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Bäder- und Saunabetrieb Ganderkesee Der Bademeister von morgen braucht technisches Interesse

Leon Werth
Werten die Wasserproben auch manuell aus (von links): Geschäftsführer Henry Peukert, Praktikant Jules Giron und stellvertretender Betriebsleiter Hani Al Mohraji.

Werten die Wasserproben auch manuell aus (von links): Geschäftsführer Henry Peukert, Praktikant Jules Giron und stellvertretender Betriebsleiter Hani Al Mohraji.

Leon Werth

Ganderkesee - Der Chlorgeruch wird intensiver. Eine Treppe führt hinter die Kulissen des Bäder- und Saunabetriebs Ganderkesee – hinab in einen faszinierenden Raum aus Wassertanks und Filteranlagen, Vorratstürmen und Rohrleitungen: Seit zwei Wochen ist Jules Giron Praktikant im Saunahuus und hat in dieser Zeit schon eine Menge über den Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe gelernt.

Dass ein „Bademeister“ nicht nur am Beckenrand steht, bekam der Elftklässler des Gymnasiums Ganderkesee schon am eigenen Leib zu spüren: Er begleitete ein anstrengendes Aquatraining und rettete sich im letzten Moment vor dem brühend heißen Aufguss in einer der Saunen. „Sportlich sollte man schon sein“, empfiehlt er jedem, der sich für diesen Beruf interessiert. Zum ersten August sucht die Bäder- und Saunabetriebsgesellschaft Ganderkesee noch eine Auszubildende oder einen Auszubildenden.

Hauptaufgaben

Zu den Hauptaufgaben eines Fachangestellten für Bäderbetriebe gehören neben der Beaufsichtigung der Badegäste die Hygiene der Bäder und vor allem die Überprüfung der Wasserqualität, erzählt Geschäftsführer Henry Peukert.

Das passiert hier unten im Technikraum. „Chlorgas wird zur Desinfektion des Wassers genutzt und Flockungsmittel für den nicht sichtbaren Schmutz“, weiß Jules und erklärt die chemischen Vorgänge. „Chlorgas plus Wasser ergibt Salzsäure.“ Um diese zu neutralisieren, werde ein natürliches Calciumcarbonat in Form von Marmorkies hinzugegeben. Damit werde ein hautverträglicher pH-Wert erreicht, der auch die Filtration des Wassers erleichtere.

Jules nutzt sein Betriebspraktikum zur beruflichen Orientierung. Hani Al Mohraji, stellvertretender Betriebsleiter, betreute ihn über zwei Wochen und vermittelte ihm die Arbeitsschritte und das Fachwissen: Das Wasser, das über den Beckenrand schwappt, muss einen Weg durch Sand-, Kies- und Kohlefilter zurücklegen, bevor es dem Becken wieder zugeführt wird. Eine digitale Messstation gibt Auskunft über Chlor-, pH- und Redoxwert, der die Geschwindigkeit der Keimtötung pro Sekunde aufzeichnet.

„Die Angestellten müssen sich mit den technischen Anlagen auskennen und wissen, welche Leitung wohin fließt“, sagt Henry Peukert. Doch auch oberirdisch sind sie tätig, bringen Kindern das Schwimmen bei und werden an der Kasse, im Gastronomie und im Wellnessbereich eingesetzt. Heiße Saunaaufgüsse sind kein Muss.

Schichtdienst

Der Betrieb möchte seine Azubis nach Möglichkeit auch übernehmen, sagt Peukert. Der Dienst ist in mehrere Schichten eingeteilt, einige sind schon um 5.30 Uhr für Vorbereitungen im Haus, andere arbeiten samstags bis um 1 Uhr. Die Berufsschule findet über das Jahr verteilt als Blockunterricht in der Gemeinde Zeven bei Rotenburg (Wümme) statt.

Regulär dauert die Ausbildung drei Jahre. Es gebe aber auch die Möglichkeit, nach einer Zwischenprüfung auf zwei oder zweieinhalb Jahre zu verkürzen, sagt Hani Al Mohraji. Nach dem Abschluss und 24 Monaten weiterer Berufserfahrung sei ein Besuch der Meisterschule möglich. Danach könne man sich im Bereich Bädermanagement weiterbilden. Nach den zwei Wochen mit seinem so interessierten Praktikanten möchte Al Mohraji nun seinen Ausbilderschein machen.

Rettungsschwimmer

Jules ist sich noch nicht ganz klar über seinen Berufsweg, findet aber, dass er in den zwei Wochen Betriebspraktikum schon einen „richtig guten Einblick“ in den Beruf bekommen hat, der „total vielfältig“ sei. Sein nächstes Ziel sei das Rettungsschwimmer-Abzeichen.

Das sei für die Ausbildung keine Voraussetzung, sagt Peukert. Doch irgendeine Verbindung zum Schwimmsport sollte der Bewerber schon haben. „Wir können junge Menschen wie Jules gut gebrauchen, die offen dafür sind, neue Dinge kennenzulernen. Das hat man nicht immer.“

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