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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Politik

Gewalt Gegen Frauen: Wohin gehen, wenn gar nichts mehr geht?

25.11.2016

Wildeshausen Am diesem Freitag, 25. November, ist der Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Häusliche Gewalt ist auch im Landkreis Oldenburg ein Thema. Betroffene aus der Region kommen, wenn gar nichts mehr geht, im Frauenhaus Wildeshausen unter. Jede Frau, die hier Hilfe sucht, hat ein individuelles Schicksal. Entsprechend vielfältig fällt die Bilanz aus, die Leiterin Karin Kohorst-Thölke nach zehn Jahren im Amt zieht.

„Letztens rief mich eine Frau an und sagte: ,Ich bin unterwegs mit meinen Kindern, sitze schon im Auto und habe alles gepackt’“, erzählt die Sozialpädagogin. Doch was soll sie einer Frau sagen, wenn das Frauenhaus in Wildeshausen schon vollbelegt ist? In solchen Fällen, die Kohorst-Thölke dieses Jahr schon vielfach hatte, telefoniert sie die umliegenden Frauenhäuser ab und verweist manch Hilfesuchende bis nach Aurich.

Mittlerweile sei es für die Frauen einfacher als früher, ihren gewalttätigen Partner zu verlassen. Zugleich nehme die häusliche Gewalt jedoch zu. Würgen, massive Schläge, Vergewaltigung. „Einige Frauen berichten, dass die körperliche Gewalt gar nicht so schlimm ist. Sie haben viel mehr Angst davor, dass der Partner ihren Eltern oder den Kindern etwas antut“, sagt die Expertin. Dem Mann tue sein Verhalten häufig schnell leid und die Frauen würden dann auch oftmals verzeihen und bei ihm bleiben. Warum? „Weil der Wunsch nach einer heilen Familie so groß ist“, weiß Kohorst-Thölke zu berichten.

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Schutzraum

Wo sich das Frauenhaus in Wildeshausen befindet, ist geheim. Ebenso wenig wie Kohorst-Thölke die Adresse preisgibt, möchte sie, dass eine der Frauen ihre Geschichte der Presse erzählt. Als eine Betroffene das vor Jahren tat, standen kurz darauf standen unzählige Familienmitglieder vorm Frauenhaus. Die Betroffene war dann nicht mehr sicher.

Darum erzählt Kohorst-Thölke lieber anonym die beispielhafte Geschichte einer Hilfesuchenden. Als diese eines Abends später nach Hause kam und kein Abendbrot bereitstand, habe ihr Mann sie als Schlampe beschimpft und vor den Kindern mehrfach ins Gesicht geschlagen. Eine ihrer Töchter wurde durch diesen Vorfall so verstört, dass sie verstummte. Nach einigem Ringen mit sich selbst entschloss sich die Frau zu einem Beratungsgespräch in der Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (BISS) und zog mit ihren Kindern von zuhause aus. Jetzt ist sie auf Wohnungssuche. Jedes Mal, wenn sie in die fröhlichen Augen ihrer Töchter schaue, die jetzt wieder lachen könnten, wisse sie: Es sei die richtige Entscheidung gewesen zu gehen.

Untertauchen

Zwei- bis dreimal im Jahr komme es vor, dass Frauen derart in Gefahr seien, dass sie eine komplett neue Identität bräuchten. „Das geht dann an eine Stelle, die ist wirklich total anonym. Die Frauen bekommen sofort eine neue Haarfarbe, einen anderen Haarschnitt, eine Brille und so weiter. Es findet eben eine komplette Typveränderung statt“, berichtet die Leiterin des Frauenhauses.

Auch wenn die Frauen direkt im Frauenhaus sicher seien, könnten sie meist nicht vor die Tür treten, ohne entdeckt zu werden. Meistens handele es sich hierbei um Frauen mit Migrationshintergrund, die zwangsverheiratet werden sollen.

Eines ist Kohorst-Thölke ganz wichtig, wenn sie über solche Fälle berichtet: Die Frauen, die in ihr Haus kämen, seien keine hilflosen Opfer. „Ich glaube, das ist manchmal so ein verschobenes Bild. Die Frauen sind von Gewalt betroffen oder bedroht, haben aber ganz viele Kompetenzen. Es geht sehr schnell um die Zukunftsplanung. Wo wollen sie wohnen, wie stellen sie sich ihre Zukunft vor?“, berichtet die Sozialpädagogin.

Manche Frauen blieben nur einen Tag und kehrten dann zu ihrem Partner zurück. Andere wiederum blieben bis zu zehn Wochen: Rückkehr ausgeschlossen.

Tatiana Gropius Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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