Schlutter - Das Bild von dem Auto, das gegen einen Baum prallt und sich dann überschlägt, hat sich den Ersthelfern besonders eingeprägt. Peter Lindner und sein Sohn Patrick Lindner wurden in ihrem Oldtimer-Auto von dem Kleinwagen überholt, bevor dieser am Montagnachmittag auf der Bundesstraße 213 in Schlutter schwer verunglückte.
Nur kurz Blickkontakt
Vorbildliches Verhalten bescheinigte die Polizei den Bundeswehrangehörigen. „Sie haben sich um die Verletzten gekümmert, ihnen Beistand geleistet und Erste-Hilfe-Maßnahmen durchgeführt“, sagt Sprecherin Lorena Lemke. „Die Betreuung war sehr vorbildlich.“
Im Unfallauto saßen zwei Männer aus Wilhelmshaven. Der 38-jährige Fahrer wurde so schwer verletzt, dass ein Hubschrauber nachalarmiert werden muste. Am Dienstag hatte die Polizei keine neuen Informationen über den Gesundheitszustand des Mannes.
Zivilcourage ist gefragt, wenn man auf einen Unfallort zukommt: Wichtig sei, über einen Notruf Hilfe zu holen, sagt Polizei-Sprecherin Lemke. „Aber man sollte nur das tun, was man sich zutraut.“ Für Unfallopfer sei es auch wichtig, dass jemand da sei.
Die beiden Bundeswehrsoldaten vom Logistikbataillon 161 in Adelheide überlegten nicht lange, sondern hielten sofort an. Auch Hauptfeldwebel Sarah Stöhr, die mit dem Auto hinter ihren beiden Kameraden fuhr und den Unfall ebenfalls gesehen hatte, stoppte gleich. „Wir hatten nur einmal kurz Blickkontakt“, berichtet die 36-Jährige aus Remels. Alles sei ohne Absprachen abgelaufen und habe wie bei einem Zahnrad ineinandergegriffen, so Oberstabsfeldwebel Peter Lindner.
Unfallopfer geborgen
Die drei Soldaten organisierten die Absperrung der Straße. Während Sarah Stöhr einen Notruf absetzte, bargen die Lindners die beiden verletzten Männer aus dem Unfallauto. Patrick Lindner kümmerte sich um den Fahrer, der eine schwere Kopfverletzung erlitten hatte. Er habe ihn nach Knochenbrüchen abgetastet und aufgefordert, die Augen offen zu halten, berichtet der 30-jährige Stabsunteroffizier aus Elsfleth. Später begleitete er den Schwerverletzten in den Rettungswagen.
Dass die drei Helfer genau wussten, was zu tun ist, begründen sie mit ihrer Ausbildung bei der Bundeswehr. Bereits in der Grundausbildung werde jede Soldatin und jeder Soldat im Themengebiet „Erste Hilfe“ ausgebildet und bekomme danach mindestens alle zwei Jahre eine Auffrischung, bei der auch Verkehrsunfälle nachgespielt würden. Wenn es darum gehe, sich um Verletzte zu kümmern, seien sie deshalb routinierter als Zivilisten. Auch bei einem schweren Unfall in Havekost am 2. September war der Ersthelfer zufällig ein Bundeswehrsoldat.
Obwohl die Bundeswehrangehörigen Hilfe leisteten, ohne lange zu überlegen, erinnern sie sich an ihre Gedanken auf dem Weg zur Unfallstelle. „Ich habe gedacht, da lebt keiner mehr“, sagt der 60-jährige Peter Lindner aus Oldenburg. „Bitte keine Kinder, war mein Blitzgedanke“, berichtet sein Sohn.
Alle sollten helfen
Die drei Helfer fühlen sich nicht als Helden, sondern haben getan, was sie wegen ihrer Ausbildung für selbstverständlich halten. Auch weniger erfahrene Menschen sollten bei einem Unfall handeln, meint Peter Lindner: „Man kann nichts falsch machen, außer man macht nichts.“
