Ganderkesee - Seine erste Reaktion war: „Da will ich nicht hin“, als er nach Delmenhorst versetzt werden sollte. Da das Leben kein „Wünsch Dir was“ ist, fügte er sich seinem Schicksal. Im Nachhinein hat sich diese Versetzung als Glücksfall erwiesen, denn in seiner neuen Heimat Ganderkesee fühlt er sich sehr wohl. Ein Glücksfall aber auch für viele Verkehrsteilnehmer, denn sein großes Hobby ist deren Sicherheit.
Die Rede ist von Gerhard Herrmann (69), der in Dortmund mitten im Ruhrpott groß geworden ist. Sein Zuhause war ganz in der Nähe vom Stadion „Rote Erde“, wo die Spiele seines Lieblingsvereins Borussia Dortmund damals noch stattfanden. Zusammen mit seinen Freunden wartete er beim Training auf die Spieler und holte sich die begehrten Autogramme.
In seiner Kinder- und Jugendzeit spielte die Kirche eine wichtige Rolle. Angefangen im kirchlichen Kindergarten, wurde Herrmann später zum Messdiener berufen und war aktiv in der Kirchenjugend. Zunächst als Teilnehmer und später als Gruppenleiter, zum Beispiel bei gemeinsamen Jugendfreizeiten. Hatte Gerhard Herrmann damals eine sehr enge Bindung zur Kirche, so beschränken sich heute seine Kirchenbesuche auf die Feiertage, wie er schmunzelnd zugibt.
Als Teilnehmer vieler Fahrten war er immer begeistert, wenn die Gruppenleiter am Lagerfeuer auf ihren Gitarren spielten. „Das möchte ich auch können“, sagte sich der junge Gerhard und nahm Gitarrenunterricht in der Musikschule. Einige Jahre spielte er im Jugendmusikorchester der Stadt Dortmund. Noch heute spielt er gerne Gitarre und seit einigen Jahren ist mit dem Cajon (Sitztrommel) ein weiteres Instrument dazu gekommen. „Bei Gartenpartys spielt mein Kumpel Holger Gitarre und ich dazu mit dem Cajon, Stimmung ist da garantiert“, erzählt Gerhard Herrmann.
Mit dem Austragen der Kirchenzeitung besserte sich Gerhard sein Taschengeld auf und konnte sich so ein Fahrrad und später ein Mofa zulegen. Fahrzeuge waren seine große Leidenschaft. Schon als Kind zogen ihn Autos magisch an. Ihm war klar, dass er nach seinem Realschulabschluss etwas mit Autos machen wollte. Zunächst besuchte er die gerade neu ins Leben gerufene zweijährige Fachoberschule Technik. Das erste praktische Jahr absolvierte er bei Mercedes-Benz in Dortmund und im zweiten Jahr hieß es dann Pauken fürs Fachabitur Technik. Nachdem er das geschafft hatte, ging es im Oktober 1971 zur Bundeswehr.
Was er bei seinem Antritt noch nicht ahnen konnte: Die Bundeswehr sollte sein weiteres berufliches Leben bestimmen. Da es Gerhard Herrmann dort von Anfang an sehr gefiel, verpflichtete er sich gleich für zwei Jahre und schlug 1972 die Offizierslaufbahn ein. Darin eingeschlossen war ein Studium für Maschinenbau in Darmstadt. „Das war keine leichte Zeit. Viel Lernen und am Wochenende nur für eine kurze Stippvisite nach Hause“, erinnert sich Gerhard.
Teil der Ausbildung waren sechs Wochen Einzelkämpferausbildung. „Überleben im Felde, und dazu gehörte die Ernährung, von allem, was die Natur so bietet. Wollten wir Fisch, mussten wir zuerst einen fangen. Ebenso war es bei einem Hasenbraten. Ferner mussten wir Flüsse überqueren und uns an einer Talsperre abseilen.“ Es sei ein „Abenteuerurlaub auf Staatskosten“ gewesen, erzählt Gerhard Herrmann.
1977 war er Technischer Offizier und in Lippstadt in Westfalen stationiert. Während dieser Zeit hatte er im Urlaub in Frankreich das Windsurfen für sich entdeckt. Er verkaufte sein Auto für einen VW-Bulli, damit das Surfbrett transportiert werden konnte. 1981 stand eine Versetzung an und Gerhard Herrmann liebäugelte, gerade wegen des Surfens, mit einem Standort an der Küste. Als er dann als nach Delmenhorst versetzt wurde, war die Enttäuschung anfangs sehr groß. Zusammen mit seiner Hannelore zog er dann nach Ganderkesee. Zunächst zur Miete, und vor 22 Jahren erwarben beide ein Haus von Dr. Klaus Müller. Beide hatten mit Ganderkesee ihre neue Heimat gefunden, aber Gerhard wurde immer wieder an verschiedenen Orten eingesetzt. Neben Delmenhorst und Bremen war er auch über drei Jahre in Köln und sechs Monate im Auslandseinsatz auf dem Balkan.
In seiner Tätigkeit bei der Bundewehr war er unter anderem verantwortlich für die Ausbildung der Fahrlehrer und hatte selbst eine Ausbildung zum Fahrsicherheitstrainer für Motorrad, Pkw, Lkw und Bus gemacht. Diese Erfahrung machte er zu seinem Hobby. Seit 1994 führt er ehrenamtlich Fahrsicherheitstrainings für die Verkehrswacht für den Landkreis Oldenburg durch – Schwerpunkt Pkw und seine große Liebe, das Motorrad.
Bis vor einem Jahr hat er darüber hinaus über die regioVHS Ganderkesee-Hude fast 20 Jahre Studienreisen mit dem Motorrad organisiert. Heute unternimmt er Touren nur noch mit Freunden. Seine Hannelore ist als Sozius immer gerne mit dabei. Gemeinsam sind beiden gerne auch mit Freunden mit ihrem Pedelec unterwegs. Das Fahren mit so einem Pedelec oder auch E-Bike ist nicht immer einfach und so gibt Gerhard Herrmann auch hier Sicherheitstrainings. Stehen Motorrad und Fahrrad in der Garage, so ist das Ehepaar Herrmann regelmäßig auf Campingurlaub und beide freuen sich schon jetzt auf ihre diesjährige Tour nach Norwegen.
