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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Sie gehen mit gutem Beispiel voran

08.01.2020

Wildeshausen /Landkreis In den Gemeinde- und Stadträten des Landkreises Oldenburg ist man noch weit davon entfernt, in der finnischen Regierung ist es nichts Ungewöhnliches: Fast die Hälfte der Mitglieder ist weiblich. Den höchsten Frauenanteil hat der Gemeinderat in Dötlingen mit rund 36,5 Prozent, den niedrigsten der Samtgemeinderat Harpstedt mit fast 15 Prozent. Wildeshausen kommt auf rund 21 Prozent. Anders im finnischen Parlament: Dort sind 47 Prozent der Abgeordneten weiblich. Sanna Marin ist mit 34 Jahren die jüngste Regierungschefin der Welt. Wäre diese Entwicklung im Landkreis denkbar?

„Ich bin 1991 mit 37 Jahren in die FDP eingetreten“, sagt die heute 64-Jährige. Seit über 20 Jahren ist Marion Daniel im Gemeinderat Ganderkesee und seit acht Jahren im Kreistag, in beiden Gremien als FDP-Fraktionsvorsitzende. Die Politikerin hat festgestellt, dass politisch aktiv sein nicht familienfreundlich sei: „Die Sitzungen beginnen überwiegend in den frühen Abendstunden und ziehen sich leicht über mehrere Stunden hin.“ Damit das kommunalpolitische Engagement attraktiver wird, müsse vorrangig über andere Sitzungszeiten nachgedacht werden. Sie habe auch den Eindruck, „dass Frauen ,besser’ sein müssen als Männer, um das gleiche zu erreichen.“ Daniel weiter: „In unserem Ortsverband ist meine Nachfolgerin eine Frau. Im FDP-Kreisverband ist die Vorsitzende ebenfalls eine Frau und wir sind mit zwei weiblichen Stellvertreterinnen auch hier gut aufgestellt.“ Sie ist der Meinung, dass Frauen andere Blickwinkel als Männer auf manche Themen haben.

Elke Szepansaki

Die Grünen-Politikerin hofft, dass deutschlandweit und auf Kommunalebene nachgezogen wird: „Das Mentoringprogramm ,Frauen Macht Demokratie’, bei dem erfahrene Mandatsträgerinnen und -träger – ich beteilige mich auch an dem Programm – interessierte Frauen an die Politik heranführen, ist ein erster kleiner Schritt.“ Die 61-jährige Elke Szepanski wurde mit 58 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Ab Mitte 30 hatte sie „herausragende Stellungen im Berufsleben“, zuletzt bis 2014 als Bürgermeisterin der Gemeinde Hatten. Die Kreistagsabgeordnete ist unter anderem stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen Oldenburg-Land. Gerade in der Kommunalpolitik müsse man mehr denn je vermitteln, dass Frau durch ein Mandat direkte Einflussmöglichkeiten auf ihre Lebensqualität vor Ort habe, findet sie. Ihre Partei bemühe sich, verstärkt junge Menschen zu gewinnen. Als Beispiel für die „Frauenförderung“ nennt sie unter anderem Ricarda Lang (25): Sie wurde bei der Bundesdelegiertenkonferenz zur stellvertretenden Vorsitzenden des Bundesvorstandes und frauenpolitischen Sprecherin gewählt.

Es sei gang und gäbe, dass höhere Positionen bevorzugt mit Männern besetzt würden: Dieser Auffassung ist die stellvertretende Vorsitzende der Jusos Weser-Ems Kimberly Knaupe. Seit 2016 ist die 23-jährige Ganderkeseerin Mitglied der SPD. Sie sieht im Finnland-Beispiel eine Chance: „Ich hoffe, dass gerade die Ernennung einer so jungen Frau andere junge Frauen auf der ganzen Welt ermutigt.“ Sie denkt, dass das Bewusstsein für den Feminismus zugenommen habe. „Durch die #metoo-Debatte zum Beispiel ist das Thema viel präsenter als bei Merkels Amtsantritt. Als SPD arbeiten wir schon seit längerem daran, mehr Frauen in Parlamente und Räte zu bringen“.

Anke Spille

„Es hat schon immer starke Frauen in der Politik gegeben, die auch erfolgreich ihre Staaten geführt haben, zum Beispiel Indira Ghandi, Golda Meir und Margret Thatcher“, sagt die 65-jährige CDU-Politikerin. Mit 31 Jahren trat Anke Spille in die CDU ein, seit über 20 Jahren ist sie für die Partei im Dötlinger Rat und seit 18 Jahren stellvertretende Bürgermeisterin. „Unser Ratsmitglied Beate Wilke ist Vorsitzende des Dötlinger CDU-Gemeindeverbandes und Ratsvorsitzende des Dötlinger Rates. Ratsmitglied Annemarie Glowienka, seit 2012 stellvertretende MIT-Kreisvorsitzende, seit 2013 Kreisvorsitzende der Frauen-Union Oldenburg-Land, ist im Kreistag und hatte 2017 für den Landtag kandidiert.“ Ditte Höfel (38) ist die jüngste Frau im Dötlinger Rat. Bei der nächsten Sitzung des Gemeinderates soll sie als Fraktionsvorsitzende bestätigt werden. Junge Nachfolgerinnen wie sie ließen sich laut Spille durchaus für Ratsarbeit gewinnen – vor allem mit Themen, die sie ansprechen. Die Politikerin hebt dabei Listen von Bundestag-, Landtag- und Kommunalwahlen hervor: „Oft genug fallen Frauen, auch wirklich sehr gute, auf die hinteren Plätze, weil Männer sich die besseren Chancen ausrechnen.“

„Die Anzahl der Frauen hat sich ja auch hierzulande im Vergleich zu vorhergehenden Jahrzehnten immerhin schon erhöht“, stellt die Linken-Politikerin fest. Die 53-Jährige trat mit 38 in ihre Partei ein. Von 2008 bis 2013 war sie Mitglied im Landtag, zudem ist die Vorsitzende ihrer Kreistagsfraktion. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht sie nicht als Vorbild für Frauen in der Politik: „Sie ist eine Machtpolitikerin par excellence und viele Frauen finden genau diese Machtmechanismen eher abschreckend.“ Eher sieht sie Sanna Marin als Vorbild. „Sie schlägt vor, dass alle nur noch vier Tage pro Woche arbeiten, jeweils sechs Stunden, damit die Menschen mehr Zeit für Familie, Hobbys und anderes haben.“ Flauger ist der Meinung, dass sich junge Frauen am besten für Politik gewinnen lassen, wenn man ihnen klar mache, „dass all die ach so tollen Männer auch nur mit Wasser kochen. Frauen trauen sich oft viel zu wenig zu.“ Und auch sie findet: Politik- und Parteileben müsse familienfreundlicher werden.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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