Sandkrug - Springmesser, Schlagring, eine Machete, mehrere Pistolen und eine Katapultschleuder: Das sind die wenigen Dinge, die die Sandkruger Feuerwehr am Dienstag aus einer brennenden Wohnung an der Bahnhofstraße 38 gerettet hat. Hier, in dem großen Haus, das in zweiter Reihe steht, wohnen viele Parteien. Neun Briefkästen hängen an einer Wand neben der langen Auffahrt.
„Alles nur Deko“
Die NWZ-Redaktion trifft den Mieter der Wohnung am Mittwoch gegen Mittag an. Er kommt gerade von der Suche nach einem neuen Dach über dem Kopf. Schirmmütze, beide Arme tätowiert, etwa 40 Jahre alt. „Ich weiß genau, was die Leute jetzt reden“, sagt er. „Für die bin ich der merkwürdige Waffennarr.“
Seit anderthalb Jahren wohnt er nach eigenen Angaben an der Bahnhofstraße in Sandkrug. „Eine kleine Wohnung, aber meine.“ Dass sich zurzeit alles vermeintlich nur um seine Waffensammlung dreht, kann er nicht verstehen. Er zeigt auf ein Foto auf seinem Handy. „Das sind alles nur Luftgewehre und Luftpistolen.“ Und ja, er habe eine Machete und andere Waffen besessen. Aber „nur als Deko, ich laufe damit nicht durch die Gegend. Ich habe einen 50-Stunden-Job und gar keine Zeit dafür.“ Seine Waffen bekomme er bestimmt schon bald wieder, wirkt er im Gespräch sicher. Viel schlimmer sei, dass nicht nur er, sondern auch seine beiden älteren Vermieter durch den Brand nicht mehr ihre Wohnung betreten könnten, meint er.
Nein, von den Waffen in der Wohnung seines Mieters habe er nichts gewusst, sagt dieser der NWZ. Er sitzt draußen vor einem Wohnwagen, der auf der Auffahrt parkt. Zwei Hunde bellen laut, wenn sich jemand dem Tor nähert.
Wie das Feuer am Dienstagmittag ausgebrochen ist, wird von der Polizei noch untersucht. Der Mieter der Erdgeschosswohnung selbst war zu dem Zeitpunkt nach eigenen Angaben nicht in der Wohnung. „Ich habe mir gerade nebenan beim Pizza-Döner-Laden etwas zu essen geholt.“ Er deutet auf seine Kleider am Leib: „Außer dem, was ich trage, ist mir nichts geblieben.“
Polizei prüft Verstöße
Ob er seine Waffen wiederbekommt und mit welchen Konsequenzen, dahinter steht derzeit ein großes Fragezeichen. Die Polizei hat alles vorsichtig eingesammelt und beschlagnahmt. Nicht jeder Waffe ist anzusehen, wie gefährlich sie ist.
Es werde jetzt mit der gebotenen Vorsicht untersucht, ob Verstöße gegen das Waffengesetz vorlägen, bestätigt Sprecherin Lorena Lemke der NWZ. Auf den Sandkruger kämen möglicherweise ein Ordnungswidrigkeits- oder sogar ein Strafverfahren zu.
Sandkrugs Feuerwehrmänner hatten die Schuss- und Hiebwaffen während der Löscharbeiten im Erdgeschoss des Hauses entdeckt. „Für uns ist das im Einsatz so, als ob wir eine Gasflasche irgendwo stehen sehen. Wir holen alles aus der Reichweite des Feuers, was auch uns gefährden könnte“, sagt Gemeindebrandmeister Stefan Heinke, der den Einsatz persönlich leitete.
