Schönemoor - Susanne Wöhler erinnert sich noch sehr genau an ihren Vorstellungsgottesdienst vor fast zwölf Jahren. Der Erntedankgottesdienst in Schönemoor fiel gänzlich anders aus als in ihrer vorherigen Gemeinde in Oldenburg-Eversten. „Dort hatten wir immer Probleme gehabt, den Altar zu schmücken“, blickt die Pastorin zurück. In der St.-Katharinen-Kirche hingegen habe es Erntegaben in Hülle und Fülle gegeben. Und das sei bis zuletzt so geblieben. „Ich musste mich nie darum kümmern, dass genug da ist. Das haben immer die Landfrauen übernommen.“
Nachdem sie sich 2008 ganz bewusst aufs Land beworben hatte, zieht es Susanne Wöhler zusammen mit ihrem Ehemann jetzt wieder in Richtung Oldenburg: Am Dienstag kommender Woche wird sie ihre neue Tätigkeit in der ev.-luth. Kirchengemeinde Wardenburg antreten. Der Umzug in ein Pfarrhaus in Wardenburg wird dann Anfang Juli stattfinden. Schönemoor verlasse sie mit Wehmut, aber auch mit Vorfreude auf das Kommende, sagt die 54-Jährige.
Ein Gottesdienst unter freiem Himmel wird am Pfingstmontag, 1. Juni, um 11 Uhr vor der St.-Katharinen-Kirche gefeiert. Inhaltlich wird es um den Geist der Hoffnung gehen.
Für Susanne Wöhler ist dies der letzte Gottesdienst an ihrer bisherigen Wirkungsstätte. Offiziell verabschiedet wird sie indes erst zu einem späteren Zeitpunkt.
Gottesdienst-Besucher werden gebeten, einen Camping- oder Klappstuhl, einen Mundschutz sowie einen ausgefüllten Bogen mit Namen, Adresse und Telefonnummer mitzubringen.
Dass ihr Abschied in die noch immer von Corona-Schutzmaßnahmen geprägte Zeit fällt, bedauert Susanne Wöhler sehr. „Ich hatte mir das anders vorgestellt“, sagt sie. Eigentlich habe sie im Juni gerne noch einmal mit den rund 2000 Mitgliedern der Kirchengemeinde Schönemoor das Gemeindefest feiern und dann Anfang Juli ihren Dienst in Wardenburg antreten wollen. Doch die Pandemie zwang zum Umplanen.
Doch planen, flexibel auf Gegebenheiten reagieren, sich Herausforderungen stellen, musste Susanne Wöhler oft in ihrer Zeit in Schönemoor. Kurze Zeit nach ihrem Start stand dort die 800-Jahr-Feier an, an deren Gestaltung auch die Kirche mitwirken sollte. Nicht alle Menschen in den Bauerschaften der Altgemeinde seien mit ihrem Stil auf Anhieb zurecht gekommen, erinnert sich Susanne Wöhler. Zu groß schienen die Unterschiede zu Vorgänger Dirk Range.
Bei den Vorbereitungen der Jubiläumsfeier war die neue Pastorin gleich mittendrin: Durch die Zusammenarbeit mit den Vereinen habe sie viele Kontakte geknüpft. Die Heterogenität ihrer Gemeinde, mit den Neubaugebieten in Heide einerseits und der dörflichen Struktur in Schönemoor und Neuenlande andererseits, gefiel Susanne Wöhler auf Anhieb.
Allerlei Veränderungen hat sie innerhalb der Kirchengemeinde begleitet: die Erweiterung des Friedhofs um einen pflegefreien Bereich, die Renovierung des Gemeindesaals, die Restaurierung der Kirche mit Erneuerung der Heizung und damit verbunden der Umrüstung von Stühlen auf Kirchenbänke. Als einen Meilenstein ihrer Zeit in St. Katharinen bezeichnet die Pastorin auch die Übernahme der kirchlichen Spielkreisgruppen durch einen Verein, was den „Kükengruppen“ vor drei Jahren das Fortbestehen gesichert hatte.
Auch zahlreiche Konzerte hat Susanne Wöhler in Schönemoor seitens der Kirchengemeinde St. Katharinen begleitet und organisiert – fünfmal hat dort allein das Gartenkultur-Musikfestival Station gemacht.
Ein besonderes Anliegen war und bleibt ihr aber die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Bis zu 40 Konfirmanden betreute sie in Schönemoor in einem Jahr. Jene 13 Konfirmanden, die in diesem Jahr in St. Katharinen wegen der Pandemie erst verspätet eingesegnet werden können, wird Susanne Wöhler bis zum Schluss begleiten – dann als Gastpredigerin.
