RODENKIRCHEN/LANDKREIS - Wer wird CDU-Bundestagskandidat im Wahlkreis 29 (Wesermarsch, Landkreis Oldenburg, Delmenhorst)? Die Ahlhorner Unternehmerin Astrid Grotelüschen und der Wildeshauser Rechtsanwalt Dr. Volker Pickart stellten sich mit jeweils 15-minütigen Reden den CDU-Mitgliedern in der Wesermarsch vor. Der Schlussbeifall fiel für die 43 Jahre alte Ahlhornerin kräftiger aus als für den 36-jährigen Juristen aus Wildeshausen. Etwa 70 von 820 CDU-Mitgliedern in der Wesermarsch informierten sich in Albrechts Hotel in Rodenkirchen.

Der mit einem Traumergebnis wieder gewählte CDU-Kreisvorsitzende Björn Thümler wollte öffentlich nicht sagen, ob er für Grotelüschen oder Pickart ist. Vize-Kreisvorsitzende Mathilde Ehlers dagegen gab gegenüber der NWZ ein klares Votum der Frauen-Union für Grotelüschen ab.

Drei zufällig befragte CDU-Mitglieder wünschten sich die Ahlhornerin als CDU-Bundestagskandidatin. Sie gefalle gut als Frau und vertrete gute politische Inhalte, sagte Renate Thümler, Hausfrau aus Berne. Jürgen Barre, selbstständiger Handwerksmeister aus Jaderberg: „Frau Grotelüschen ist natürlicher, geht mehr auf die Leute zu. Volker Pickart hat mehr geschwafelt.“ Cord von Runnen, Landwirt aus Oldenbrok: „Astrid Grotelüschen weiß, was in der Praxis abläuft. Ihr traue ich stärker zu, Bürokratie-Hemmnisse abzubauen.“

Die Entscheidung, wer für die CDU als Wahlkeiskandidat antritt, trifft eine Mitgliederversammlung der Kreisverbände Delmenhorst, Oldenburg-Land und Wesermarsch am 19. September in Stenum. Jedes der fast 2200 CDU-Mitglieder kann also mitentscheiden. Die Serie der Vorstellungsrunden an der Basis endete am Montagabend mit einem Auftritt vor dem CDU-Gemeindeverband Ganderkesee im „Schwarzen Ross“ in Bookholzberg.

In Rodenkirchen kritisierte Grotelüschen, Mutter von drei Söhnen, eine „träge Politik, die am Menschen vorbeigeht“. Zugleich wandte sie sich gegen zunehmende egoistische Vorstellungen: „Wir müssen mehr auf andere Menschen zugehen.“ Arbeit müsse sich lohnen, der Mittelstand gestärkt werden.

Volker Pickart erinnerte in Rodenkirchen an die Stimmenzuwächse der CDU im Wahlkreis mit ihm als Kandidaten bei der Bundestagswahl vor drei Jahren. Der mit Abstand höchste Zuwachs der CDU in allen Wahlkreisen Niedersachsens sei hier erzielt worden. „Das ist nicht mein Verdienst, das ist das Verdienst aller.“ Der 36 Jahre alte Rechtsanwalt und Vater eines zwei Jahre alten Sohnes trat in Rodenkirchen dafür ein, die soziale Marktwirtschaft Ludwig Erhards als den „Markenkern“ der CDU herauszustellen. Er plädierte für eine auf Eigenverantwortung und Freiheit aufgebaute Wirtschaftsordnung und sagte: „Ich bekenne mich dazu: Ich bin ein Konservativer.“ Am Freitag fällt die Entscheidung.