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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Diese Rolle spielte die Polizei im NS-Staat

14.02.2019

Wildeshausen Wie wurde die Polizei im Oldenburger Land vom nationalsozialistischen Staat vereinnahmt und instrumentalisiert? Fragen, denen Referent Peter Heinken im letzten Vortrag dieses Winters in der Reihe „Geschichte im Rathaus“ des Bürger- und Geschichtsvereins Wildeshausen am Dienstagabend im historischen Rathaus nachgegangen ist. Heinken hatte als Autor an der Ortschronik Wildeshausen von 1999 mitgewirkt.

Ausstellung in 2017

In seinem gut einstündigen Vortrag „Ordnung und Terror – Die oldenburgische Polizei im NS-Staat“ fehlten auch nicht Fallbeispiele aus Wildeshausen, soweit sie verifiziert werden konnten. Zum Ende der Nazi-Herrschaft wurden viele Dokumente augenscheinlich vernichtet, wie Heinken berichtete, was seine Arbeit damit nicht leichter gemacht hätte. „Mein Vortrag steht in Verbindung mit einer Ausstellung über die Polizei im NS-Staat, die im Herbst 2017 unter dem Titel ,Ordnung und Vernichtung’ im Kreishaus gezeigt wurde.“ Damals sei gewünscht worden, die Hauptinhalte der Ausstellung mit Beispielen aus der Region zu konkretisieren.

Neuausrichtung im März

Unter dieser Prämisse entstand der Vortrag, der sich im Hauptteil damit beschäftigt, wie Ordnungspolizei, Geheime Staatspolizei und Kriminalpolizei ein zuverlässiger Teil des nationalsozialistischen Herrschaftssystems wurden. Zweiter Schwerpunkt ist die Erläuterung der beiden Zwangsmittel wie die „Schutzhaft“ durch die Gestapo und „Vorbeugungshaft“ als Zwangsmittel der Kriminalpolizei. Im Schlusskapitel beschäftigt sich Heinken mit der Verantwortung und der Mitschuld der Polizei, besonders zweier Polizeioffiziere, an den nationalsozialistischen Verbrechen.

Eingangs schilderte er die politisch-ideologische Neuausrichtung der Polizei. Sie zeigte sich am 12. März 1933 auf dem Oldenburger Pferdemarkt: Wie Heinken recherchierte, hatten sich am Heldengedenktag eine Vierhundertschaft der Ordnungspolizei gemeinsam mit SA und SS, der Hitlerjugend und des Stahlhelms formiert. Zum Abschluss wurde die Hakenkreuzfahne gehisst. Änderungen kamen nun rasend schnell. Auch die Verfügung des Innenministeriums mit der Aufforderung zum Gebrauch der Schusswaffen, „um dem Treiben staatsfeindlicher Organisationen mit den schärfsten Mitteln entgegenzutreten“, wie es darin hieß.

Zum Pogrom 1938 in Wildeshausen erläuterte Heinken, dass die Zerstörung der jüdischen Synagoge in Wildeshausen erst am Vormittag des 10. Novembers 1938, also am helllichten Tag, begann. Geplant war von dem SA-Sturmbandführer Buchholz aus Oldenburg, die Synagoge abzubrennen. Aber alle Versuche des Feuerlegens scheiterten, weil die Polizisten der Wildeshauser Gendarmerie wohl gemeinsam mit einem SA-Mann löschten. Grund: die Gefahr des Übergreifens der Flammen auf angrenzende Gebäude. Am späten Nachmittag wurde der Giebel mit Hilfe eines Traktors eingerissen.

In einem weiteren Beispiel beschrieb Heinken das Vorgehen der Gendarmerie gegen Zwangsarbeiter. Als erstes waren Polen zur Zwangsarbeit verpflichtet worden. Ihnen gegenüber sollte die Polizei mit aller Härte vorgehen, was in der Praxis aber frei ausgelegt wurde. Im Bericht eines Gendarmen aus Ganderkesee, den Heinken vortrug, hörte sich das so an: „Anfangs versuchten die im hiesigen Bezirk untergebrachten polnischen Landarbeiter und Landarbeiterinnen auch, sich sonntags im Freien zu versammeln. Hiergegen ist sofort schärfstens eingeschritten worden, wobei ein besorgter Gummiknüppel vorzügliche Dienste geleistet hat.“

Den Terror der Gestapo sieht Heinken dagegen „in der Außerkraftsetzung staatlicher Normen, was sich im Instrument der Schutzhaft und brutaler heimtückischer Verhörmethoden äußerte“. Außerdem bedrängte die Gestapo mit ihren Berichten mit aller Macht den Wildeshauser Pastor Heinrich August Töllner. In der oldenburgischen Landeskirche stand dahinter die Spaltung zwischen Deutschen Christen und Anhängern der Bekennenden Kirche: Töllner ließ keinen Zweifel an seiner Einstellung zu letzterer Ausrichtung und stieß auf Widerstand. Schikanen und Terror waren für ihn die Folge.

Geprägt von Gewalt

Auch die Kriminalpolizei war eine politische Institution. Ihr Handeln war geprägt durch ein Konzept „rassistischer Gewaltprävention“ der sogenannten „vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“.

Am Ende zeigte Heinken die Verantwortung und Mitschuld der oldenburgischen Polizeioffiziere Dr. Heinrich Lankenau (1933-1935) und Bruno Müller (1935-1937) auf.

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