Hude/Landkreis - Seit dem letzten Jahr ist die Radwege-Novelle in Teilen des Landkreises Oldenburg, darunter die Gemeinde Hude, umgesetzt. Sie verpflichtet Radfahrer, innerorts auf Straßen zu fahren oder lediglich in Schrittgeschwindigkeit auf Gehwegen, um den Verkehr sicherer zu machen. Dass sich in Hude jedoch zahlreiche Radfahrer nicht sicher auf den Straßen fühlen, eigentlich gar nicht genau wissen, wo sie fahren dürfen und sich generell mehr Akzeptanz wünschen, das hat eine Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger im Forum der Peter-Ustinov-Schule am Dienstag gezeigt.
Sorgen und Nöte
Rund 40 Bürgerinnen und Bürger waren vor Ort, um ihre Sorgen, ihre Erfahrungen und ihre Forderungen zu äußern. Sie konnten ihre Fragen an Bürgermeister Jörg Skatulla, Ramona Dahms, Fachbereichsleitung Bürgerdienste und Soziales, Oliver Hohnholt, Leiter des Straßenverkehrsamtes des Landkreises Oldenburg, und seiner Kollegin Kathrin Schmidt, an André Hauser, Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, und an Christian Lüdke, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) Oldenburg, stellen. Auch informierte Rainer Dargel, Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV), der mit seiner Kollegin Andrea Wohlfahrt vor Ort war, in einem umfassenden Vortag über die Planungsphase der Radwege-Novelle und was sie konkret für Hude bedeutet.
Haben Bürgerinnen und Bürger informiert: Rainer Dargel, Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV, am Tisch von links), Andrea Wohlfahrt (PGV), Christian Lüdke (ADFC), Oliver Hohnholt (Landkreis Oldenburg), Kathrin Schmidt (Landkreis Oldenburg), André Hauser (Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr), Ramona Dahms (Gemeinde Hude) und Bürgermeister Jörg Skatulla (stehend).Bild: Christin Hufer
Auf der Straße sicherer?
Seit einem Jahr gilt nun, dass Radfahrer in Hude zwar den Gehweg noch befahren dürfen, Fußgänger aber absoluten Vorrang haben. Wollen sie schneller vorankommen, dann sind sie verpflichtet, die Straße zu befahren. Dieser Beschluss fußt darauf, dass statistische Erhebungen und wissenschaftliche Untersuchungen ergeben hätten, dass Unfallzahlen auf Radwegen deutlich höher seien als auf gemeinsam genutzten Fahrbahnen aller Fahrzeuge. Aufgrund des großen Verkehrsaufkommens, der schmalen Fahrbahn und der parkenden Autos am Fahrbahnrand, sei das Radfahren an der Parkstraße besonders gefährlich, erzählten die Besucherinnen und Besucher. Sie fordern deshalb Tempo 30 an der Straße. Dass es sich jedoch um eine Landesstraße handelt, die Kommune also nicht selbst über Tempolimits entscheiden kann, erklärte Skatulla.
Mehr Akzeptanz
Wirklich sicher fühle sich aber kaum ein Radfahrer in Hude, so der O-Ton. Zum einen sei einem Großteil der Autofahrer noch nicht bewusst, dass Radfahrer nun mehr auf die Straße gehören. Auch mehr Akzeptanz von Autofahrern wünschen sich Radfahrer. „Wir sind vollständige Verkehrsteilnehmer“, sagte Lüdke vom ADFC Oldenburg und traf damit die Meinung aller Anwesenden.
Auch zeigten sich einige Bürgerinnen und Bürger nicht zufrieden mit der Umsetzung der Radwege-Novelle. So kritisierten sie unter anderem die Größe und die Position der neuen Piktogramme. „Die suggerieren etwas komplett Falsches“, hagelte es Kritik. Dadurch, dass die Piktogramme zu klein und zu weit am Fahrbahnrand liegen würden, könnten Autofahrer denken, dass Radfahrer lediglich am Straßenrand fahren dürften. Dass der Idealzustand in der Umsetzung noch nicht erreicht sei, stimmte auch Hauser zu. Auch seitens des Kreises wurde eingeräumt, dass die Umsetzung ein Lernprozess sei und aktuell noch am Anfang stünde.
Öffentliche Aufmerksamkeit
Generell soll das Bewusstsein aller über die Radwege-Novelle geweckt werden, waren sich alle Beteiligten einig. Deshalb rät Dargel dazu, mehr Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Auch für die Umsetzung, damit das Radfahren in Hude sicherer wird, präsentierte er einige Maßnahmen – darunter eine virtuelle Karte auf der Homepage der Gemeinde Hude, auf der Radfahrer Mängel markieren können, eine Tempo-30-Regelung innerorts und das Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen. Auch richtete Hohnholt seinen Appell an alle Bürgerinnen und Bürger, die Politik dazu aufzufordern, sich für den Radverkehr einzusetzen.
