Wildeshausen - Als Wildeshauser Kind ist Roman Pertl am Samstagabend auf seine ehemalige Bühne zurückgekehrt. „Hier haben wir ganze Wochenenden verbracht“, erzählte der Theaterschauspieler, der zum Ensemble des ITZ (Institut für theatrale Zukunftsforschung im Zimmertheater) in Tübingen gehört, von seinen Anfängen im Schülertheater. Zu der im Forum des Gymnasiums Wildeshausen angebotenen Aufführung begrüßte der Kulturkreis Wildeshausen 75 Gäste.
In einer neuen Inszenierung spielte Pertl das Stück „Judas“ von der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans. Judas ging als Verräter von Jesus Christus in die Geschichte ein. Auf der Bühne stellte der abtrünnige Apostel seine Sicht auf die Ereignisse dar. In der Nachbesprechung stellten sich die Regisseurin Magz Barrawasser und der Schauspieler Roman Pertl den Fragen der Zuschauer. Beide kennen sich bereits seit rund sieben Jahren und haben bisher zwei Inszenierungen zusammen erarbeitet.
Tief in Gefühlswelt
„Häufig wird das Werk in Kirchen aufgeführt, wobei dort langsam gesprochen wird. Das ist nicht meine Stärke“, meinte Pertl ganz selbstkritisch. Daraufhin inszenierten Barrawasser und Pertl das Stück neu für das Staatstheater Augsburg. Wegen der Corona-Pandemie wurde „Judas“ sogar in einer digitalen Form für VR-Brillen umgesetzt. Ein Gast wollte wissen, welche Motivation hinter der Auswahl steckte: „Das Stück schafft einen großen und tiefen Bogen in die Emotionen und Gefühlswelt der Menschen“, spürte Roman Pertl bei seinen Auftritten. Zu „Judas“ hätten alle eine Meinung: „Ich konnte hier sehr gut beobachten, wie Menschen Geschichten erzählen“, so der Schauspieler.
Auch die Regisseurin stellte ihre Motivation dar: „Inhaltlich konnte ich gut andocken, da ich katholisch aufgewachsen bin“. Und weiterhin meinte sie: „Der Text hinterfragt gut, der Text macht es uns nicht einfach“. Die Besucher wollten von Pertl wissen, wie er sich auf die starken emotionalen Darstellungen eingestellt hat. „Auch wenn es sich esoterisch anhört: Es muss sich gut anfühlen“, sagte er und ergänzte: „Ich weiß nicht, welche Knöpfe ich drücken muss, es passiert einfach“.
Stolz auf Künstler
Die Gäste im Forum des Gymnasiums Wildeshausen waren von der emotionalen Tiefe der Aufführung sehr berührt: „Die direkten Fragen von ‘Judas’ an das Publikum werden mich noch lange beschäftigen“, zeigte sich eine Zuschauerin sichtlich nachdenklich. „Die Kleinstadt Wildeshausen kann stolz auf ihre Künstler sein“, machte Kulturkreis-Schriftführer Gerhard Lange deutlich.
Mit dem nächsten Programmpunkt im Februar schließt der Kulturkreis seinen Veranstaltungszyklus „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ab. Am Samstag, 18. Februar, um 20 Uhr spielt das weltweit bekannte Bennewitz Quartett Werke jüdischer Komponisten. Die Musiker sind unter anderem regelmäßig in der Elbphilharmonie Hamburg zu Gast.
