Bürstel - Die Garage ihres Elternhauses im kleinen Ort Bürstel ist der Mittelpunkt ihres beruflichen Lebens. Hier hat sich Insa Scherschanski (41) mit „Wildwuchs“ einen Traum erfüllt.
Zielstrebig war Insa Martens, so ihr Geburtsname, schon als Kind. Ihren Freunden zeigte sie das eine oder andere Mal wo es lang geht. In ihrer Nachbarschaft waren die gleichaltrigen Spielkameraden ausnahmslos Jungs, aber auch hier ging sie vorneweg. Immer nach dem Motto „Mittendrin, statt nur dabei“. Mit sechs Jahren war sie schon Mitglied im Schützenverein Bürstel-Immer. „Einmal habe ich es bei den Schülern sogar zur Vizekönigin gebracht“, erzählt Insa lächelnd. Hauptsache, sich mit Freunden zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Eine große Leidenschaft waren und sind auch noch heute Gesellschaftsspiele.
Als kleines Mädchen wollte Insa Polizistin werden, in ihrer Schulzeit war davon aber keine Rede mehr. Ein Schulpraktikum machte sie bei Raumausstattung Düßmann in Ganderkesee. „Die handwerklichen Arbeiten haben mir da sehr viel Spaß gemacht“, schwärmt Insa. Ein zweites Praktikum absolvierte sie bei einem Delmenhorster Fotografen. Hier bekam sie den Tipp, doch die Fachoberschule für Gestaltung in Oldenburg zu besuchen. Diese Idee fand Insa ganz reizvoll. Allerdings war das mit einer Aufnahmeprüfung verbunden und von über 200 Anwärtern wurden nur 40 berücksichtigt. Nicht zuletzt mit ihrer Kreativität konnte sie die Jury überzeugen.
Im ersten Jahr war Theorie angesagt, im zweiten ging es raus in die Praxis. Insa machte ihr Praktikum zunächst in einer Werbeagentur und dann in einem Blumengeschäft in Delmenhorst. Diese Arbeit gefiel ihr so gut, dass sie sich entschloss, eine Ausbildung zur Floristin zu machen. „Ein Blumengeschäft ist doch nicht kreativ“, meinte einer ihrer Lehrer von der Fachoberschule. Insa ließ sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen und begann ihre Ausbildung bei Günter Melle in Ganderkesee. „Diese Zeit war der Hammer. Hier stimmte einfach alles“, schwärmt Insa in den höchsten Tönen.
Nach bestandener Prüfung wollte sie in anderen Blumengeschäften weitere Erfahrung sammeln – unter anderem bei Piet Meinen in Groß-Mackenstedt. „Weil ich mich in diesem Geschäft um alles kümmern musste, habe ich schnell gelernt, alleine klar zu kommen.“ Zielstrebig wie Insa nun einmal ist, war hier nach eineinhalb Jahren Schluss und es ging nach Hannover auf die Meisterschule. „Ein Landkind kommt in die Großstadt. Man lernt sich selbst noch einmal neu kennen. Auf dem Dorf kennt jeder jeden, das ist in einer Stadt wie Hannover natürlich anders. Da war ich ruhiger und nicht immer gleich vorneweg“, schildert Insa diese lehrreiche Zeit.
Als frischgebackene Floristmeisterin kehrte sie Hannover den Rücken und arbeitete in verschiedenen Geschäften. An einigen Wochenenden half sie einer Freundin in Hannover, die dort ihr erstes Geschäft eröffnen wollte. „Selbstständig? Das kann ich mir auch vorstellen“, sagte sich Insa. Auf dem Bauernmarkt in Ganderkesee half sie ihrer Nachbarin beim Verkauf von Kürbissen und zusätzlich verkaufte sie ihre eigenen Gestecke. Die hatten ihren ganz besonderen Stil. „Ich suche mir vieles aus der Natur und lasse mich inspirieren“, erklärt Insa. Ihre Kreationen kamen so gut an, dass Insa auch auf anderen Märkten präsent war.
Immer häufiger klingelte bei ihr das Telefon: „Mensch Insa, ich brauche etwas.“ Nun machte Insa Nägel mit Köpfen und die Garage ihres Wohn- und Elternhauses wurde zum etwas anderen Blumenladen, mit einem einzigartigen Ambiente. Selbst Möbelstücke ihrer Oma aus Ostfriesland fanden hier ihren Platz. Insas Materialien sind Besonderheiten der Natur und daher lag ihr Firmenname „Wildwuchs“ nahe. „Ich bin eher wild und daher passt der Name auch zu mir“, sagt Insa lächelnd. Am 17. September 2009 war der Eröffnungstag und im Laufe der Jahre fanden immer mehr Kunden den Weg nach Bürstel. Ob für Hochzeiten, Trauerfeiern oder jeden anderen Anlass, Insa zaubert die passende Floristik. Auf dem Weg in die Selbstständigkeit konnte sie sich immer auf ihren Dennis und seine handwerklichen Qualitäten sowie auf seine Familie verlassen.
Insa war gerade 15 Jahre jung, als ihr Dennis Scherschanski auf einer Freiluftfete über den Weg lief. Dann verloren sich beide wieder aus den Augen, bis zum Osterfeuer in Stenum im Jahr 2000. Nun funkte es erneut und seit 2008 sind beide ein Ehepaar. Ein Jahr nach der Eröffnung von „Wildwuchs“ wurde Tochter Pia geboren. „Im Moment sind wir dabei, mein Elternhaus nach unseren Wünschen zu gestalten“, verrät Insa. „Gerne unternehmen wir viel mit Nachbarn und Freunden.“ Zusammen mit der Dorfgemeinschaft Bürstel-Immer waren Insa und Dennis auch bei den letzten Faschingsumzügen mit dabei. 2020 waren sie als Bienen unterwegs und konnten damit den ersten Platz erringen. Fleißige Bienen – wie passend für Insa und auch für ihren Dennis.
