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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg

Schnack Am Wochenende: Langer Weg nach Falkenburg

25.01.2020

Was tun, wenn das Berufsleben vorbei ist, wenn man freiwillig oder unfreiwillig zum Single wurde? Von Erinnerungen zehren, sich vor dem Altwerden fürchten? Oder etwas ganz Neues anfangen? Genau dieser Absatz aus dem Roman „Die letzte Strophe“ von Christine Brückner trifft auf Ingeborg Willemsen zu. „Es war bestimmt nicht immer leicht, aber ich habe immer nach vorne geschaut und mein Leben angenommen“, blickt die 76-jährige Falkenburgerin zurück.

Geboren wurde sie in Pommern und wie so viele andere Menschen musste auch ihre Familie im März 1945 fluchtartig die Heimat verlassen. In einem kleinen Ort bei Schwanewede fand die Familie eine neue Heimat. Ingeborg spielte gern mit den Nachbarskindern draußen in der Natur, aber genauso gern verzog sie sich mit einem Buch in einer stillen Ecke – am liebsten mit „Försters Pucki“, dem damaligen Kinderbuchklassiker. Noch heute stehen diese Bücher aus Kindertagen in ihrem Bücherregal.

Nach der Mittleren Reife absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Speditionskauffrau mit Schwerpunkt „Buchhaltung“ und arbeitete anschließend bei verschiedenen Firmen, unter anderem in einer Bremer Kaffeerösterei. In der Zwischenzeit hatte sie ihren Hermann kennen und lieben gelernt, der als Soldat in ihrem Heimatort Schwanewede stationiert war. Dieser ließ sich nach der Bundeswehrzeit zum Diakon ausbilden – im damaligen Lutherstift in Falkenburg.

Heute ist es unvorstellbar, aber damals durften Diakone in der Ausbildung keine Freundin haben. Eher heimlich fuhr ihr Hermann daher mit dem Fahrrad von Falkenburg nach Schwanewede, damit die beiden sich wenigstens mal sehen konnten. Am 2. Oktober 1966 war seine Ausbildung abgeschlossen – schon vier Tage später wurde geheiratet. In Kirchweyhe trat ihr Mann eine Stelle als Gemeindediakon an. Mit den Söhnen Stefan (heute 52) und Thomas (50) vergrößerte sich die Familie.

„Wir waren im Dorfleben von Kirchweyhe tief verwurzelt und dort sehr glücklich“, erzählt Ingeborg. Sie engagierte sich ehrenamtlich in der Kirchenarbeit. Alles schien perfekt, doch das Schicksal wollte es anders: Im Dezember 1980 verstarb ihr Mann im Alter von nur 41 Jahren an einem Schlaganfall mit Hirnbluten. Was nun? Ingeborg, die in der Kirchengemeinde von Kirchweyhe beschäftigt war, ließ sich per Fernstudium ebenfalls zur Diakonin ausbilden. Nur einige Tage im Monat musste sie dafür nach Falkenburg. Nach drei Jahren machte sie ihr Examen.

In der Zwischenzeit hatte sie ihren zweiten Ehemann kennengelernt, einen Landwirt aus Scheeßel. Anstatt Diakonin war sie nun Bäuerin und brachte es auch hier bis zur Meisterin in der ländlichen Hauswirtschaft. Doch mit den Jahren wuchs in ihr der Wunsch, die Ausbildung zur Diakonin zu beenden. Nach dem Examen fehlten ihr noch das Anerkennungsjahr und die Abschlussprüfung. Beides holte sie 1996 nach: Neben ihrer Arbeit auf dem Bauernhof besetzte sie in Horstedt noch eine halbe Stelle als Diakonin.

Nachdem ihre Ehe gescheitert war und sie erneut auf eigenen Beinen stehen musste, übernahm Ingeborg Willemsen die Leitung einer Wohnanlage für Senioren in Rotenburg. 2005 stellte sie sich, wie in dem Roman „Die letzte Strophe“, die Frage: „Was tun nach dem Berufsleben?“ Zurück in ihr Elternhaus nach Schwanewede? In Rotenburg bleiben? Eines wollte sie in keinem Fall: im Alter allein sein. Sie wollte mit Menschen zusammenleben, die auf der „gleichen Wellenlänge“ unterwegs waren.

Ingeborg war Mitglied im Diakoniekonvent Lutherstift, der seit 1958 seinen Sitz in Falkenburg hat. Derzeit gehören 150 Mitglieder aus ganz Norddeutschland dem Konvent an. Ein kleiner Teil von ihnen lebt in Falkenburg, rund um das Gelände des heutigen Dorfparks, im sogenannten Refugium. Hierhin wollte Ingeborg Willemsen auch – also verlegte sie 2005 ihren Wohnsitz nach Falkenburg. Zwei Jahre später wurde sie zur Vorsitzenden des Konvents gewählt. Neun Jahre füllte sie dieses Ehrenamt aus.

„Der Diakoniekonvent ist ein ganz wichtiger Teil meines Lebens“, erklärt Ingeborg Willemsen. Noch heute ist sie aktiv dabei. Sie ist unter anderem Mitglied in der Redaktion vom „Rundbrief“, der viermal im Jahr für die Mitglieder erscheint. Zudem wird der Diakoniekonvent in diesem Sommer 100 Jahre. Für die Jubiläumsschrift hat sie ebenfalls ihren Beitrag geleistet. Damit noch nicht genug: Sie kümmert sich um die Jakobusklause, in der Obdachlose übernachten können, und unterstützt ausländische Mitbürger beim Erlernen der deutschen Sprache.

Möchte sie einmal abschalten und Luft holen, dann ist Ingeborg Willemsen in ihrem Garten zu finden. „Wenn ich auf meiner Terrasse sitze und die Natur genieße, dann habe ich einen Sommerurlaub, der schöner nicht sein kann“, schwärmt sie.

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