Hollen - Im Müll wäre er gelandet, der seit wenigen Tagen abgelaufene Quark. Ein ähnliches Schicksal hätte wohl den mit braunen Flecken übersäten Apfel ereilt, wäre er nicht im Garten des Regionalen Umweltzentrums (RUZ) in Hollen gewachsen. Denn dort stieg am Samstag eine „Schnippelparty“. Dazu hatte das RUZ gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Prima Klima Ganderkesee und Unterstützung des Klimaschutzmanagements der Gemeinde Ganderkesee und der regioVHS eingeladen.

Eigentlich wollten die 18 Teilnehmer Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern verarbeiten, doch das war kaum zu bekommen, berichtete Hanns-Peter Iber vom Aktionsbündnis Prima Klima. „Krummes Gemüse landet erst gar nicht im Handel und auf den Höfen wird es oft sofort entsorgt“, sagte er. So versuchte Iber, zumindest abgelaufene Milchprodukte zu finden. Nach langer Suche fand er dann auch einen abgelaufenen Quark in einem örtlichen Lebensmittelgeschäft – der wurde ihm aber von einer Verkäuferin ganz schnell wieder abgenommen, denn: Abgelaufene Lebensmittel dürfen nicht an die Kunden weitergegeben werden. So begnügte sich Iber mit Produkten, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums standen.

Äpfel mit kleinen Schönheitsfehlern sammelten die 18 Teilnehmer am Samstag im Garten des RUZ. Gemeinsam mit Koch Martin Dörgeloh, der sonst in der Mensa am Neustadtswall des Studentenwerks in Bremen am Herd steht, bereiteten sie anschließend eine Apfel-Kürbissuppe, eine Couscous-Gemüsepfanne mit Ingewer-Joghurt-Dip sowie eine Mascarpone-Quark-Creme mit Zimtpflaumen zu.

Doch bevor es an die Messer ging, klärten Iber sowie Claudia Kay vom RUZ die Teilnehmer über Lebensmittelverschwendung auf. „11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich in der Tonne“, sagte Kay. 60 Prozent davon werden laut Kay in den Haushalten entsorgt. Nicht nur der Vortrag regte die Teilnehmer zum Nachdenken an. Besonders der Trailer des Films „Taste the waste“, der die Ausmaße der Lebensmittelverschwendung deutlich macht, erschreckte sie.

„Man muss nachdenken, was man einkauft“, sagte Teilnehmer Robert Hajduk hinterher. „Man sollte nur kaufen, was man auch wirklich verbraucht“, so der 85-Jährige aus Delmenhorst, der aber auch einen weiteren Grund zur Teilnahme hatte: „Ich bin nun alleinstehend und kann nicht kochen“, sagte er schmunzelnd.

Tipps gegen die Verschwendung gab es von Claudia Kay: Reste verwerten, beim Kochen auf die richtigen Mengenangaben achten, Vorräte überprüfen und Einkaufslisten schreiben nannte sie unter anderem. Außerdem betonte sie, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht bedeute, dass das Produkt nach Ablauf ungenießbar sei. Hier empfahl sie den Augen-Nase-Mund-Test. Den hatten der abgelaufene Quark und der dellenreiche Apfel überstanden. Sie landeten am Ende auf den Tellern der Teilnehmer, die sich einig waren, dass auch Lebensmittel mit Schönheitsfehlern schmecken.