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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Einer, der nicht aufhört, zu warnen

15.11.2019

Wildeshausen Ob man denn noch ein Foto machen dürfe? „Ja sicher“, sagt Ralf Beduhn nach dem Gespräch mit unserer Zeitung, „die Nazis kennen mich sowieso. Ich stehe auch auf deren Feindeslisten.“ Der Wildeshauser engagiert sich seit Jahren gegen rechte Hetze, in der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) leitet er die Arbeitsgruppe „Courage gegen Rechts“, für die Zeitschrift der GEW schreibt er regelmäßig Fachartikel über die rechtsextreme Szene in Deutschland – und die AfD. Am Montag, 18. November, 19 Uhr, spricht er im Hotel Wildeshauser Hof, Im Hagen 3 in Wildeshausen, über die umweltpolitischen Thesen der AfD. Titel des Vortrags: „Prima Klima? Die Volksverdummung der AfD zum Thema Klimawandel. Fakten und Hintergründe.“

Beduhn, 1951 in Stade geboren, aufgewachsen in Hamburg, seit 1992 in Wildeshausen, ist pensionierter Lehrer, unter anderem für Geschichte. In seiner ehemaligen Schule, der KGS Leeste (Weyhe), gründete er vor 30 Jahren eine antifaschistische Arbeitsgruppe. Er beschäftigt sich seit der Gründung der „Alternative für Deutschland“, also seit 2013, mit der Partei, hat sich intensiv mit deren Programm auseinandergesetzt. Für ihn steht die Abkürzung „AfD“ allerdings für „Agentur für Desinformation“. In seinem Vortrag thematisiert er die Haltung der AfD zum menschengemachten Klimawandel: Die Partei bestreite, dass es diesen gibt, spreche stattdessen von „politisch motivierter Panikmache“. Dabei seien sich Wissenschaftler weltweit fast einig, dass Menschen entscheidend zum Klimawandeln beitragen.

„Volksverdummung“

„An den umweltpolitischen Thesen sieht man, dass die AfD zur Volksverdummung beiträgt“, sagt Beduhn. Und nicht nur das: Die AfD ist laut Beduhn eng verbunden mit dem „Europäischen Institut für Klima und Energie“. Diese und andere klimakritische Organisationen profitieren laut Beduhn vom Sponsoring durch beispielsweise Erdgas- und Erdölunternehmen. „Glauben die AfD-Leute den Blödsinn, den sie zum Klimawandel verbreiten, tatsächlich oder verzapfen sie das, weil sie Geld dafür kriegen?“, fragt sich Beduhn.

Er hält oft Vorträge über die AfD und spricht dabei auch über deren Sozial- und Steuerprogramm, an dem man sehe, dass die Partei „eindeutig die Superreichen bevorzugt“. Und er spricht über den Rechtsruck, in der Partei und in Deutschland.

Organisiert wird die Veranstaltung am Montag vom Bündnis „So.Wi.WIR – solidarisches Wildeshausen WIR“, das sich Anfang 2018 gegründet hat. Bereits im Mai sprach Beduhn auf einer Veranstaltung von So.Wi.WIR über die AfD. Damals ging es um deren rechten Rand und die Gefahren, die davon ausgehen. Beduhn wünscht sich, dass dieses Bündnis in Wildeshausen mehr Anklang findet.

„Das ist schade. Wir erleben einen massiven Rechtsruck in Deutschland. Ich habe den Eindruck, darum kümmert sich vor Ort kaum jemand“, sagt er. Zwar sei die AfD in Wildeshausen bisher kaum in Erscheinung getreten. Dennoch sei es erschreckend, wie viele Stimmen sie hier erhalte: 9,5 Prozent etwa bei den EU-Wahlen im Mai. „Man muss präventiv arbeiten gegen Hassparolen. Nicht erst, wenn etwas passiert ist“, sagt Beduhn und nennt als Beispiel den rechtsradikalen Angriff auf eine Synagoge in Halle Anfang Oktober. Er würde sich freuen, wenn in Wildeshausen „noch mehr Menschen aufwachen würden“.

Gegen Hetze

2012 war Beduhn aufgrund von Dissonanzen von dem damaligen Arbeitskreis des Präventionsrates „Bunt statt Braun“ ausgeschlossen worden. Nun hofft er, dass es zwischen „So.Wi.WIR“ und dem Arbeitskreis für Demokratie und Toleranz eine Kooperation gibt. Es gehe ja schlicht darum, junge und alte Menschen zusammenzubringen und Flagge zu zeigen – für Toleranz, gegen rechte Hetze.

Er werde dies sein Leben lang tun. „Das geht gar nicht anders“, sagt er. Als Geschichtslehrer habe er über die Zeit der Nazi-Diktatur unterrichtet: „Man kann diese ungeheuren, zynischen Taten gar nicht in Worte fassen. Das darf es nie wieder geben.“ Und doch sorgt er sich: AfD-Spitzenleute wie Björn Höcke oder Alexander Gauland bedienten sich oft ähnlicher Propaganda wie der von damals. „Das ist bizarr und skandalös, geistig unterirdisch, dass solche Typen die Geschichte umschreiben und sich zynisch über diese Gräueltaten hinwegsetzen.“ Gleichzeitig, sagt Beduhn, diffamierten sie Menschen wie ihn als linksextremistisch.  „So.Wi.WIR“ trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Monat, 18 Uhr, im Gesellschaftsraum des Deutsch-Irakischen Freundeskreises, Kleine Straße 12. Interessierte sind willkommen.

Nathalie Meng Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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