Ganderkesee - Um die 70.000 Besucher waren kürzlich bei den Landtagen-Nord in Wüsting. Bei einer Ganderkeseerin liefen viele Fäden zusammen. Ihr ehemaliger Chef Helmut Urban sagte ihr zu Ehren: „Ulrike Hartmann ist die Stimme der Landtage“. Nicht nur für die ca. 600 Aussteller ist sie der gute Geist hinter den Kulissen. In diesem Jahr konnten gleich zwei Firmen ihre Stände nicht finden, denn die Firmen waren gar nicht angemeldet. „Mit schieben und quetschen konnte geholfen werden“, erzählt Ulrike Hartmann (55). Viele Jahre war sie auch die Stimme und das Gesicht vom Café Rischmüller in Delmenhorst.
Aber der Reihe nach: Ulrike Alms, so ihr Geburtsname, ist in Falkenburg aufgewachsen und wie sie erzählt, im Sand der Weitsprunggrube im Ganderkeseer Stadion groß geworden. Ihre Eltern Sabine und Hermann Alms waren sehr erfolgreiche Leichtathleten und mussten dementsprechend trainieren. Auch Ulrike begann früh mit der Leichtathletik. Dazu trainierte ihre Mutter die ersten Damen im Handball beim TSV Hoyerswege. So spielte Ulrike für kurze Zeit Handball beim TSV Ganderkesee. Ihre sportliche Leidenschaft ging allerdings schnell in eine andere Richtung.
Durch eine Freundin kam Ulrike zum Reiten, da gab es für sie kein Halten mehr. In der Dressur und bei den Springprüfungen konnte sie den einen oder anderen Erfolg verbuchen. Oma Johanna betätigte sich als ihre Sponsorin – und so hatte sie mit „Wimpel 115“ auch ihr eigenes Pferd.
Ulrike war so gut im Sattel, dass sie auch Pferde ausbildete. Als ihre eigene Familie in den Vordergrund rückte, gab sie den Reitsport auf. „Das ist mir sehr, sehr schwer gefallen“, gesteht Ulrike. Während ihrer Zeit auf dem Gymnasium waren Schularbeiten eher Nebensache, denn Reiten war angesagt. Als es immer mehr zum Abitur ging, das Lernen intensiver wurde und für das Reiten nicht mehr viel Zeit übrig blieb, eröffnete sie ihren Eltern: „Ich möchte kein Abitur machen“. Stattdessen machte sie ihren Realschulabschluss.
Gerne wäre sie natürlich Pferdewirtin geworden, doch dazu hätten ihre Eltern wohl nie ihr Einverständnis gegeben. Durch ihren Vater bekam sie eine Ausbildungsstelle zur Bürokauffrau in Kirchweyhe. Von Falkenburg nach Kirchweyhe mit dem Fahrrad, das war keine Option. Sie bekam die Sondergenehmigung, schon mit 17 Jahren den Führerschein zu machen.
Mit der Fußgruppe vom Reiterverein war sie viele Jahre beim Faschingsumzug mit dabei. Eine Bekannte überredete sie, doch der Tanzgruppe „Lolly Pops“ beizutreten. Die Übungsabende und die Auftritte bei den Büttenabenden machten ihr viel Spaß. 18 Jahre war sie aktiv dabei, bevor sie sich von der Büttenabendbühne verabschiedete.
Schon früh lernte sie ihren Guido kennen. Im Alter von 15 Jahren traf sie ihn zum ersten Mal auf dem Schützenfest in Falkenburg. Auf einer Feier trafen sich beide 1987 wieder und nun ging alles sehr schnell. Ein Jahr später wurde Tochter Katherina geboren und zwei Jahre später wurde geheiratet. Kurz nach der Geburt von Katherina arbeitete Ulrike im Innendienst bei Willenbrock Fördertechnik. Als Tochter Alisa, sie ist heute 30Jahre alt, die Familie vergrößerte, kümmerte sich Ulrike ausschließlich um die Familie.
Schon zwei Jahre später entschlossen sich Ulrike und ihr Guido, der von Beruf Konditormeister ist, das Café Rischmüller in Delmenhorst zu übernehmen. Während Ehemann Guido in der Backstube war, führte Ulrike das Café und bediente die Gäste. „Der Anfang war schon sehr hart“, erinnert sie sich. Mit viel Fleiß und Energie 365 Tage im Jahr, brachte das Ehepaar Hartmann dieses Delmenhorster Traditions-Café wieder zum Laufen.
2009 stand die Verlängerung des Pachtvertrages an. „Wir haben gemerkt, dass die Innenstadt von Delmenhorst sich verändert hatte. Durch Schließungen mehrerer Geschäfte und Kaufhäuser gab es nicht mehr so viele Kunden und damit wurden auch unsere Gäste weniger“, erzählt Ulrike. Das Ehepaar entschloss sich dazu, neue berufliche Wege zu gehen. Im Juni 2010 entdeckte Ulrike eine Stellenausschreibung der Messe Landtage-Nord in Wüsting. Am 22. Juni war das Vorstellungsgespräch bei Helmut Urban, schon eine Woche später war ihr erster Arbeitstag. „Da Ende Juni die heiße Phase für die Landtage beginnt, bin ich bei 120 Prozent eingestiegen. Dabei habe ich nicht gewusst, was für eine Großveranstaltung die Landtage überhaupt sind“, sagt Ulrike. Seit vielen Jahren kümmert sie sich um die Akquisition und das Administrative, berät Aussteller. Von dem Mittwoch vor bis zum Dienstag nach der Messe schlägt sie ihr Lager ganz in Wüsting auf.
Schon jetzt freut sie sich auf ihren Urlaub, den das Ehepaar an ihrem Campingplatz in Schillig an der Nordsee verbringt. Dann genießt Ulrike im Liegestuhl Sonne, Strand, Meer, die Ruhe und liest viel. Auch denkt sie zwischendurch an die Landtage im kommenden Jahr, denn Ulrike hängt mir Leib und Seele an dieser Veranstaltung.
