Bookholzberg - Irgendwann in der Realschulzeit erhielt Gerald Weigel (52) nach einer Auseinandersetzung mit einer Deutschlehrerin den Spitznamen „Theo“ – hergeleitet vom Film „Theo gegen den Rest der Welt“. Aber der Reihe nach. In Rethorn ist er wohlbehütet zusammen mit zwei jüngeren Brüdern und einer Schwester aufgewachsen. „Die Ältesten haben es oft schwieriger als die Jüngeren“, sagt Gerald und lächelt.

Leicht hatte er es auch beim Fußball nicht. Beim Vfl Stenum in der C-Jugend war er der Kleinste in der Mannschaft, was dann öfter mal dazu führte, dass er umgelaufen wurde und verletzt vom Platz musste. Nach zwei Jahren musste er einsehen, dass Fußball nicht das Richtige für ihn ist. Da er gerne draußen in der Natur war, schloss er sich den Pfadfindern in Ganderkesee an. „Das war Abenteuer pur, da war immer was los“, schwärmt Gerald noch heute.

Ein Highlight für ihn waren die gemeinsamen Fahrten, zum Beispiel nach Dänemark. War er bei den Pfadfindern in seinem Element, so konnte er das von seiner Schulzeit nicht behaupten. „Ich habe nicht mehr gemacht, als unbedingt notwendig war“, erzählt Gerald. Da er den einfachsten Weg gehen wollte, machte er auf der Realschule in Bookholzberg Kunst und Musik zu seinen Wahlpflichtkursen. Beim Fach Kunst ging seine Strategie auf, nicht aber bei Musik. „Ich habe gemerkt, dass ich gegenüber meinen Klassenkameraden nicht viel wusste und auch kein Instrument spielen konnte.“ Das sollte sich ändern.

In Bremen erwarb er für 150 DM eine E-Gitarre mit kleinem Verstärker – ohne Koffer musste er das Set in Bus und Bahn heil nach Hause bringen.

Aus der Bücherei lieh er sich das Buch „Die Rock-Gitarre“ aus und mit Hilfe dieses Buches brachte er sich das Spielen auf der Gitarre selber bei. „Ich wollte es unbedingt schnell lernen, damit ich im Kurs nicht der ewige Schellenkranzspieler bleibe“, erklärt Gerald seinen Ehrgeiz. Es sollte sich lohnen, denn innerhalb von zwei Monaten stand er als Gitarrist mit den Kollegen vom Wahlpflichtkurs auf der Bühne. Was er damals noch nicht ahnen konnte, dass die Bühne einmal eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen würde.

Nach dem Abschluss an der Realschule spielte er mit dem Gedanken, eventuell noch sein Abitur zu machen, um dann zu studieren. Mit diesen Überlegungen war sein Vater nicht so recht einverstanden: „Du machst erst eine Lehre.“ Gesagt – getan. In Schierbrok absolvierte er eine Ausbildung zum Elektriker. „Nach einer Woche war mir klar: Dieser Beruf ist keine Option für mein weiteres Leben.“ Er kämpfte sich so durch, dass er die Ausbildung wegen seiner guten Noten um ein halbes Jahr verkürzen konnte.

Nachdem Gerald sein Fachabitur für Elektrotechnik gemacht hatte und er sich gerade in seinem Ausbildungsbetrieb als Geselle etwas dazuverdienen konnte, entdeckte er 1993 in der Zeitung eine Anzeige. Hier wurden zwei Musikanimateure für die Türkei gesucht. „Ich bin dann mit einem befreundeten Keyboarder da hin“, so Weigel. In diesen zwei Monaten in der Türkei wurde Gerald noch einmal mehr klar, dass es für sein Leben bessere Alternativen als die Arbeit auf dem Bau geben musste.

Im Oktober 1993 ging es für ihn für ein halbes Jahr nach Australien und Neuseeland, um Land und Leute kennenzulernen und entfernte Verwandte zu besuchen. „Ich bin etwa 7000 Kilometer mit dem Fahrrad durch die Länder geradelt“, erzählt Gerald. Wieder in der Heimat angekommen, besuchte er in Brake die Technikerschule und war nach drei Jahren staatlich geprüfter Techniker.

Über 100 Bewerbungen verschickte er, aber überall hätte er an den Wochenenden arbeiten oder Bereitschaften machen müssen. Da er das wegen seiner schon gut laufenden Band nicht wollte und konnte, machte er noch seinen Meister im Elektrohandwerk dazu. Sein Plan war, sich selbstständig zu machen und sein eigener Chef zu sein. „Ist das der richtige Weg?“, fragte sich Gerald. Er entschied sich dann irgendwann gegen den Handwerksbetrieb und für die Musik.

Schon im April 1989 wurde eine Zwei-Mann-Band gegründet, die dann um einen Schlagzeuger erweitert wurde, und es folgten die ersten Einsätze zum Beispiel auf Hochzeiten oder auch Kohlfahrten. Gerald sang und spielte Gitarre und Bass. Die Band wurde immer bekannter, mit „Troubadix“ wurde 1991 auch der passende Name gefunden. Nach seiner Rückkehr aus Australien und Neuseeland musste Gerald feststellen, dass sich die Band aufgelöst hatte. „Wir machen weiter“, sagte er sich und mit insgesamt vier Mitgliedern startete die Band neu durch.

Der Name „Troubadix“ wurde als Tanz- und Partyband immer beliebter, weit über 1000 Auftritte in 25 Jahren sprechen für sich. Da sich der Zeitgeist änderte, löste sich die Band im Oktober 2016 auf. Schon 2011 wurden die Auftritte weniger und immer mehr wurden Discjockeys für die diversen Feierlichkeiten gebucht. Das machte sich Gerald zu Eigen und ist seitdem als „DJ Theo“ im Einsatz. Dazu unterrichtet er in seiner Musikschule „Theos kleine Gitarrenschule“ nicht nur Gitarre, sondern auch Keyboard, Bass und Schlagzeug. „Ich bin zufrieden, wie alles gekommen ist, auch wenn mir die Corona-Maßnahmen der letzten Zeit schwer zugesetzt haben“, äußert sich Gerald. Doch sein Terminkalender verrät, dass sowohl seine Musikschule, als auch „DJ Theo“ wieder gefragt sind. Jetzt kann er endlich wieder das Neueste von heute sowie Klassiker wie „Love is in the Air“ und „Moviestar“ auflegen. Zwei Songs, mit denen er schon zu Bandzeiten die Tanzfläche voll bekommen hat.