanne Even: Die 51-jährige gebürtige Wildeshauserin lernte Freundin Elke, die in South Dakota wohnt, vor zwei Jahren bei einem Fortbildungsseminar in Chicago kennen. Dies ist eine von mehreren Geschichten, die Susanne Even zu erzählen hat: Sie lebt seit 19 Jahren in den USA. Den Bezug zur Heimat hat sie nie verloren.

„Elke macht hervorragenden Butterkuchen und Bienenstich“, schwärmt Even, die seit 2006 in Bloomington in Indiana lebt, mittlerweile mit ihrem Mann.

In den USA gebe es diese Kuchen nicht, ebenso wenig wie leckeres Haselnusseis. „Hier gibt es stattdessen mehr Walnusseis.“ Der Liebe wegen ist sie 2000 nach Massachusetts gezogen. Den amerikanischen Musiker, mit dem sie damals zusammen war, hatte sie während eines Auslandsjahrs in Irland kennengelernt.

„Wenig geplant“

Eines Tages in die USA auszuwandern, sei nicht geplant gewesen. „Ich hatte eigentlich vor, Gymnasiallehrerin zu werden“, sagt Even, die ihr erstes Staatsexamen in Deutsch und Englisch an der Universität Oldenburg gemacht hat. „Ich habe wenig im Leben geplant.“

Fest im Plan sind hingegen die Treffen mit ihrer Familie: Einmal im Jahr sieht sie ihre drei Brüder in Wildeshausen. Zum Gildefest treffen sich die Geschwister aber nicht. Der Reiz sei nicht mehr da, das Fest zu besuchen, sagt Even.

Neben dem Reisen sowie E-Mails und Whats-App-Nachrichten mit Freunden hält die gebürtige Wildeshauserin durch Zeitungen den Bezug zur Heimat aufrecht. „Ich lese morgens NWZonline, gelegentlich Artikel aus der TAZ, der Süddeutschen und der Zeit.“ Erst vor gut zwei Wochen hat sie der Oldenburger NWZ-Stadtredaktion einen Leserbrief geschickt. Sie bezog sich darin auf einen Bericht, der beschreibt, warum Busse oft keine E-Scooter mitnehmen dürfen. Ein Thema, das Even besonders aufregt: Wegen ihrer MS-Erkrankung ist sie zum Teil selbst auf Rollator und E-Scooter angewiesen. „Da hat die USA einen großen Vorsprung“, sagt sie.

In ihrer neuen Heimat gebe es deutlich mehr Barrierefreiheit. „Und das in einem Land, in dem sich der Präsident über Menschen mit Behinderung lustig macht.“ Dass im Gegensatz zu Deutschland in den USA alle der Allgemeinheit zugänglichen Plätze wie Museen, Büros, Kirchen, Kinos und öffentliche Verkehrsmittel barrierefrei sind, geht auf das US-amerikanische Bundesgesetz „Americans with Disabilities Act“ von 1990 zurück. Mehrmals im Jahr fliegt Even in dem Rahmen zu Konferenzen, „und zwar mit dem Scooter, das ist alles völlig unproblematisch“. Im Oktober ging es zum Beispiel nach New Mexico.

Dass es allgemein weniger Regeln in Amerika gibt, findet Even einerseits gut. Andererseits: „In Deutschland ist es verlässlicher“, sagt sie und ergänzt: „In jedem Land gibt es merkwürdige Gesetze.“ In den USA dürfen Eltern beispielsweise ihre Kinder nennen, wie sie wollen. So weiß Even aus ihrem Umfeld, dass Vater und Mutter die Tochter Plazenta genannt haben.

Deutsche viel direkter

Gesprächsthemen sind aber nicht solche Gesetze, sondern eher Präsident Donald Trump. Es werde viel über ihn diskutiert, sagt Even. Sie arbeitet als Professorin im Department of Germanic Studies an der Indiana University. Dort stellt sie fest: Die meisten Studenten sind gegen Trump. Bloomington ist links – im Gegensatz zum größtenteils republikanischen Staat. Von ihren Studenten weiß Even auch, was sie an Deutschland besonders faszinierend finden: „Sie sind davon beeindruckt, dass es auf der Autobahn kein Tempolimit gibt.“ Zudem fiele den Studenten auf, dass Deutsche nicht besonders nationalistisch und viel direkter seien.

Wenn Susanne Even das nächste Mal nach Deutschland kommt, freut sie sich auf ihre Freunde, auf italienische Eisdielen, Fußgängerzonen, das Draußensitzen vor Cafés und Kneipen sowie Schreibwarenläden. Wenn es zurück nach Indiana geht, freut sie sich auf ihr barrierefreies Haus. Auf ein Glas Wein auf der Veranda, auf die Weite des Landes und Countrymusik im Radio. Auch auf die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen freut sie sich. Und vermutlich auch, sich in die Mediathek von ARD und ZDF zu klicken. Denn auch dieses Stück Heimat behält Even: „Tatort ist weiterhin selbstverständlich.“

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
Rufen Sie mich an:
04431 9988 2708
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.