Sandkrug - Das Warm-up findet vor der offiziellen Begrüßung statt. „Seid Ihr bereit? Freut Ihr Euch?“, ruft Hauke Behrens so laut, dass es problemlos durch die Gesichtsmaske zu hören ist. Ein vielstimmiges „Ja!“ ist die Antwort, so laut, dass der didaktische Leiter der Waldschule zufrieden nickt.
Es ist Donnerstagmorgen, wenige Minuten vor 8 Uhr. Und es ist eigentlich ein typischer erster Tag im neuen Schuljahr. Drinnen in der Aula warten schon die Eltern auf den Einzug der neuen Fünftklässler, auf der geschmückten Bühne ist ein „Herzliches Willkommen“ zu lesen. Der Programmablauf sieht neben der Begrüßungsrede von Schulleiterin Silke Müller, Klaviermusik – vorgetragen von Celina Keßler und Julia Witte –, akrobatische Vorführungen, Sketche und die Präsentation der Buslotsen vor.
Vieles bleibt virtuell
Corona kann aber natürlich auch die Waldschule nicht ignorieren. Doch statt sich entmutigen zu lassen, scheinen Schwierigkeiten wie Hygieneauflagen hier die Kreativität noch anzustacheln. Gemeinsam mit älteren Schülern ist so ein überwiegend virtuelles Unterhaltungsprogramm entstanden. Musik, Vorführungen – alles wird in diesem Jahr digital vom Notebook über Projektor an die Wand geworfen. Gut, dass Hattens einzige weiterführende Schule schon seit Jahren Vorreiter im Umgang mit digitalen Medien ist.
Es zieht im Wohnzimmer
In der Aula, in der in den Vorjahren an solchen Tagen die Schüler und Eltern dicht gedrängt saßen, haben die Gäste diesmal viel Platz. Auf ein Mikrofon können Silke Müller und Hauke Behrens getrost verzichten. „Wir haben hier fast schon Wohnzimmeratmosphäre“, stellt letzterer fest. Nur, dass es dezent in dem großen Wohnzimmer zieht. An beiden Seiten stehen Türen offen, damit ein permanenter Luftaustausch gewährleistet ist.
Die Schulleiterin spricht über Schule in Corona-Zeiten, versucht Eltern und Schülern Sicherheit zu geben für den Fall, dass möglicherweise später im Jahr wieder verstärkt auf Homeschooling gesetzt werden muss.
Freitag folgt Teil zwei
Die Waldschule kann sich über mangelndes Interesse nicht beklagen, auch aus den Nachbargemeinden Wardenburg (51 Schüler) und Dötlingen (10). Im neuen Schuljahr starten insgesamt 125 Mädchen und Jungen in fünf fünften Klassen. Viel zu viele, um alle zusammen in die Aula zu holen. Nur zwei werden an diesem Donnerstagmorgen begrüßt, die restlichen drei sind am Freitag an der Reihe.
Aus Schülersicht spannendster Teil des ersten Schultags ist zweifellos das Rätsel, das sie gemeinsam zu lösen haben. Wo sind ihre Klassenräume, wer ihre Klassenlehrer? Eine Schnitzeljagd, die Kombinationsgabe und Orientierungsvermögen verlangt, führt alle ans Ziel. Wer sie dabei beobachtet, dem fällt eines sofort auf: Das Maskentragen ist ihnen offensichtlich schon während der Grundschulzeit in Fleisch und Blut übergegangen. Was das betrifft, können die Erwachsenen schon jetzt von ihnen lernen.
