Neu-Holzkamp - Viele müssen in ihrem Leben schwerwiegende Entscheidungen treffen, bei denen das Herz „Nein“ und der Verstand „Ja“ sagt. Das hat auch Chris Iben (36) durchlebt. Ein Jahr nach dieser Entscheidung sagt Chris: „Ich kann jetzt in jedem Fall befreiter leben.“
Zusammen mit seinen beiden älteren Geschwistern ist Chris in Strudthafe aufgewachsen. Hier bewirtschafteten seine Eltern und Großeltern einen landwirtschaftlichen Betrieb. Ein Strahlen ging immer dann über sein Gesicht, wenn sein Vater ihn auf dem Trecker mitnahm. Gerade zur Schule gekommen, fuhr Chris den Trecker schon alleine. Es dauerte nicht lange, bis er eigenhändig den Acker bearbeiten durfte. Da gab es schon einmal kleine Reibereien mit seinem älteren Bruder Axel, der ebenfalls gerne auf dem Trecker sitzen wollte.
Früh begann Chris mit dem Handball beim TSV Ganderkesee. „Allerdings habe ich oft das Training geschwänzt, wenn zuhause auf dem Hof etwas los war“, sagt Chris und lächelt. Mit der Zeit nahmen die Eltern ihre Kinder in die Pflicht. Und so waren sie an einigen Wochenenden verantwortlich für die Fütterung der Tiere. Als sein Bruder Axel sein erstes Motorrad ausrangiert hatte, nahm sich Chris dieses Moped und schraubte nach Herzenslust daran. Im Alter von 16 Jahren machte er nicht nur seinen Führerschein für den Trecker, sondern auch für Mopeds. Noch heute sitzt er mit Leidenschaft auf seinem Motorrad und lässt sich den Wind um die Nase wehen.
Seine Schulzeit hat Chris in nicht so guter Erinnerung. Viel lieber hätte er sich auf dem Hof beschäftigt. Nach der Grundschule und der Orientierungsstufe ging er auf eine Bremer Privatschule. Abwechslungsreich waren dagegen die Schulpraktika. Die Zeit bei einem Zweiradmechaniker und einem Schmied waren interessant und machten viel Spaß. Für Chris stand fest: „Ich werde Landwirt.“
Nach seinem Schulabschluss begann er 2004 eine Ausbildung in einem Milchviehbetrieb in der Nähe von Westerstede. „Hier wurde bei mir das Interesse für Tiere geweckt“, blickt Chris dankbar zurück. Während er sein zweites Ausbildungsjahr auf dem elterlichen Betrieb absolvierte, ging es dann noch auf einen Ackerbaubetrieb mit Schweinemast.
Nach der dreijährigen Ausbildung und der bestandenen Prüfung meinte sein Vater Werner Iben: „Geh dich austoben.“ Chris arbeitete dann zunächst zwei Jahre beim Lohnunternehmen Kuhlmann in Neerstedt und anschließend besuchte er die Einjährige Fachschule in Vechta. Als frischgebackener Betriebswirt wollte er dann zusammen mit seinem Bruder den elterlichen Betrieb übernehmen. Das war leichter gesagt, als getan.
Da ein „Zusammen“ nur schwer möglich war, arbeitete Chris wieder bei einem Lohnunternehmen und anschließend auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Großenkneten. Im Mai 2013 erhielt er von seinem Vater einen Anruf. „Wir könnten einen landwirtschaftlichen Betrieb in unserer Nähe bekommen. Hast Du Lust?“ Nach einer Besichtigung und diversen Gesprächen gründete Chris zusammen mit seinem Vater die Geflügelmast GbR. War der Betrieb anfangs gepachtet, so wurde er 2014 komplett gekauft. Mit dem Kauf verlegte Chris seinen Wohnsitz zum Betrieb in Neu-Holzkamp.
„Ich bin von der neuen Nachbarschaft sofort super aufgenommen worden“, schwärmt Chris noch heute. Lief die ersten Jahre alles nach Plan, so zogen 2020 wie bei vielen anderen Betrieben auch dunkle Wolken auf. Die Preise für Geflügel waren im Keller und die Preise für Futter zogen an. Was machen? Wie geht es weiter? Chris hatte viele schlaflose Nächte, bis er sich im Februar 2022 entschied, die Ställe zu verkaufen. „Ich bin der Überzeugung, es war die richtige Entscheidung. Keiner weiß, was die Politik noch mit den Landwirten vor hat.“
Seit Anfang letzten Jahres arbeitet Chris wieder beim Lohnunternehmen Kuhlmann in Neerstedt. Sein Haus in Neu-Holzkamp bewohnt er weiterhin und das seit 2015 mit seiner Julia. Nach dem Motto: „Was lange währt…“ dauerte es mit den beiden etwas länger. Silvester 2013 lernten sich beide kennen. Beide pflegten den Kontakt miteinander, trafen sich hin und wieder, bis Chris zu seinem 30. Geburtstag Julia mit auf die Gästeliste setzte. Nun war es um beide geschehen, sie wurden ein Paar.
Dass Glück und Leid oft dicht beieinander liegen, diese schmerzliche Erfahrung mussten auch Chris und Julia machen. Im Sommer 2019 feierten beide ihre Hochzeit, nur wenige Monate später starb Hermine Iben, die Mutter von Chris. Das Leben geht bekanntlich weiter, auch für Chris und seine Julia.
Beide genießen die Zeit in ihrem Zuhause und das zusammen mit ihren beiden Hunden Emma und Rumpel. Julia und Chris sind aber auch gerne mit ihren Nachbarn und Freunden zusammen. Ein Hobby von Chris ist seit gut zwei Jahren die Jagd. Im Gegensatz zu seiner Schulzeit machte ihm das intensive Lernen für die Jagdprüfung sogar richtig viel Spaß. „Für mich steht nicht die Jagd im Mittelpunkt, sondern die Hege und Pflege im Revier und vor allen Dingen die tolle Gemeinschaft unter uns Jägern“, schwärmt Chris.
