Schlutter - „Wat sind dat for komische Tieten, allns steiht still“, schimpft Herwig Kunst. Denn das gab es in der 63-jährigen Geschichte seiner Laientheatergruppe noch nie: „Die Speelkoppel Hoyerwege muss ihrem treuen Publikum leider mitteilen, dass wir zum ersten Mal seit Gründung 1957 im kommenden Winter pausieren müssen und kein Theaterstück aufführen können“, wechselt der Vorsitzende ins Hochdeutsche.
Kein leichter Entschluss
Die aufgrund des ungewissen Fortgangs der Corona-Pandemie getroffene Entscheidung fiel den Laienschauspieler nicht leicht: „Wir haben zusammen beraten und uns schweren Herzens zu diesem Schritt durchgerungen“, berichtet Kunst. Denn das Infektionsrisiko sei eben doch zu hoch. „Die Gesundheit ist unser höchstes Gut. Und wir tragen ebenso für unsere Schauspieler wie für unser Publikum Verantwortung“, gibt er zu bedenken. Er beteuert: „Wir wollen nicht schuld daran sein, wenn sich auch nur ein Mensch mit dem Coronavirus infiziert.“
Platt-Freunde in der Gemeinde Ganderkesee müssen wegen der Corona-Pandemie auf vieles verzichten:
Die Plattdüütsche Week wäre 2020 in der großen Variante mit Gala-Abend dran gewesen. Doch volle Säle sind jetzt undenkbar.Die „Gala-Platte“ fällt aus.
Auch die regioVHS wird ihr Niederdeutsches Theater in der Aula des Gymnasiums Ganderkesee in der bevorstehende Wintersaison zusammenstreichen müssen.
Weil die meisten der lokalen Laienspielgruppen ihr Spiel aussetzen, wird es 2021 voraussichtlich nur zwei bis drei Angebote geben, hat regioVHS-Chef Andreas Lembeck angekündigt.
Seit 1978 bietet die Volkshochschule in Ganderkesee Laienschauspielgruppen aus dem gesamten Landkreis Oldenburg regelmäßig eine Bühne, um ihre Stücke zu präsentieren.
Verschiedene Lösungsansätze, das Spiel auch unter Pandemiebedingungen durchzuführen, seien zuvor lange überdacht und schließlich doch verworfen worden. Kunst: „Unser Dachverband, de Spieker, der Heimatbund für niederdeutsche Kultur in Oldenburg, hatte die Idee, bloß Stücke mit wenigen Schauspielern oder gleich nur Einakter aufzuführen.“ Doch das entspreche nicht dem Programm der Speelkoppel, die schon mal bis zu zehn Laienschauspieler gleichzeitig auf der engen Bühne versammelt.
Im Winter hätte zudem auch die Abstands- und Lüftungssituation auf der Diele des Hofs Kunst in Schlutter, der Premierenbühne eines jeden Stücks, nicht gelöst werden können. „Wir haben sonst immer großen Spaß, der soll sich auf die Zuschauer übertragen“, sagt Kunst. Stattdessen jetzt mit schlechtem Gewissen zu spielen, weil jemand erkranken könnte, das hätte in der Theatersaison doch nichts gebracht.
Keine Zeit verschwenden
Die nun freie Zeit wollen die Mitglieder der Speelkoppel zielgerichtet nutzen: „Wir räumen unseren Materialkeller in der Grundschule Lange Straße auf und basteln dann auch noch neue Kulissen“, verrät der Speelkoppel-Chef.
Eine gute Nachricht haben die Freunde des niederdeutschen Theaters doch noch für ihre Fans: „Unsere ganze Hoffnung ruht auf dem Freilichttheater im Sommer 2021“, blickt Kunst voraus.
Lustspiel erst wieder 2021
Auf dem Hof der Familie Hegeler soll in der zweiten Junihälfte gespielt werden. Auch das Stück ist schon ausgewählt: „Aasgeier över Schlutter“. Welche Geschichte sich hinter dem spektakulären Titel verbirgt, das will Kunst noch nicht preisgeben. Nur so viel: „Die Lachmuskeln können ordentlich trainiert werden, es ist ein tolles Lustspiel in drei Akten“, verrät er.
