Bookhorn - „Wenn ich nach dem einen Jahr noch länger auf Sylt geblieben wäre, dann wäre ich wohl immer noch dort“, sagt Frank Tönjes lächelnd. Seit vielen Jahren ist er wieder in seiner Heimat in Ganderkesee und sorgt seit über drei Jahren für die grünen Denkmäler für die Verstorbenen. Zwei Jahre nach seiner Geburt hatten seine Eltern Irene und Magnus Tönjes 1979 ihr Blumenhaus in Bookhorn eröffnet. Zusammen mit seiner Schwester Meike war er in jungen Jahren weniger im Blumenladen, sondern viel lieber auf dem Bauernhof in der Nachbarschaft.

„Als Kind findest du das toll, wenn du von Kälbern, Kühen und Hunden umgeben bist“, erinnert sich Frank. Gerne war er auch mit dem Fahrrad unterwegs, um die Gegend zu erkunden. Wenn Frank einmal nicht auf Erkundungstour war, so zeichnete er gerne und auch gut. Bei diversen Malwettbewerben ging er oft als Sieger hervor. „Leider fehlt mir heute die Zeit dazu“, bedauert Frank. Im Alter von zwölf Jahren wünschte er sich ein Aquarium. Da seine Eltern nicht wussten, ob dieses Interesse von langer Dauer ist, bekam er zunächst eine Glaskugel. Da er sich intensiv um die Fische kümmerte, erhielt er kurze Zeit später ein „richtiges“ Aquarium. Diese Leidenschaft hat Frank noch heute und wie in jungen Jahren liegt ihm das Wohlergehen seiner Fische sehr am Herzen.

Auf seine Schulzeit angesprochen erinnert er sich sofort daran, dass er bei jedem Wetter mit dem Fahrrad zur Schule fahren musste. Kunst war sein Lieblingsfach, aber auch in Mathe machte ihm so schnell keiner etwas vor. Sein Schulpraktikum absolvierte Frank als Zahntechniker und als Bauzeichner bei einem Architekten. „Beides hat mir gut gefallen, aber den ganzen Tag sitzen und dann wenig Abwechslung im Berufsalltag, das ist nichts für mich.“ Obwohl ihm seine Eltern bei der Berufswahl freie Hand gelassen hatten, sollte es ein Beruf in der „grünen Branche“ werden. Nach seinem Realschulabschluss machte er in Wildeshausen sein Berufsgrundbildungsjahr. Hierzu gehörte auch in jeder Woche ein Praxistag. Den machte er als Florist in einem Blumengeschäft in Oldenburg. Diese Tätigkeit gefiel ihm so gut, dass er anschließend bei Blumen Hoppe in Oldenburg seine Ausbildung machte.

Während dieser Zeit gab es für die Auszubildenden unter anderem einen Berufswettkampf in der Weser-Ems-Halle. Hier konnte Frank einen hervorragenden dritten Platz belegen. „Wir durften alles machen, auch das Binden von Trauerkränzen“, schwärmt Frank von seinem Ausbildungsbetrieb. Für ihn stand aber auch fest, nach der Ausbildung geht es auf Wanderschaft, um noch weitere praktische Erfahrung zu sammeln. Den Anfang machte 1997 eine Gärtnerei in Stuhr. Während dieser Zeit las er in einer Fachzeitschrift, dass ein Blumengeschäft auf Sylt auf der Suche nach einem Floristen ist. Er wurde zu Probearbeiten eingeladen. Da es zwischen beiden Parteien passte, verkündete er seinen Eltern: „Ich ziehe aus!“

„Dieses eine Jahr war ohne Übertreibung ein Höhepunkt in meinem Leben. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt.“ Das Geschäft hätte ihn gerne länger behalten, aber ihm war klar: „Wäre ich länger geblieben, wäre ich von Sylt nicht mehr losgekommen.“ So packte er seinen Koffer und es ging weiter ins Münsterland. Während dieser Zeit wurde er wieder auf eine Anzeige in einer Fachzeitschrift aufmerksam. Auf der Insel Mainau wurde ein Florist gesucht. Da er auf seine Bewerbung kein Feedback bekam, meldete er sich in Köln-Auweiler zur Meisterschule an. Zwei Tage später kam dann der ersehnte Anruf von der Insel Mainau: „Wir hätten sie gerne!“ Was tun? Frank entschied sich für die Meisterschule. Auch auf dieses eine Jahr blickt er äußerst positiv zurück. „Schüler aus ganz Deutschland wohnten in einem Wohnheim, eine tolle Gemeinschaft.“

Mit dem Meisterbrief in der Tasche ging es 2002 in den elterlichen Betrieb zurück. Das Jahr 2008 wird Frank nie vergessen. In diesem Jahr verstarb seine Mutter Irene und dazu verlegte die Familie ihren Blumenladen von Bookhorn in den Ortskern von Ganderkesee. „Wir wollten näher beim Kunden sein.“ Da sich die Entwicklung in der Rathausstraße für Familie Tönjes aber negativ entwickelte, gaben sie nach acht Jahren dieses Geschäft wieder auf. Frank wechselte zu einem Unternehmen für Dekorationsartikel. Hier war er oft auf Messen oder flog zum Einkauf neuer Artikel nach China. Mit seinem erlernten Beruf hatte diese Tätigkeit wenig zu tun. Darum wechselte er dann noch kurz in eine Delmenhorster Gärtnerei.

Zum 1. Januar 2019 machte er sich mit seinem Unternehmen „Floristik – Grabpflege – Kranzbinderei“ selbstständig. Bei der Grabpflege trat er in die Fußstapfen seines Vaters, der neben dem Blumenladen über 40 Jahre lang viele Gräber gepflegt hatte. Schnell machte sich Frank Tönjes einen Namen, und mittlerweile hat er drei Mitarbeiter. Neben der Grabpflege gehört auch das Kranzbinden zu seinen Aufgaben. Diese Tätigkeit wurde vor einem halben Jahr zu einer emotionalen Herausforderung. Nach dem Tod seines Vaters Magnus wurden die Trauerkränze von ihm und seiner Schwester Meike gebunden. So hatte sein Vater es sich gewünscht. Jede einzelne Blume weckte bei den beiden Erinnerungen und jede einzelne Blume war auch mit einem Dankeschön verbunden.