Wildeshausen - Wenn Hartmut Könenkamp im Fernsehen Prominente sieht, die von ihrer Schulzeit berichten und schildern, wie schlimm vor allem Mathe für sie war, ärgert er sich jedes Mal: „Das sehen auch Kinder und die denken sich dann: Der konnte nicht rechnen und ist trotzdem berühmt geworden.“ Genau die falsche Botschaft, findet der Rentner aus Wildeshausen. Seine dagegen lautet: „Mathe macht Spaß!“
Kein Pädagoge
Diese Credo vermittelt Könenkamp seit einem Jahr Erst- und Zweitklässlern der St.-Peter-Schule in Wildeshausen – und das sehr erfolgreich. Der 78-Jährige engagiert sich als ehrenamtlicher Rechenpate an der Grundschule, er bringt Kindern, die im Mathematikunterricht hinterherhinken, das kleine und große Einmaleins und die Grundrechenarten bei. „Ich hole die Schüler dort ab, wo sie sind und was sie können“, sagt er. Könenkamp ist kein Pädagoge und auch kein studierter Mathematiker. Er hat aber in seinem Berufsleben als Selbständiger Produktschulungen geleitet und weiß, wie er anderen Menschen Wissen vermitteln kann.
In Schulen gebe es einen großen Bedarf an ehrenamtlicher Mithilfe, sagt Thorben Kienert von der Freiwilligenagentur „Misch mit“ in Wildeshausen. Eine pädagogische Vorbildung sei in vielen Fällen nicht notwendig – „hilfreich ist Lebenserfahrung und wichtig vor allem ein echtes Interesse an dem Thema“, so Kienert. Wer sich in diesem Bereich engagieren möchte, erreicht die Freiwilligenagentur unter Tel. 04431/7483475 oder per Mail an info@mischmit.org.
Und er beschäftigt sich in seiner Freizeit schon lange mit mathematischen Fragen, unter anderem schreibt er Computerprogramme. „Beim Programmieren muss ich von Anfang an wissen, welches Ergebnis ich haben will“, erklärt er. Genauso gehe er mit den Kindern an die Rechenaufgaben heran: „Wir fragen uns immer zuerst: Was muss herauskommen?“
Schulleiterin Elena Lietzmann ist froh, dass es die ehrenamtlichen Rechen- und Lesepaten an ihrer Schule gibt. Das entlastet das Kollegium ein bisschen, insbesondere im Unterricht mit Förderschülern. Denn Inklusion findet zwar statt an den Grundschulen, Sonderpädagogen sind aber längst nicht überall im Einsatz. An der St.-Peter-Schule seit Jahren nicht, wie Lietzmann sagt. Und gerade im Rechnen gebe es in den ersten und zweiten Klassen generell große Defizite: „Die Kinder bringen nicht mehr so viel mit wie früher, wenn sie in die Schule kommen“, sagt Lietzmann. Umso wichtiger sei die ehrenamtliche Unterstützung.
Soziales Netz
Könenkamp und seine Frau sind 2019 von Bassum nach Wildeshausen umgezogen. Schon bald hatten sie das Bedürfnis, sich n der neuen Heimat zu engagieren. „Das ist typisch für Neubürger“, weiß Thorben Kienert. „Auf diese Weise finden sie schnell Anschluss und knüpfen ein soziales Netz.“ Kienert vermittelte Könenkamp an die St.-Peter-Schule, seine Frau leistet Bewohnern im Alexanderstift Gesellschaft beim Klönen und Spielen. Beide schwärmen von ihrem Ehrenamt. „Ich freue mich jeden Dienstag auf die Kinder“, sagt Könenkamp, der einmal pro Woche, immer dienstags, eine Kleingruppe unterrichtet. „Und danach gehe ich mit Freude nach Hause, denn ich habe einen erfüllten Tag gehabt.“
