Sandkrug - Der unvergleichliche Geruch nach reifenden Tomaten liegt in der Luft, sobald sich die Tür zum Gewächshaus öffnet. Mehr als 1400 Tomatenpflanzen von 30 verschiedenen Sorten wachsen hier unter biologischen Richtlinien heran. Peter Kluin streift durch die Reihen mit Blick über seine pflanzlichen Schützlinge. Hier passiert schon einiges automatisch: Bewässerung, Schattierung, Belüftung. Aber die Pflege und das Ernten, das geschieht hier noch von Hand.
Solawi wird zwei Jahre alt
Seit rund 40 Jahren lebt der Gemüsebauer nun in Sandkrug hier am Landschulweg in der Gemeinde Hatten. Der Gemüseanbau des Betriebes „Erdfrüchte“ hat sich über die Jahrzehnte entwickelt, seit zwei Jahren ist nun noch eine Solidarische Landwirtschaft (kurz Solawi) hinzugekommen. „Ich mag den englischen Begriff für diese Art zu wirtschaften, jedoch viel lieber“, sagt Kluin. „Community supported agriculture“ lautet der und bedeutet übersetzt so viel wie „Landwirtschaft, die von einer Gemeinschaft getragen und unterstützt wird“.
Genau das ist die Vision von Peter Kluin, der gemeinsam mit Hille Hartmann den seit 35 Jahren zertifizierten Bioland-Hof leitet: „Verbraucher und Verbraucherinnen sollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen, auf welchem Boden sie gewachsen sind. Durch ihre Mitgliedschaft ermöglichen sie uns, dass wir vernünftig wirtschaften können und für die Arbeit entlohnt werden“, skizziert Kluin den Grundgedanken der Solawi. „Das ist ein Baustein für eine dezentrale Ernährung. In meinen Augen müssen wir bestenfalls zurück zu der Direktvermarktung.“ Und auch die betreiben Kluin und sein 14-köpfiges Team – darunter fünf Festangestellte – bereits seit Jahren. Auf Märkten in Oldenburg und beim Ab-Hof-Verkauf können Kundinnen und Kunden das Gemüse frisch abholen.
Noch Ernteanteile frei
Bisher hat Kluin 50 Ernteanteile vergeben – und zwar mit „Überraschungseffekt“, wie er lachend sagt, denn jede Woche wird der Inhalt der Kisten neu „komponiert“. Die Mitglieder der Solawi, die in der Regel in einem Umkreis von 25 bis 30 Kilometern um den Hof wohnen, danken es und stellen ihren Speiseplan darauf ein. 80 Euro kostet ein Anteil pro Monat, umgerechnet also 20 Euro pro Woche – von Beginn an. Bis zu 80 Anteile wären wünschenswert.
Was er an der Solawi so toll findet? „Ein Vorteil ist ganz klar die Frische. Aber auch, dass wir extrem wenig transportieren müssen. Hinzu kommt, dass sich Menschen zusammentun, sich beispielsweise die Gemüsekisten teilen oder sie für die Nachbarn abholen. Noch ein Pluspunkt: Es gibt keinen Zwischenhändler.“
Auf drei Hektar baut der Biolandbetrieb die rund 30 Arten an, vor allem die frischen Kräuter, Zucchini und Paprika sind gefragt, aber auch Frühkartoffeln werden angepflanzt, Rote Beete, Möhren, Gurken oder verschiedene Salatsorten. Peter Kluin schaut über sein Land und lächelt: „Wir machen hier eigentlich alles, was so in diesen Breitengraden machbar ist und was gut wächst.“
