Wildeshausen - Es ist eine der wesentlichen Veranstaltungen der Wildeshauser Schützengilde und es weckt vor allem die Vorfreude auf das Gildefest zu Pfingsten: das traditionelle Schaffermahl, zu dem Stadt und Gilde alljährlich in den historischen Rathaussaal einladen – so auch wieder am kommenden Mittwoch, 15. März. Um 17 Uhr werden die mehr als 100 Gäste an den langen Tafeln Platz nehmen zum Heringsessen bei angeregten Gesprächen. Ehrengast ist in diesem Jahr der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Dürr aus Ganderkesee.
Mehrfach abgeschafft
Wie der Presseoffizier der Schützengilde, Christian Harting, erklärt, sind beim Schaffermahl als ständige Teilnehmer der König, der Schaffer und die Offiziere der Gilde sowie die Ratsmitglieder der Stadt Wildeshausen mit von der Partie. Weitere Gäste werden Jahr für Jahr hinzugeladen. In der jetzigen Form findet die Schaffermahlzeit seit 1978 statt, davor hat es sie schon seit den Anfängen der Schützengilde im 15. Jahrhundert gegeben – aber unregelmäßig. In den vergangenen Jahrhunderten, so Harting, sei es immer mal wieder zur Abschaffung des Schaffermahls gekommen, weil zum Beispiel die Kirche sich über „Ausschweifungen“ beschwerte.
Mit dem bekannten Bremer Schaffermahl sei die Wildeshauser Veranstaltung nicht zu vergleichen, betont der Presseoffizier. „Das Wildeshauser Schaffermahl hat seine eigene Tradition und ist nachweislich älter als das Bremer Schaffermahl, welches von 1545 datiert ist.“ In Wildeshausen seien bereits 1492 Schaffer für gemeinsame Mahlzeiten gewählt worden. Während der Schaffer in Bremen als maritimer Proviantmeister und „Herbei-Schaffer“ von Lebensmitteln vor Antritt einer längeren Schiffsreise wichtig war, bezeichne der Begriff in Wildeshausen einen Würdenträger der Gilde, der nach seiner Wahl dafür zu sorgen hatte, dass im darauffolgenden Jahr wieder zu Pfingsten die Gilde in alter Tradition ihr Fest feiern konnte.
Einer sitzt auf dem Fass
Heute wird die Schaffermahlzeit als Dank an den Schaffer für seine geleistete Arbeit von der Schützengilde abgehalten. Die Fähnriche der Gilde, in diesem Jahr unter Leitung des Dienstältesten, Fähnrich Martin Posenauer, sorgen mit ihren Partnerinnen für Essen und Trinken und richten den Rathaussaal entsprechend her. Der Schaffer des Vorjahres und jetzige Fähnrich der Wache, Philipp Hogeback, nimmt auf einem Fass am Ende der Tafel Platz.
Verbunden war das Schaffermahl stets mit einem „Tabakskollegium“ – doch geraucht wird im historischen Rathaussaal schon lange nicht mehr. Tabak und Pfeifen werden lediglich ausgelegt. Das behördliche Rauchverbot geht vor Tradition.
