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Repaircafé Kirchhatten Wie Tüftler im Repaircafé auch alte Geräte retten - Ein Besuch

Claus Föste (rechts) beim Versuch, eine alte Bosch-Küchenmaschine wieder zum Laufen zu bringen. Blick auf die lange Werkbank: Werkzeug, Messgeräte und Ersatzmaterial so weit das Auge reicht.

Claus Föste (rechts) beim Versuch, eine alte Bosch-Küchenmaschine wieder zum Laufen zu bringen. Blick auf die lange Werkbank: Werkzeug, Messgeräte und Ersatzmaterial so weit das Auge reicht.

Fademrecht

Kirchhatten - Ausgerechnet wenige Wochen vor der Adventszeit gibt die gute, alte Küchenmaschine der Marke Bosch ihren Geist auf. Mehr als 20 Jahre lang haben ihre Knethaken dafür gesorgt, dass der Krüllkuchenteig meiner Schwiegermutter besonders geschmeidig wurde. Klar, eine neue Maschine könnte schnell im Internet bestellt werden, aber vielleicht lässt sich die alte ja noch wiederbeleben. Das ist ressourcenfreundlicher und würde auch das Einarbeiten in die Bedienung einer neuen Maschine überflüssig machen.

Zum Glück gibt es in Kirchhatten, quasi vor der Haustür, ein Repaircafé. Als ich pünktlich am späten Mittwochnachmittag am Eingang stehe, warten schon mindestens zehn Menschen vor mir. Vom kleinen Radio über einen elektrischen Handbohrer bis zum großen Outdoor-Sauger reicht die Palette der Reparaturfälle. Ein bisschen Wartezeit muss also in Kauf genommen werden, ehe einer der sieben Experten sich meines Problems annehmen kann. In Blickweite der Werkbank gibt es kostenlosen Kuchen, Tee und Kaffee – den Namen Repaircafé trägt das Angebot zurecht.

Zur Fehlersuche

Nach ein paar Minuten darf ich zu Claus Föste in die „Werkstatt“ und ihm über die Schulter schauen. Der erfahrene Elektromeister aus Wildeshausen war technischer Leiter im Krankenhaus Johanneum, ist jetzt im Ruhestand und hilft in den Reparaturcafés in Cloppenburg, Harpstedt und Hatten. Viele Geräte seien zum Wegwerfen einfach zu schade. Als Erstes überprüft er die Sicherung der Küchenmaschine und misst, ob überhaupt Strom über das Kabel zum Elektromotor fließt. „Das ist häufig eine Fehlerquelle“, sagt er. Das jahrelange Auf- und Abwickeln machten die besten Drähte irgendwann nicht mehr schadlos mit.

Repaircafé öffnet Mittwoch

Repaircafés gibt es im Landkreis Oldenburg seit Ende 2017. Start war damals in Huntlosen. Mittlerweile gibt es sie auch in Harpstedt, Hude, Ganderkesee, Großenkneten, Hatten, Wardenburg und in Wildeshausen.

In Kirchhatten öffnet das Repaircafé einmal im Monat. Nächster Termin ist der Mittwoch, 29. November, 17 Uhr, in der VHS-Wissenswerkstatt, Hauptstraße 12.

Daran liegt es in unserem Fall aber nicht, wie das Messgerät deutlich anzeigt. Also wird weiter geschraubt, die Zahl der Plastikteile und kleinen Schrauben auf dem Tisch vor uns wächst schnell. Mit einer Lampe leuchtet der Experte ins Innere des mühsam freigelegten Bürstenmotors. Deutlich sind dunkle Schmauchspuren am sogenannten Rotor zu sehen. Die Kontakte sind schwarz verbrannt, hier kann kein Strom mehr fließen. Als es der Elektromeister dennoch versucht, fliegen die Funken. Schluss. „Das ist zu gefährlich“, sagt Föste, und es klingt fast entschuldigend. Notdürftig verschraubt der Experte die Küchenmaschine wieder. Das Elektrokabel schneidet er ab, damit wirklich niemand mehr auf die Idee kommt, sie noch einmal an eine Steckdose anzuschließen.

Fall für Wertstoffhof

Statt weiter in der Küche zu arbeiten, wird sie also am nächsten Tag auf dem Wertstoffhof in Wardenburg landen. Dennoch habe ich das gute Gefühl, es wenigstens versucht zu haben. Für Kaffee, Kuchen und die Dreiviertelstunde, die Claus Föste alles gegeben hat, werfe ich gerne freiwillig einen Zehner in die Spendenbox.

Ich werde also doch ein neues Gerät als Ersatz kaufen müssen. Damit befinde ich in der Minderheit. Mehr als die Hälfte aller Reparaturversuche verlaufen laut Statistik des Landkreises Oldenburg aus der dreijährigen Startphase des Projektes „Mach mit beim Klimaschutz“ erfolgreich. Die Zahl der gesamten Reparaturversuche lag zuletzt bei etwa 1000 – Tendenz steigend.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten
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